Mittwoch, 23. Dezember 2015

Rezension: Andreas Sturm (Hrsg.) - Weihnachtsmorde

©fhl Verlag
Weihnachtsmorde

Herausgeber: Andreas Sturm
erschienen November 2015
Verlag: fhl
ISBN: 978-3-95848-210-4
kurze Weihnachtskrimis - Achtung tödlich

Hohoho – Weihnachten steht vor der Tür, alle denken an die letzten fehlenden Geschenke, das Weihnachtsessen, die dafür vermutlich noch nicht ganz abgearbeitete Einkaufsliste und an all die Dinge, die noch schnell erledigt und organisiert werden müssen. Steht der Baum gut, wann wird er geschmückt, muss noch ein Kuchen gebacken werden, wann kam noch mal welcher Besuch und wann um Himmels willen soll alles noch fertig werden?! Bei vielen ist die Vorweihnachtszeit wenig ruhig und besinnlich. Doch den Stress nimmt man gern in Kauf, wenn man dafür umso schönere und entspannte Weihnachtstage, am besten im Kreise der Familie, hat.
 Andere sind sehr einsam, fangen an zu Grübeln, ihnen kommen alte Rechnungen in den Sinn, die noch beglichen werden müssen, damit das nächste Jahr sorgenfreier beginnen kann. Manche Gedanken sind ziemlich tödlich, andere einfach nur gefährlich, in jedem Fall wird es ungemütlich.
Wenn die Opfer im Buch geahnt hätten, was ihnen an Weihnachten bevor steht, dann hätten sie ihre letzten Stunden wohl mit etwas anderem verbracht, als den turbulenten Vorbereitungen. Vielleicht sollte man auch einfach nicht jedem Weihnachtsmann die Tür öffnen…


Diese Anthologie kombiniert grausame Verbrechen mit dem Fest der Liebe. Schon ein Widerspruch in sich und gerade deswegen rechnen wohl auch viele der Figuren nicht mit der tödlichen Gefahr, die ihnen direkt gegenüber steht. Doch Gier, Rachegedanken, Eifersucht und Geldsorgen machen auch vor der besinnlichen Weihnachtszeit keinen Halt. Wenn sich all auf dem Weihnachtsmarkt drängen oder man gemütlich und schon etwas angetrunken bei der Weihnachtsfeier zusammen sitzt, bietet sich die eine oder andere Gelegenheit, seine dunklen Pläne zu verwirklichen oder lange Finger zu machen.
Die Art und Ausführung der Vergehen ist vielfältig, die Täter ganz verschiedene Personen mit sehr unterschiedlichen Motiven. So ist es jedes Mal wieder eine Überraschung, was einen in der nächsten Kurzgeschichte erwarten wird. Jeder Autor schafft seine ganz eigene, weihnachtliche Welt, in die er die tückischen Verbrechen integriert. Während einige Geschichten grausame, blutige Details enthalten, sind andere eher heiter, nicht so tödlich oder dienen als Lehre für potenzielle  Täter.
Einige Handlungen sind sehr gradlinig, kurz und bündig geschildert und auf das Ziel –meistens den Mord- bedacht, in anderen Fällen gibt es Ausschmückungen, Überraschungen und Wendungen, die die Handlung noch einmal durcheinander wirbeln.
So unterschiedlich wie die Inhalte sind auch die Erzählperspektiven. Ein Teil der Kurzgeschichten ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, was einen Einblick in die Psyche der Täter ermöglicht. Ist alles schon lange geplant, ist der Zeitpunkt eher ein Zufall? Wollten sie zum Mörder werden oder hat es sich eben einfach so ergeben?
Bei der Eröffnungsgeschichte wird der Leser sogar direkt angesprochen, was es noch mal persönlicher macht. Der Protagonist hat eine sehr deutliche und direkte Art mit einem zu reden, obwohl manche seine Ausdrücke enorm von seiner Vergangenheit geprägt sind.
Die anderen Geschichten nutzen den personalen Erzähler. Dadurch bekommt man zwar häufig keinen so intensiven Einblick in die Gefühlswelten, allerdings macht es Perspektivwechsel innerhalb der Handlung möglich, wodurch mehrere Aspekte der Geschichte beleuchtet werden.

Die Kurzkrimis kann man nicht wirklich miteinander vergleichen, jeder Autor hat seine ganz eigene Weise dem Leser die Taten zu präsentieren. Manche ziehen einen sofort mit in die Handlung, bei anderen fällt es einem leichter die Distanz zu wahren. Besonders schön finde ich die Abwechslung im Buch. Es ist für jeden Geschmack etwas mit dabei. Von blutig-brutal bis sarkastisch und humorvoll gibt es die komplette Bandbreite an Erzählweisen und Stilen. Durch die klare Abtrennung fällt es auch leicht, die Geschichten isoliert voneinander zu betrachten. Die Handlungen vermischen sich nicht und haben klare Grenzen. Gut gefallen hat mir, dass es sich nicht immer nur ums Morden dreht. Man bekommt es zum Beispiel auch mit verschiedenen Dieben zu tun. Der eine versteht sein Handwerk besser, der nächste muss vielleicht noch ein bisschen üben oder es einfach ganz bleiben lassen. Gut geplant ist eben nur die halbe Miete, schief gehen kann natürlich trotzdem immer was.

Eine gute, abwechslungsreiche Kurzkrimi-Mischung, bei der jeder Leser auf seine Kosten kommen sollte. Die Weihnachtszeit kann eben auch alles andere als ruhig, beschaulich und besinnlich sein. Vielleicht sollte man das nächste Mal, wenn der Weihnachtsmann vor der Tür steht, erst mal fragen, ob er ein Messer in der Tasche hat.
In diesem Sinne hohoho und frohe Weihnachten!



Vielen Dank an Herausgeber Andreas Sturm für dieses Rezensionsexemplar!

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