Dienstag, 25. Oktober 2016

Rezension: Veronika Mauel - Ben & Helena. Dir für immer verfallen

©Impress
 Ben & Helena - 
Dir für immer verfallen

 Autor: Veronik Mauel
erschienen Oktober 2016
Verlag: Impress
ISBN: 978-3-646-60268-5

berührend, aber sehr ähnlich zu Kai&Annabell

„Ben & Helena“ ist das Spin-off zu der „Kai & Annabell“ Reihe von Veronika Mauel. Ich finde, man muss die anderen Bücher nicht zwingend gelesen haben, da es nur kleine Berührungspunkte mit der anderen Geschichte gibt. Natürlich spielen Kai und Annabell zwischendurch eine Rolle, aber eher am Rande, so wird es möglich sein, dieses Buch unabhängig von den anderen zu verstehen.

Nach einem schweren Schicksalsschlag hat sich Helenas Leben komplett geändert. Sie lebt zurückgezogen und eingeigelt, hat ihre Schutzmauer hoch gefahren und auch nicht vor jemanden an sich heran zu lassen. Als Ben in ihr Leben stolpert, gerät dieses Vorhaben gehörig ins Wanken.


Helena kommt aus einer Familie, in der Geld keine große Rolle spielt. Sie hat ein Dach über dem Kopf, ausreichend, saubere Klamotten, einen gefüllten Kühlschrank und ein warmes Bett. Doch seit dem schrecklichen Unfall ihrer kleinen Schwester fehlt jegliche Liebe in dem Haus. Helenas Eltern verbringen viel Zeit im Krankenhaus, gefangen zwischen Hoffen und Bangen. Ihre zweite Tochter bleibt dabei mit ihren Sorgen und Problemen weitestgehend allein zurück. Helena ist durch ihre Schulgefühle geprägt und findet sich allein in ihrer Welt nicht mehr zu Recht.
Bens Leben sieht da ganz anders aus. Er lebt in einem heruntergekommenen Abbruchhaus und setzt sich der Begegnung mit seinem Vater nur im größten Notfall aus. Saubere Klamotten, eine warme Dusche oder ein kuscheliges Bett hat er nur in Ausnahmefällen. Die Aktivitäten seiner Clique sind deutlich wichtiger als die Schule, obwohl sein Abschluss in Gefahr ist.
Als diese beiden Welten aufeinander prallen, gibt es reichlich Zündstoff. Wortgefechte, Sticheleien und teilweise verletzende Gespräche wühlen die beiden Teenager ziemlich auf.

Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Ich-Perspektiven erzählt. So bekommt man intensive Einblicke in das Leben, die Gedanken- und Gefühlswelten der beiden Protagonisten. Da Ben und Helena immer wieder Berührungspunkte haben, obwohl ihre Leben so verschieden sind, erfährt man in den unterschiedlichen Perspektiven auch, was sie über den jeweils anderen denken.
Es ist schön, die Entwicklung zwischen den beiden zu verfolgen, wie ihre Welten miteinander verschmelzen, obwohl sie sich recht einfach aus dem Weg gehen könnten. Immer wieder gibt es Situationen in denen Helena und Ben aneinander geraten, sich ausspielen oder sprachlos machen. Diese Passagen lockern die teilweise sehr ernsten, traurig stimmenden Momente auf und erzeugen eine schöne Dynamik im Buch.
Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und dem Alter der Protagonisten entsprechend recht locker. Sarkasmus, Ironie, Witz und Charme lassen die Dialoge lebendig werden. In Bens Abschnitten war mir allerdings eindeutig zu viel „Fuck“ eingebaut. Natürlich passt es zu ihm und seiner Lebensweise, etwas reduzierter hätte es mir jedoch besser gefallen.
Insgesamt ist der Aufbaut und Verlauf sehr ähnlich zu Kai und Annabell, einige Passagen sind vorhersehbar, es gibt aber auch überraschende Momente.

Ein schönes Spin-off das einem die Entwicklung von Kais ehemaliger Clique etwas näher bringt. Gefühlvolle Momente gepaart mit den aufeinander treffenden Welten, sorgen für Abwechslung.  Es war mir ein wenig zu ähnlich zu „Kai und Annabell“, insgesamt aber eine schöne Geschichte.



Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen