Sonntag, 26. Februar 2017

Rezension: Wie ich dich sehe von Eric Lindstrom

Wie ich dich sehe

Autor: Eric Lindstrom
erschienen November 2016
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58347-5
© Carlsen
gefühlvolle, bewegende Geschichte

Infolge eines Unfalls ist Parker erblindet. Die inzwischen 16-jährige findet sich gut in ihrem Leben zurecht – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater stirbt. Dass dann auch noch ihr Ex-Freund auf ihre Schule kommt, bringt Parker völlig aus dem Konzept. Zeit, die eigenen Regeln neu zu überdenken...

Dies war für mich das zweite (Carlsen) Buch mit einer blinden Protagonistin. Im Gegensatz zu →Alles was ich sehe gibt es hier allerdings keinerlei Fantasyanteil, was die Geschichte noch ein wenig bewegender macht.

Zwar kann ich nicht einschätzen, wie realistisch das Leben der blinden Parker dargestellt ist, die Beschreibungen lesen sich aber sehr authentisch.
Parker musste sich ihre Welt auszählen, um sich zurechtzufinden. Die kleinste bauliche Veränderung kann für sie zum Problem werden. Sie hat einen völlig anderen Blick auf die Welt und die Menschen entwickelt.
Daher regt die Handlung stark zum Nachdenken an: In wie vielen Situationen verlassen wir uns nur auf unsere Augen. Wie aufgeschmissen wären wir, wenn wir Ereignisse allein anhand von Geräuschen und Tonlagen erfassen müssten.
So ist es verständlich, dass auch Parker oft ins Grübeln gerät und zu zweifeln beginnt, was ihr Umfeld vielleicht vor ihr verbirgt oder was sie einfach nicht mitbekommen kann.
Aufgrund der Ich-Perspektive ist der Leser sehr nah an ihren Gedanken und Gefühlen. Parker lässt den Leser an ihrem Leben teilhaben – mit all seinen Tücken, aber auch mit all den Glücksgefühlen, die sie erlebt, bei Ereignissen, die für Sehende oft selbstverständlich sind. Nicht zuletzt dadurch wird die Geschichte so berührend.
Ich habe viel unterwegs im Bus gelesen und hatte dabei Probleme, den Reader wegzulegen und auszusteigen, weil ich so in Parkers Welt gefangen war und weiterlesen wollte.

Die 16-jährige ist eine sehr starke Protagonistin. Sie geht offen, ein wenig selbstironisch mit ihrer Behinderung um und hat ihren Weg gefunden, wie sie trotzdem auf möglichst wenig im Leben verzichten muss. Sie ist mutig und risikobereit, was von ihrem Umfeld teilweise als lebensmüde aufgefasst wird, beim Lesen aber für besonders bewegende Momente sorgt. Und gleichzeitig ist sie verletzt von Ereignissen aus der Vergangenheit und leicht verletzlich, da sie sich unter der harten Schale, die sie nach außen präsentieren möchte, viele Sorgen und Gedanken macht.

Dank Parkers angenehmen, flüssigen und bildhaften Erzählstils fliegen die Seiten nur so dahin. Das Ende ist toll, doch auch recht abrupt – ich hätte an dieser Stelle gern noch (ewig) weitergelesen...

Eine bewegende Geschichte über einen blinden Teenager, der sein Leben neu organisieren muss und dabei auch über sich selbst noch einiges lernen kann. Parkers charmante, ironische Art sorgt für viele witzige Momente in der ansonsten sehr gefühlvollen, berührenden Handlung.


Ich danke dem Carlsen-Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Huhu,

    eine tolle Rezension und ein weiteres Buch das auf meine Wunschliste wandert. :)

    Liebe Grüße
    Bettina

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  2. Huhu Anja,

    das Buch habe ich auch gerade gelesen und bin völlig begeistert. Tolle Rezension! Da kann ich dir nur zustimmen! :-)

    Liebe Grüße
    Katharina

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  3. Huhu, Anja,

    eine wirklich schöne Rezension zu einem echt tollen Buch. Mir hat es ebenfalls gut gefallen, auch wenn ich einen Punkt abgezogen habe. Trotzdem lohnt es sich, es gelesen zu haben:)

    LG, Claudia :)

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  4. Oh wow, das Buch stelle ich mir recht spannend vor. Mein Horror als Leseratte ist es gelegentlich, wie es mir wohl ergeht, wenn ich blind werden würde. :( Ich bewundere die Leute wie sie zurecht kommen und durchs Leben gehen. :)

    ♥liche Sonntagsgrüße

    Deine Lenchen

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    1. Hallo Lenchen,
      das Problem des Lesens - Blindenschrift oder Hörbücher - wurde im Buch auch thematisiert. Noch faszinierender oder eher erschreckender fand ich allerdings, dass Parker kaum Musik hört. Was man so selbstverständlich täglich nebenbei macht, war für sie auch nicht möglich.
      Definitiv ein Buch, das nachwirkt.
      LG anja

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  5. Hey Anja,

    ich finde solche Bücher auch immer sehr faszinierend und auch wenn ich es selber glücklicherweise nicht nachfühlen kann, bin ich immer total gefangen in den Geschichten und fühle regelrecht mit. :)

    Liebe Grüße,
    Ruby

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  6. Huhu!

    Das Buch war schon auf meiner Wunschliste, weil es so vielversprechend klang - schön zu hören, dass es anscheinend auch einhält, was es verspricht. :-) Ich denke, das Buch werde ich auf jeden Fall noch lesen. Schöne Rezension!

    LG,
    Mikka

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  7. Oh was sehe ich denn da? =)
    Das Buch ist kürzlich auch bei mir angezogen, weil ich von den Rezensionen so angetan war. Vielleicht schaffe ich es noch, es zu lesen, bevor der nächste Schwung neuer Bücher hier eintrudelt ^^.

    LG
    Anja

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    1. Huhu Anja,
      es lohnt sich auf jeden Fall. Eine wirklich tolle Geschichte und für mich auch etwas völlig anderes.
      LG anja

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