Sonntag, 17. Juli 2016

Rezension: Mira Valentin - Der Krieg der Talente - Mit der Friedenstaube in die Schlacht

© bittersweet
 Der Krieg der Talente, Band 8
Mit der Friedenstaube
in die Schlacht

 Autor: Mira Valentin
erschienen Juli 2016
Verlag: bittersweet
ISBN: 978-3-646-60215-9  

gefühlvoll, fesselnd, spannend - im Rausch der Talente


Da es bereits das achte Buch der Reihe ist, kann es sein, dass meine Rezension kleine Spoiler in Bezug auf die vorherigen Bände enthält. Ich bemühe mich, so wenig wie möglich zu verraten, doch auf einige Dinge muss man eben eingehen, wenn man was zum Buch sagen will. Ich würde jedem empfehlen, die Reihe von Beginn an zu lesen. Die Handlung baut aufeinander auf, es gibt zwar kleine Rückblicke, aber die werden bestimmt nicht reichen, um alle Zusammenhänge zu erfassen. Außerdem würde man sich eine faszinierende Geschichte entgehen lassen. Mir haben bisher alle Teile wirklich sehr gut gefallen - Suchtgefahr! Aber lasst euch davon nicht abschrecken und suchtet einfach mit uns die Talente-Bücher!

Der Endkampf rückt immer näher! Die Talente versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, was Mahdi so dringend will. Ihnen werden immer neue Steine in den Weg gelegt, die Hoffnung sinkt, die Probleme werden mehr und die Zeit wird einfach knapp. Und nicht nur Mahdi macht der Armee Sorgen, auch Melek bringt neue Unruhe und Grübeleien. Sie versucht ihren Weg und sich selbst wieder zu finden, ihren Platz im Gefüge, der etwas ins Schwanken geraten ist. Alle stehen vor großen Herausforderungen, die für viele persönlichen Verzicht, schwere Entscheidungen und schmerzlichen Verlust bedeuten.


Ich war sofort wieder drin in der Geschichte. Obwohl zwischen den Bänden ja jeweils ein Monat vergeht, hatte ich nicht das Gefühl, wirklich weg gewesen zu sein. Die Talente haben sich schon so in meinem Kopf verankert, dass ich mich gleich wieder heimisch fühle und mich darauf freue, was es nun alles zu entdecken gibt. Es schwingt aber auch immer ein wenig die Angst mit, welche Grausamkeiten als nächstes auf die Figuren und damit auch auf die Leser zukommen. Die Reihe nähert sich dem Ende, da ist mit allem zu rechnen.

Der Schreibstil von Mira Valentin ist fesselnd, flüssig und inzwischen schon total vertraut. Die detaillierten, anschaulichen Beschreibungen nehmen einen mit auf eine intensive Reise in die Welt der Talente und Faune/Dschinn. Wenn man glaubt, man kennt schon die gesamten Schauplätze, hat man sich getäuscht. Auch wenn man sich schon so lange in der Armee-Welt aufhält, gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken, besonders im Reich der Faune. Die Lebensweise und Organisation der Gemeinschaft finde ich noch immer sehr faszinierend. Umso schöner sind die Einblicke, die wir in die Richtung bekommen. Nicht nur die Armee der Talente steht mächtig unter Druck, auch bei den Faunen gibt es Entwicklungen und Veränderungen die bedrohlich sind und Entscheidungen fordern, die die bisherigen Bündnisse zu Nichte machen könnten. Das zeigt deutlich, dass es auch bei den Faunen nicht immer harmonisch, geordnet und nach festen Regeln zugeht.
Die Talente schliddern auf den blutigen Endkampf zu, ihre Gegenwehr wird zwar stärker und nun auch offizieller, aber ihre Chancen stehen noch immer nicht so gut. Mahdi ist erbarmungslos, skrupellos, brutal und besessen von den Ideen, die er sich in den Kopf gesetzt hat. Nicht die besten Voraussetzungen, um in Ruhe die Gegenfront aufzubauen und zu stabilisieren.

Wie bereits in Band sieben gibt es wieder zwei Ich-Perspektiven. Erik und Melek lassen uns sehr intensiv in ihre aufgewühlten Gedanken- und Gefühlswelten blicken. Während es im letzten Buch besonders bei Erik immer wieder emotional, deprimiert und hoffnungslos wirkte, werden in diesem Band auch die Abschnitte von Melek spürbar gefühlvoller. In ihr passiert ganz viel. Sie versucht ihren Platz in den Welten und sich selbst zu finden. Auch wenn sie den Personen in ihrer Umgebung nicht weh tun möchte, kann sie es manchmal nicht vermeiden. Ihr harter, steiniger Weg hat Einfluss auf so viele Figuren, dass es kaum möglich ist, es mit sich selbst auszumachen. Ihre Entwicklung erinnert mich sehr an die Veränderungen, die sie im früheren Verlauf der Reihe schon mal durchlaufen hat. Obwohl sich so viel verändert hat, erkennt man Meleks Eigenheiten immer noch sehr gut.
Erik hat eine sehr schwierige Zeit vor sich. Jeder übt Druck aus, hat Erwartungen und Hoffnungen, die er unmöglich alle erfüllen kann. Nebenbei versucht er noch, sein Herz zu retten und sich nicht selbst zu verlieren in der manchmal recht ausweglosen Situation. Erik ist eine meiner Lieblingsfiguren, deswegen leide und fühle ich mit ihm ganz besonders.

Die zahlreichen emotionalen Passagen gingen mir in diesem Buch sehr unter die Haut. Es gibt verschiedene Momente, die bewegen, berühren, einen hoffen oder bangen lassen, in denen man sich freuen oder mit den Figuren trauern kann. Zwischendurch hatte ich mehrfach Tränen in den Augen, weil die Szenen so nachvollziehbar und ergreifend geschrieben sind, dass sie mich einfach mitgerissen haben.
Neben den gefühlvollen Abschnitten gibt es aber auch wieder turbulente Überraschungen und Wendungen, die die bisherigen Konstellationen gehörig durcheinander wirbeln. Man kann sie nie sicher sein, was Autorin Mira Valentin als nächstes für ihre Charaktere bereit hält. Und selbst wenn man viel grübelt, weiterspinnt und sich Gedanken macht, wird man wohl nicht auf all die Entwicklungen kommen, die einem präsentiert werden. So bleibt es stets spannend, abwechslungsreich und interessant. Das Ende ist gemein, wie meistens. Der Cliffhanger macht neugierig und lässt viel Raum, um sich selbst Gedanken zu machen, wie es weiter gehen könnte. Meine Ideen gehen in verschiedene Richtungen und ich bin gespannt, ob ich mit irgendeiner am Ende richtig liegen werde. Auch wenn ich ein wenig traurig bin, dass die Reihe bald abgeschlossen ist, so freu ich mich doch auch auf Band neun im nächsten Monat!

Eine gefühlvolle, ereignisreiche Geschichte mit überraschenden Wendungen, facettenreichen, liebevoll gestalteten und inzwischen sehr vertrauten Figuren und einem packenden Schreibstil. Ich bin noch immer im Talente-Fieber und dagegen gibt es noch kein brauchbares Mittel.

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