Donnerstag, 8. März 2018

[Dana] Rezension: Tom Reven - Mission: Polaroid

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 ©Main Verlag
 Mission: Polaroid

Autor: Tom Reven
erschienen Februar 2018
ISBN:  978-3-95949-183-9
facettenreiche, bunte Geschichte mit Momenten zum Nachdenken


Vince ist aus seinem Heimatort weggezogen, um etwas zur Ruhe zu kommen, um freier Leben zu können, unbefangen und ohne die Schatten, die ihn zuletzt gequält haben. Obwohl er sich schnell seine Position als Außenseiter erarbeitet hat und ihn seine Klassenkameraden in Frieden lassen, spürt er die erwünschte Freiheit nur, wenn er mit seiner Kamera unterwegs ist. Als Liam neu in die Klasse kommt, ändert sich allerdings alles. Er wird aus seiner Ecke getrieben und lernt Menschen kennen, die auf der einen Seite Mauern einreißen und auf der anderen Seite neue Probleme auslösen.


Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, ich habe mich direkt wohl gefühlt in der Geschichte, auch wenn viele problematische, aufwühlende Themen aufgerollt werden. Stück für Stück lernt man die Charaktere kennen, blickt hinter ihre Fassaden, erfährt etwas zu ihren Hintergründen und bekommt hautnah mit, wie sie sich entwickeln.
Da die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven erzählt wird, hat man unterschiedliche Eindrücke und bekommt mehr von der Handlung mit, selbst wenn die Protagonisten nicht gemeinsam agieren. Sowohl Vince, als auch Liam haben ihr Päckchen zu tragen und auch wenn ihre Geschichte durch die Schule den ersten Berührungspunkt hatte, spielt sich der Großteil der Handlung doch in ihrem Privatleben ab. Die beiden Einzelgänger treffen durch eine glückliche Fügung nicht nur aufeinander, sondern auch noch auf eine kleine Truppe Underdogs, die bis dahin eher für sich geblieben sind. Dadurch hat man eine Figurenkonstellation, bei der viele verschiedene Probleme, Ängste, Schwierigkeiten und Einstellungen aufeinandertreffen, die nicht alle in ihrem Umfeld teilen. Auf den ersten Blick mag man den Eindruck haben, dass es sehr gestellt und konstruiert ist, dass da so viele „Problemkids“ aufeinander treffen. Aber wenn man etwas tiefer in die Geschichte eintaucht und auch die Charaktere besser kennenlernt, fällt auf, dass sie doch eher Dinge beschäftigen, die es häufiger gibt, aber sie trotz allem in irgendeiner Form zum Außenseiter gemacht haben bzw. sie sich selbst dazu gemacht haben, um Intoleranz, dummen Sprüchen und Mobbing zu entgehen. Es ist wirklich schade, dass es nach wie vor so schwierig ist, in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wenn man mal nicht so ganz mit dem „gewöhnlichen“ Storm schwimmt. Wobei ich mir immer die Frage stelle, wer denn festlegt, was normal, gewöhnlich, akzeptabel und repräsentabel ist. Machen einen Haarfarben wirklich zu einem anderen Menschen? Spielt es eine Rolle, wen wir lieben und sollte es nicht eigentlich viel wichtiger sein, dass wir lieben können?
Die Handlung stimmt auf jeden Fall nachdenklich, weil reichlich Themen angesprochen werden, die für die Betroffenen zum Problem werden, wenn ihr Umfeld es nicht versteht oder akzeptiert. Doch auch die Figuren selbst reagieren nicht immer so, wie es sich der Gegenüber wünscht. Sie sind ebenfalls in einer Findungsphase, wollen sich austesten, aus ihren Fesseln ausbrechen, eigentlich nur so sein, wie sie sind, fühlen sich aber durch Regeln in Schubladen gezwängt, in denen sie sich nicht wohlfühlen. Da können die Emotionen schon mal überkochen und man sagt oder tut etwas, was man später bereut.
Liebe, Freundschaft, Vertrauen, Zweifel, Angst, Hoffnung, Ehrlichkeit, Mut, Outing, Selbstfindung, Akzeptanz, Toleranz, Mobbing – viele unterschiedliche Facetten treffen im Buch aufeinander und werden in den verschiedensten Formen kombiniert. Die Zusammenhänge sind nachvollziehbar und authentisch, wenn aufgrund der Personenkonstellation, auch etwas geballt.
Das Thema Fotografie/Polaroid spielt nicht nur im Buchtitel, sondern auch in der Handlung eine Rolle.  Vince ist kaum ohne seine Kamera unterwegs und versucht, Momente festzuhalten, die einmalig sind und man nicht stellen kann. Ich fand dieses Element sehr schön, für meinen Geschmack hätte es sogar noch etwas ausgebauter sein dürfen.

Authentische Figuren, die alles andere als langweilig sind, ein angenehmer Schreibstil, der mich gut in der Handlung mitgenommen hat, viele verschiedene Emotionen und nachdenklich stimmende Themen haben dieses Buch für mich zu einem tollen Erlebnis gemacht.



Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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