Sonntag, 15. Januar 2017

Rezension: Jennifer Wolf - Let's Play. Verspieltes Herz

©Impress
Let's Play. Verspieltes Herz

 Autorin: Jennifer Wolf
erschienen Januar 2017
Verlag: Impress
ISBN:  978-3-646-60310-1

gefühlvolle Geschichte mit Einblick in die Gamer-Welt

Helena hatte bisher nicht besonders viel Glück mit der Liebe. Ihre letzte Beziehung hat ihr alles abverlangt, ihr Leben maßgeblich beeinflusst und das auf eine Weise, die sie wohl noch eine Weile spüren wird. Um ihr Herz zu schützen, lässt sie Männer nicht mehr sehr nah an sich heran. Nur über Buchfiguren und beim Beobachten der Online-Gamer lässt sie noch etwas Liebe in ihr Herz. Am faszinierendsten ist der Let’s Player Aiden für sie, der mit seiner warmen Stimme und dem amerikanischen Akzent alle Frauenherzen im Sturm erobert. Doch wer verbirgt sich wirklich hinter dem Online-Phänomen?


Der Schreibstil von Jennifer Wolf ist sehr angenehm, flüssig und bildhaft. Liebevoll gestaltete Beschreibungen lassen die Figuren und auch die Gamer-Welt, in die wir nach und nach eintauchen, lebendig werden. Obwohl ich selbst nichts mit PC-Spielen am Hut habe, war es wirklich interessant, einen Einblick zu bekommen. Die abwechslungsreichen Erläuterungen haben es nie langweilig werden lassen. Und obwohl die Let’s Play-Welt immer eine Rolle gespielt hat, war es nicht durchweg so präsent, dass man an nichts anderes mehr denken konnte. Auch das Leben von Helena und Aiden ganz allgemein wurde beleuchtet und rückte immer mehr in den Mittelpunkt.

Helena ist eine sympathische Protagonistin, die wir durch die Ich-Perspektive sehr intensiv kennen lernen können. Man bekommt einen detaillierten Blick in ihre Gedanken- und besonders in die aufgewühlte Gefühlswelt. Sie ist bemüht, sich ins Leben zurück zu kämpfen, doch immer wieder werden ihr neue Steine in den Weg gelegt, die sie überwinden und gegen die sie ankämpfen muss. Ihre Freunde möchten ihr dabei helfen, doch manchmal ist Helena zu gefangen in den Ereignissen ihrer Vergangenheit, dass es ihr nicht gelingt, ihre Mauern fallen zu lassen. Ihr Leben gleicht manchmal einer Achterbahnfahrt. Kaum ist man oben angekommen und denkt, nun wird es endlich gut, rauscht der Waggon noch mal ein Stück in die Tiefe. Auch wenn man Helena hin und wieder dazu motivieren möchte, anders zu agieren, so sind ihre Handlungen doch nachvollziehbar dargestellt und erklärt. Die Schatten der Vergangenheit kann man nicht einfach so ablegen.
Aiden ist zu Beginn ein sehr geheimnisvoller Charakter, der sich nur online seinen Fans „präsentiert“. Wobei diese von ihm nur seine Stimme hören dürfen und seine Game-Runden verfolgen können. Über sein Privatleben verrät er nicht besonders viel und auch ein Foto gibt es nicht. Mir war sehr früh klar, wer Aiden wirklich ist. Für meinen Geschmack vielleicht sogar etwas zu früh, auch wenn Helena eine Weile länger gebraucht hat, um es zu verstehen.

Neben den PC-Spielen geht es auch viel um die persönliche Entwicklung der Protagonisten. Man ist nicht nur dann liebenswert, wenn man irgendwelchen Idealen entspricht, sondern wenn man sich selbst akzeptiert, was aus seinem Leben macht und nicht aufgibt. Perfekt zu sein, muss kein Ziel sein, denn irgendwo gibt es einen Menschen, der einen so liebt, wie man ist, mit allen Ecken und Kanten, mit all den Macken und Eigenheiten, die einen doch erst zum Unikat und damit auf eine ganz individuelle Weise perfekt machen. Eine schöne und bewegende Botschaft, die ich der Handlung entnehme.

Eine sehr schöne, gefühlvolle Geschichte, die die Computer-Welt mit dem realen Leben verknüpft und deutlich macht, dass es immer einen Weg gibt, auch wenn man ihn manchmal eine Weile suchen und dafür kämpfen muss.


Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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