Montag, 7. Mai 2018

[Dana] Rezension: Verena Bachmann - Step by Step. Herzschlag im Dreivierteltakt

 ©Impress
 Step by Step. herzschlag im Dreivierteltakt

Autorin: Verena Bachmann
erschienen Mai 2018
ISBN:   978-3-646-60324-8
gefühlvolle Geschichte, in der die Mauern bröckeln

Hayne ist eine starke, selbstbewusste Schülersprecherin, die alles stets im Griff hat. Das ist zumindest das Bild, das sie den anderen Menschen um sich herum vermittelt. Dass auch in ihr Unsicherheit, Angst und Zweifel keimen, ahnen nicht viele. Als Hayne für den Schulball plötzlich selbst das Tanzbein schwingen soll, steht sie vor einem riesigen Problem. Sie kann weder tanzen, noch hat sie einen geeigneten Partner dafür, der nicht vor ihr weglaufen würde. Da ihre Optionen begrenzt sind, nimmt sie notgedrungen das fragwürdige Angebot von Schulschwarm Arthur an und steht damit nicht nur vor der Schwierigkeit in der Kürze der Zeit tanzen zu lernen.

Ich habe Hayne sehr schnell ins Herz geschlossen. Ich mag ihre Art, auch wenn sie manchmal etwas kratzbürstig, nicht immer nur freundlich oder zuvorkommend, sondern oft direkt und sehr schlagfertig ist. Ihre sarkastischen oder ironischen Äußerungen haben mich immer wieder zum Lachen gebracht, weil es einfach so perfekt in die Handlung und die Gespräche eingebunden ist. Vielleicht habe ich mich an einigen Stellen auch einfach selbst entdeckt, da mir auch nachgesagt wird, ich spreche fließend sarkastisch.
Vermutlich ist Hayne nicht für jeden Leser sympathisch und nahbar. Sie ist schon etwas speziell und erst im Verlauf des Buches lernt man die Hayne hinter den dicken Mauern kennen. Mich hat sie jedoch sofort mitgenommen und ich mochte auch ihre Entwicklung sehr. Auch starke Frauen haben ihre schwachen, verletzlichen Seiten, man möchte die nur nicht immer jedem zeigen. Hayne nimmt die Dinge gern selbst in die Hand und ist in den Augen ihrer Freunde manchmal zu vernünftig und durchgeplant. Ihre Kampfsporterfahrungen sind beim Durchsetzen auf jeden Fall hilfreich und verschaffen wir den nötigen Respekt. Dass einige da auch mal Angst vor ihr haben, kann man gut nachvollziehen, aber man muss sich eben auch nicht alles gefallen lassen, solange man dem Gegenüber nicht ernsthaft verletzt damit.
Durch die Ich-Perspektive erlebt man die Geschichte sehr intensiv. Man lernt sowohl die taffe, selbstbewusste, organisierte Hayne kennen, die nicht so viel aus der Ruhe bringt, als auch die Hayne mit Zweifeln, mit enttäuschten Gefühlen, die verletzliche, zarte Seite, die sie besonders in der Schule sonst nicht zeigt. Die authentischen, lebhaften Beschreibungen machen es leicht, sich in die Protagonistin einzufühlen und sie auf ihrem steinigen und turbulenten Weg zu begleiten.

Nicht alles in der Handlung ist überraschend, was mich aber nicht weiter gestört hat, da die Entwicklungen, die die Figuren machen, wirklich schön zu verfolgen sind. Und es gibt auch ein paar kleine Überraschungen und Erlebnisse, mit denen man eher nicht gerechnet hätte, wenn man Hayne zu Beginn des Buches erlebt. Viele verschiedene Emotionen begleiten die Charaktere im Laufe der Geschichte. Es gibt sehr schöne, fröhliche, lustige Momente, aber auch peinliche, erniedrigende, traurige Situationen – eine abwechslungsreiche Mischung, bei der nichts zu kurz kommt.
Auch in den Freundeskreis und die Familie der Protagonistin bekommt man einen Einblick, so ergibt sich ein komplexerer Blick auf das Geschehen und durch die Äußerungen in verschiedenen Gesprächen lernt man auch Hayne selbst noch besser kennen.
Die kleinen Tanzausflüge haben mir persönlich auch sehr gut gefallen, auch wenn sie nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Es ist eine schöne Ergänzung in der Handlung, darauf ja das seltsame Angebot von Arthur basiert. Man kann sich beim Lesen bildhaft vorstellen, wie ungeschickt die Tanzstunden ablaufen, was mich immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Eine sehr schöne, gefühlvolle Geschichte, bei der die Protagonistin besonders emotionale Hürden meistern muss, um das Schulfest zu überstehen, aber auch um ein Stück weit zu sich selbst zu finden und sich einzugestehen, dass man nicht immer alle Mauern hochfahren muss, um ihm Leben voran zu kommen.


Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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