Freitag, 15. Januar 2016

Rezension: Matthias Ernst - Die Spur des Jägers

© Midnight (Ullstein)
  Inge-Vill-Krimi 1
 Die Spur des Jägers

Autor: Matthias Ernst
erschienen November 2015
ISBN: 978-3-95819-053-5  


spannend, blutig, überraschend - toller Krimi



Wenn die Ermittlungen plötzlich sehr persönlich werden, kann das eigene Leben schnell mal Kopf stehen. Ein brutaler Serienmörder treibt sein Unwesen und niemand in dem kleinen Ort kann sich so recht vorstellen, wer der Täter sein soll.
Inge und ihr Team ermitteln auf Hochtouren, doch haben sie keine brauchbare Spur und der Mörder schlägt immer wieder zu. Beim Wettlauf gegen die Zeit ahnt allerdings noch niemand, wie schnell sich das Blatt wenden und man selbst mit drin stecken kann.


Matthias Ernst gelingt es mit einem spannenden, flüssigen Schreibstil den Leser direkt in die Handlung hinein zu ziehen. Ich habe die gesamte Zeit mit gerätselt, geraten und gegrübelt, mich in die Irre führen lassen, die Falschen verdächtigt und meine Idee wie eine Seifenblase zerplatzen sehen.
Durch die Ich-Perspektive erfährt man sehr viel über die Kriminalpolizistin Inge, ihre Gedanken, ihre Herangehensweise, den Druck, der auf ihr Lastet und auch aus ihrem Privatleben, das aufgrund des anstrengenden Falls ein wenig kurz kommt, aber trotzdem allerhand aufgewirbelte Gefühle mit sich bringt. Sehr ans Herz gewachsen ist mir beim Lesen Inges beste Freundin Anja. Sie ist einfach eine gute Seele und ein toller Ausgleich, bei all den schlimmen Dingen, die passieren.

Die Handlung ist in drei Stränge untergliedert, die getrennt voneinander erzählt werden. Diese Passagen nähern sich im Verlauf des Buches jedoch immer weiter an, verflechten und vereinigen sich. Auch wenn schon frühzeitig klar ist, dass es Berührungspunkte gibt, da es sich größtenteils um die gleichen Personen dreht, so weiß man doch bis kurz vor Schluss nicht, welches Element das gemeinsame Bindeglied sein wird.
Besonders erschütternd waren die Auszüge aus dem Tagebuch des Mörders, die immer wieder eingebunden sind. Dabei wird zwar deutlich, dass er in seiner Vergangenheit einiges einstecken musste, man spürt jedoch auch gleich, dass in seinem Kopf so einiges nicht rund läuft. Seine Einstellungen und Gedanken sind gruselig, seine Taten sind es noch viel mehr. Die Brutalität scheint keine Grenzen zu kennen und von Mord zu Mord noch zuzunehmen. Es wird ziemlich blutig – das Kopfkino sollte besser ausgestellt bleiben.

In den anderen Abschnitten ist Inge wortführend und man erlebt sie von sehr unterschiedlichen Seiten. Genau zu beschreiben, wieso das so ist, würde an dieser Stelle zu weit führen, da ich nicht zu viel von der Handlung verraten möchte.
Die Passagen, die im Sommer spielen, fand ich durchweg spannend, besonders mit Voranschreiten der Geschichte nimmt die Handlung ordentlich an Fahrt auf, es wird immer dramatischer und den Ermittlern läuft die Zeit davon, besonders wenn man bedenkt, in welcher schnellen Abfolge der Täter zuschlägt.
Die Abschnitte aus dem Herbst fand ich größtenteils auch interessant und wichtig. Einige, kleine Passagen waren mir persönlich fast etwas lang. Vielleicht lag es auch daran, weil ich die Auflösung kaum erwarten konnte. Insgesamt ist es aber eine gelungene Mischung, die deutlich macht, wie schnell und gravierend sich manche Dinge verändern können.
Es gibt immer wieder kleine Auflockerungen durch sarkastische oder ironische Aussagen und Sprüchen, die vor schwarzem Humor triefen. Ich mag die Kombination des Ermittlerteams sehr gern, da jeder seine eigene Persönlichkeit mit einbringen kann. Und neben dem Beruf sind es eben auch einfach nur Menschen, die alle ihre Ecken und Kanten, ihre Eigenheiten, Besonderheiten, liebenswerte und weniger liebenswerte Eigenschaften mit bringen. Es wirkt nichts gestelzt oder aufgesetzt, die Figuren sind authentisch und das macht es auch so leicht, der Handlung zu folgen und sich darauf einzulassen.

Ein toller, spannender Kriminalroman, der durch seine Komplexität, den gelungenen Aufbau und interessante, facettenreiche Personen punkten kann. Ich freu mich schon auf einen weiteren Fall von Inge Vill.

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