Dienstag, 22. Dezember 2015

Rezension: Veronika Mauel - Kai & Annabell - Von dir besessen

© Impress (Carlsen)
  Von dir besessen
Kai & Annabell Band 2

Autor: Veronika Mauel
erschienen Dezember 2015
ISBN: 978-3-646-60168-8  

tolle Fortsetzung, emotional und bewegend



„Von dir besessen“ ist der zweite Band von „Kai & Annabell“, daher kann meine Rezension Spoiler in Bezug auf das erste Buch „Von dir verzaubert“ enthalten. Um alle Zusammenhänge, Geheimnisse und Entwicklungen zu verstehen, wird es besser sein, die Reihe von Beginn an zu lesen. Mir haben beide Bücher gut gefallen und auch wenn bei den Protagonisten hier und da Klischees aufgegriffen werden, so ist die Geschichte individuell und besonders.

Kai und Annabell hatten bereits im ersten Teil der Reihe einen harten, steinigen Weg. Ihre Welten wollten so gar nicht zusammen passen und doch fühlten sie sich magisch voneinander angezogen. Zwei Leben, die verschiedener kaum sein könnten und zwei Menschen, die sich so harmonisch ergänzen. Doch kaum scheinen sie die Schwierigkeiten überwunden zu haben, tun sich neue Abgründe auf, die alles verändern. Kai sieht nur noch einen einzigen Ausweg: Annabell muss ihn hassen und vergessen.


Der flüssige, fesselnde Schreibstil hat mich gleich in die Geschichte hinein gezogen. Ruck zuck war man wieder im Geschehen, ohne große Vorgeschichte oder Aufwärmphase. Es gibt keine umfassenden, ausführlichen Rückblenden, was mich persönlich nicht gestört hat, da ich die Geschehnisse noch gut im Kopf hatte. Ab und an gibt es kleinere Hinweise auf die vorangegangene Geschichte, wenn die Ereignisse Bedeutung für die aktuelle Handlung haben. So sollten die Zusammenhänge und Hintergründe auch deutlich werden, wenn man etwas größere Erinnerungslücken hat.

Während es im ersten Buch darum ging, wie Kai und Annabell es schaffen sollen, ihre so grundverschiedenen Welten miteinander zu vereinen, dreht es sich dieses Mal genau um das Gegenteil. Kai setzt alles daran, Annabell los zu werden, ihr genug Grund zu geben, ihn zu hassen und am besten zu vergessen. Doch so leicht ist das leider nicht. Obwohl es viele gemeine Sprüche und verletzende Handlungen gibt, kommen die beiden nicht so recht voneinander los. Sie sind wie zwei Magnete, die sich je nach Situation entweder abstoßen oder anziehen. Nachvollziehen kann man das Verhalten auch nur, wenn man die Gründe kennt, die Kai zu seiner Mission führen. Für alle Außenstehenden ist er einfach nur der miese Kerl, der er vorher auch schon war, der Annabell ausgenutzt hat und nun wieder fallen lässt. Die meisten ahnen nicht, dass alles ganz anders ist.

Wie auch im ersten Buch gibt es wieder die Ich-Perspektiven beider Protagonisten. So ist es für den Leser möglich, in den aufgewühlten Kopf von Annabell zu schauen und ihre verletzten Gefühle hautnah mit zu erleben. Man bekommt darüber hinaus aber auch Einblick in Kais Innenleben und dort ist es nicht weniger turbulent. Auch wenn er sich nach außen cool und abgebrüht gibt, sein Herz schreit, weint und zerreißt bei all dem, was er Annabell antun muss und trotzdem sieht er keinen anderen Ausweg.
Es gibt sehr viele emotionale, ergreifende Szenen im Buch, denn die komplette Geschichte ist geprägt von den widerspenstigen Gefühlen der jungen Protagonisten. Verzweiflung, Wut, Hass, Angst, Schmerz, Liebe, Hoffnung…. Es ist ein stetiges Auf und Ab der Emotionen, wobei die Tiefs deutlich ausgeprägter sind, als die Momente, in denen es wieder etwas bergauf geht.
Neben der Entwicklung zwischen Kai und Annabell tauchen wir auch wieder tief in ihre Familiengeschichten ein. Als hätte Annabell nicht schon genug Sorgen durch die momentane Situation, kann sie zu Hause alles andere als abschalten. Auch hinter den Türen der reichen Familien gibt es Probleme und Gefahren, die von außen manchmal nicht sichtbar sind.
Da man Kais Lebensumstände kennt, erwartet man in gewisser Weise, dass er keinen großen Rückhalt bekommen wird. Deswegen ist es besonders schön mit zu verfolgen, wie groß seine persönliche Stärke ist. Obwohl seine Kindheit geprägt ist von allerhand schlechten Erfahrungen, Geldsorgen und mangelnder Liebe, so weiß er, was er will und möchte aus seinem Leben etwas machen. Er will raus aus dem Sumpf und nach vorn schauen. Wenn ihm nicht ständig neue Steine in den Weg gelegt werden würden, wäre er seinem Ziel auch schon deutlich näher.
Es wird wieder deutlich, dass es sich lohnt, hinter die Fassaden zu schauen, denn man hat immer noch selbst in der Hand, wer man sein will, unabhängig davon, woher man kommt und was erwartet wird.

Eine bewegende Geschichte und gelungene Fortsetzung. Obwohl es besonders von der Stimmung ganz anders ist, als Band eins, hat es mich sofort wieder gepackt. Es ist emotional, aufwühlend und macht nachdenklich.

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