Dienstag, 26. Juli 2016

Rezension: Alles was ich sehe von Marci Lyn Curtis

Alles was ich sehe

Autor: Marci Lyn Curtis
erschienen März 2016
ISBN: 978-3-551-56022-3
© Carlsen
berührende Geschichte, über ein Mädchen, dass seinen Platz im Leben verloren hat

Seit einem halben Jahr ist Maggie blind und kann sich mit diesem neuen Leben nicht anfreunden. Nachdem sie stürzt und sich den Kopf anschlägt, sieht sie plötzlich einen kleinen Jungen – Ben. Maggie behält das Geheimnis zunächst für sich. Sie genießt die sehende Zeit mit Ben – und mit dessen gutaussehenden Bruder Mason. Dieser ist allerdings misstrauisch und glaubt, Maggie würde ihre Blindheit nur vortäuschen, um an ihn heranzukommen. Maggie gerät in einem immer tieferen Gefühlsstrudel. Wie soll sie erklären, was sie selbst nicht versteht?

Ich habe das Buch innerhalb eines halben Tages gelesen. Zwar ist die Geschichte nicht im klassischen Sinne spannend, weglegen konnte ich das Buch aber irgendwie trotzdem nicht.
Maggies Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen, ich wollte wissen, wie es für sie weitergeht, wie sie mit ihrer Lage umgeht und natürlich auch, was es mit dem plötzlichen Sehfleck auf sich hat.

Die 17-jährige Maggie ist die Ich-Erzählerin der Geschichte. Ihre lockere Erzählweise gepaart mit bildhaften Beschreibungen dessen, was sie sieht und ausgeschmückten Beschreibungen der Dinge, die sie nicht sieht, sorgen für einen angenehmen Lesefluss. Besonders mochte ich Maggies sarkastische Art. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, was ihr das Leben nicht immer leicht macht.

Und leicht ist Maggies Leben ohnehin nicht. Seit einem halben Jahr ist der Teenager infolge einer Erkrankung blind. All ihre Träume für die Zukunft zerplatzen auf einen Schlag. Doch in dieses neue Leben fügen möchte sie sich nicht, gleichzeitig bricht sie aber auch alle alten Kontakte ab. Maggie ist quasi allein, denn auch das Verhältnis zu ihren Eltern ist angespannt. Dank der Perspektive, die intensive Einblick in Maggies Gefühle und Gedanken ermöglichst, ist leicht nachfühlbar, wie schwer es für sie ist, dieses neue Leben zu akzeptieren. Und natürlich klammert sie sich an jeden Strohhalm, dass alles wieder gut werden könnte.

Mit der Auflösung, warum Maggie gerade Ben sehen kann, habe ich nicht gerechnet. Dieses übernatürliche Element war gleichermaßen überraschend wie schockierend. Sehr emotionale Passagen folgen, die Geschichte wird zum Ende hin unerwartet dramatisch.
Dabei mochte ich Ben auf anhieb. Auch er ist vom Schicksal gezeichnet, aber er ist lebensfroh, ein wenig altklug und einfach unglaublich lieb. Auch seinen großen Bruder, den misstrauischen Sänger, mochte ich sofort, sind seine Bedenken Maggie gegenüber doch absolut nachvollziehbar.
Die Wendung, die besonders Maggie, aber auch Mason im Verlauf der Geschichte durchmachen, ist sehr interessant zu verfolgen. Es entwickelt sich eine berührende und tiefgründige Geschichte über Freundschaft und Vertrauen.

Gewünscht hätte ich mir, dass das Potential der vorhandenen Emotionen etwas mehr ausgenutzt worden wäre, denn obwohl die Geschichte sehr emotionsgeladen war, hatte ich das Gefühl, dass man mehr daraus hätte machen können – das letzte Tröpfchen, um das Fass zum überlaufen bzw. die Tränen zum Fließen zu bringen, fehlte irgendwie.

Eine berührende Geschichte über Freundschaft und Liebe, Vertrauen und Verlust, über das Akzeptieren und sich selbst finden. Eine Geschichte zum Mitfühlen und Grübeln. Ein bewegendes Buch, dass zeigt, wie ein Teenager nach einem schweren Schicksalsschlag zurück in ein völlig neues Leben finden muss.

1 Kommentar:

  1. Einen wunderschönen Guten Morgen :-)

    Ich hab das Buch auch vor kurzem beendet und finde es absolut genial. Ich hab es so gern gelesen und freue mich, dass es dir auch so gut gefallen hat. Wunderschöne Rezi!

    Liebe Grüße
    Katharina

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