Freitag, 28. April 2017

Rezension: Jayden V. Reeves - Der steinerne Garten

©Re Di Roma Verlag

Der steinerne Garten
Band 1

Autorin: Jayden V. Reeves
erschienen Februar 2017
ISBN:   978-3-96103-149-8
aufwühlend, düster, dramatisch



Riley hatte keine besonders leichte Vergangenheit. Er hat einige Fehler begangen, sich verleiten lassen und Dinge probiert, die nachhaltige Wirkungen zeigen. Er kämpft um sein Leben, seine Freiheit und seine Zukunft, doch manchmal drohen ihn die Probleme zu erdrücken.
Als ihm auf einem Personentransport der verschlossene, sehr seltsame Nathanyel begegnet, hätte er nie gedacht, welche Steine diese Begegnung ins Rollen bringt. Ein verlockendes Angebot könnte einen Teil von Rileys Schwierigkeiten begleichen, doch den Preis den er dafür zahlen muss, ist nicht zu verachten. Auf engstem Raum mit einem Mann zu leben, der kaum zu bändigen ist, ist kein Zuckerschlecken. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und die Situation könnte eskalieren.


Die Welten von Riley und Nathanyel könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Riley immer in finanzieller Not ist, manchmal in den Tag hinein lebt und gern auch mal feiern geht mit seinen Freunden, lebt Nathanyel sehr zurück gezogen, nahezu einsam und hat strikte Strukturen, von denen er nur ungern abweicht. Geldsorgen sind ihm fremd, denn er ist in einer sehr vermögenden Familie aufgewachsen.
Wer jetzt vermutet, da treffen zwei junge Männer aufeinander, die fast nicht verschiedener sein können, sie verlieben sich und es wird total romantisch, der irrt sich. Eine Romance-Story sollte man bei dem Buch definitiv nicht erwarten. Es ist oft dramatisch, aufwühlend, bewegend, nachdenklich stimmend, manchmal wirklich heftig und erschreckend und nur selten von anhaltend positiven Gefühlen geprägt. Man sollte beim Lesen bereit sein, sich auf die Charaktere einzulassen und mit ihnen ihre sehr komplizierte, komplexe Geschichte zu erleben. Es wird häufig nicht wirklich schön, manchmal kann man die Personen vielleicht auch nicht verstehen, aber ich habe das Buch insgesamt als rund und stimmig empfunden.

Riley und Nathanyel sind beide sehr eigen, auf völlig unterschiedliche Weisen. Man schließt sich nicht sofort ins Herz und wünscht sie sich als besten Freund an der Seite, wie es in anderen Büchern vielleicht vorkommt. Ich habe während des gesamten Buches eine gewisse Distanz zu den beiden gewahrt, die mich aber nicht daran gehindert hat, mich in ihre Geschichte einzufühlen.
Ihr Weg ist hart, sehr steinig, geprägt von verschiedenen Leuten, die ihnen nicht unbedingt wohl gesonnen sind und noch dazu machen sie sich gegenseitig das Leben mehr als schwer. Es gibt Gefühlsausbrüche, Streit, erdrückende Stille und heftige Diskussionen. Trotz der ganzen Auseinandersetzungen kann man aber auch beobachten, wie die beiden sich nach und nach ein Stück weit öffnen, wie man intensivere Einblicke in ihre Leben und ihre Gedankenwelt bekommt. Die Mauern werden ein Stück gesenkt, man darf einen Blick hinüber werfen, aber nicht zu viel.
Würde die Handlung harmonischer verlaufen, ich glaube, so hätte es, aus meiner Sicht, nicht mehr so gut zu den beiden komplizierten Protagonisten gepasst. Beide haben ein schweres Päckchen zu tragen und manchmal hat man den Wunsch, beide an einen Tisch zu fesseln, damit sie sich endlich mal richtig unterhalten und den anderen so erkennen, wie er ist. Wenn man die Geschichte liest, wird man aber verstehen, wieso es nicht unbedingt dazu kommt, was sie abhält, was sie hindert und was ihnen stattdessen eben im Kopf rumgeistert.

Autor Jayden V. Reeves nimmt seine Leser mit in eine Welt voller sorgen, Probleme, Ängste, Nöte und Zwänge. Drogen, Verrat, Betrug, Geheimnisse, Schicksalsschläge und Outing spielen unter anderem eine Rolle. Doch trotz der ernsten, oft aufwühlenden, bedrückenden Themen habe ich den Schreibstil als angenehm empfunden. Häufig ist es sehr direkt und auf den Punkt gebracht, aber blumige Umschreibungen wären bei der Handlung auch irgendwie fehl am Platz. Anschauliche Beschreibungen lassen die Geschichte lebendig werden, für den einen oder anderen vielleicht auch zu lebendig. Ich konnte mir auf jeden Fall gut vorstellen, wie die Charaktere aussehen und an welchen Orten sie sich aufhalten.
Ich musste mich ein wenig in die Geschichte einlesen, einen Bezug zu den Figuren aufbauen und schauen, wie sie agieren, wie sie sind. Als man sie ein bisschen kennen gelernt hatte, konnte ich mich gut auf die turbulente Handlung einlassen.
Sehr gut gefallen hat mir, dass man neben den düsteren Passagen auch ab und an mal Momente hat, in denen man lachen oder schmunzeln kann. Im Leben der Protagonisten gibt es nicht so viel Sonnenschein, da ist es nicht verwunderlich, dass man nicht ständig Tränen vor Lachen in den Augen hat. Aber diese kleinen Lichtblicke zeigen eben auch, dass nicht alles nur dunkel, trist und aussichtslos ist.

Die sehr individuellen, etwas ungewöhnlichen Protagonisten machen die Geschichte besonders. Es ist insgesamt eher düster, aufwühlend und teilweise ziemlich erschreckend, aber mir hat der Einblick in das Leben der beiden trotzdem gefallen. Wo Licht ist, da muss es auch Schatten geben und manchmal schafft man es, sich in der Grauzone aufzuhalten. Das Buch ist vermutlich eher nichts für Leser, die gern in romantische Entwicklungen eintauchen, denn darum geht es nicht.



Vielen Dank an den Autoren und den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Das Buch hört sich toll an, wäre echt was für mich :)
    Tolle Buchvorstellung

    ShellyAbdallahs.Blogspot

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