Sonntag, 15. Mai 2016

Rezension Mira Valentin - Das Bündnis der Talente: Zwischen zwei Seelen

© bittersweet

Das Bündnis der Talente, Band 6
Zwischen zwei Seelen

Autor: Mira Valentin
erschienen 11. Mai 2016
Verlag: bittersweet
ISBN: 978-3-646-60213-5  

bewegend, überraschend, fesselnd - tolle Fortsetzung

„Zwischen zwei Seelen“ ist bereits der sechste Band der Talente- Reihe von Mira Valentin, daher kann meine Rezension kleine Spoiler auf die Vorgeschichte enthalten. Man sollte die vorherigen Bücher auf jeden Fall gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Die Hinweise, die im Verlauf der Geschichte gegeben werden, reichen nicht aus, um alle Zusammenhänge nachvollziehen zu können. Außerdem würde man sich grandiose, emotionale, abwechslungsreiche Bücher entgehen lassen, wenn man die Reihe nicht von Beginn an liest.

Lange haben die Talente und die Dschinn darauf gewartet, nun ist es endlich soweit: der Grenzgang steht an. Ein riesiges Spektakel, bei dem mehrere Tausend Bürger durch den Wald ziehen, sich über Grenzsteine heben und nebenbei reichlich Alkohol fließen lassen. Doch das ausgelassene Fest hat auch Schattenseiten. Die Dschinn nutzen die ausgelassene Menschenansammlung für ihre gefühlsintensiven Streifzüge. Alle Hände voll zu tun für die Armee, denn neben dem Grenzgang gibt es noch weitere Probleme, die die Gruppe nicht zur Ruhe kommen lassen.


Der angenehme, flüssige und bildhafte Schreibstil hat mich bereits auf den ersten Seiten wieder gefangen genommen. Die tollen, detaillierten Beschreibungen lassen die aufgewühlte Welt von Melek sofort lebendig werden und nach bereits fünf verschlungenen Bänden, kennt man sich in dort schon ziemlich gut aus. Die Umgebung und die Personen sind nicht neu, man muss sich nicht lange eindenken, sondern ist sofort wieder mitten im Geschehen. Viel Schonungszeit gibt es ohnehin nicht. Die Geschichte ist die gesamte Zeit vollgepackt mit Sorgen, Problemen, Ängsten, Hoffnung und Verzweiflungstaten, die nicht immer zum gewünschten Erfolg führen, aber trotzdem manchmal eine Erleichterung für die jeweilige Person darstellen.
Langweilig wird es mit der Armee der Talente und den Dschinn wahrlich nie. Kaum scheint ein klein wenig Ruhe einzukehren, hält Autorin Mira Valentin die nächste Überraschung bereit, wirbelt die Lager durcheinander und bringt damit nicht nur die Figuren, sondern auch die Leser, zum Verzweifeln. So intensiv, wie man inzwischen in der Geschichte steckt, leidet, fühlt, hofft und bangt man mit den Protagonisten, malt sich selbst aus, wie die Handlung weiter gehen könnte und ist am Ende doch ziemlich machtlos.

Wie bereits in den vergangenen Büchern erleben wir die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Melek. Man merkt sehr deutlich, wie sie sich im Verlauf der Reihe gewandelt und weiter entwickelt hat. Durch die Einblicke in ihre Gedanken und die kopfstehende Gefühlswelt, spürt man, dass sie reifer geworden ist, dass sie mehr nachdenkt und ihr alles nicht so leicht fällt, wie sie die anderen manchmal glauben lassen möchte. Sie positioniert sich sehr klar und weiß was sie erreichen will, auch wenn ihr manche Wege dafür nicht geheuer sind. Zu erleben, wozu Melek inzwischen bereit ist, wie sie sich selbst und ihre Rolle in der Armee sieht, ist wirklich schön. Sie ist in verschiedenen Punkten eine Schlüsselfigur und das ist ihr selbst ebenfalls bewusst. Sie versteckt sich nicht, sondern stellt sich ihren Aufgaben, auch wenn es weh tut.
Obwohl wir immer so nah bei der Protagonistin sind, bleibt genug Raum, um auch die anderen Charaktere noch besser kennen zu lernen. Auch wenn sich die meiste Zeit des Tages um ihre Aufgaben in der Armee dreht, so sind sie eben auch Privatpersonen mit Wünschen, Ängsten und Hoffnungen, die von ihren Pflichten weg führen. Die anderen zu begleiten, wie sie an den Herausforderungen wachsen und gleichzeitig auch einen Einblick in ihre Gefühlswelten zu bekommen, macht die Armee noch mehr zu einer kleinen Familie. Es sind schon lange nicht mehr nur „die anderen Mitglieder“, man hat sie alle lieb gewonnen und möchte keinen von ihnen mehr missen.

Obwohl es sich um die Feinde der Talente handelt, finde ich die Dschinn nach wie vor faszinierend. Ihre Wandlungsfähigkeit, die Lebensweise und alles, was bei ihnen so möglich ist, ist super interessant und spannend. Deswegen ist es besonders schön, dass wir auch von dieser Welt immer mehr erfahren und kleine Geheimnisse gelüftet werden.

Das gesamte Buch ist eine ziemlich Achterbahnfahrt der Gefühle, wobei die bedrückenden, ergreifenden Emotionen gegenüber den positiven, glücklich stimmenden deutlich überwiegen. Die Talente haben schwere Lasten zu tragen und es scheint keinen geeigneten Ausweg zu geben, der alle zufrieden stimmen kann. Besonders zum Ende wird es noch mal dramatisch und aufwühlend.
„Zwischen zwei Seelen“ ist der Abschluss von „Das Bündnis der Talente“ und stellt einen kleinen Wendepunkt da. Einige Punkte der Handlung sind vollendet, ganz viele neue Wege öffnen sich und es werden Sachen denkbar, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Ich bin jetzt sehr neugierig auf die Fortsetzung und habe selbst zahlreiche Ideen, wie es nun weiter gehen könnte.

Das Warten auf dieses Buch hat sich wirklich gelohnt. Es ist spannend, emotional, schockierend, bewegend, ergreifend und immer wieder sooo schön, auch wenn vieles anders kommt, als man es vorher vielleicht wollte. Eine gelungene Fortsetzung, die neugierig macht auf den Krieg der Talente.



Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Exemplar im Rahmen der Leserunde!






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