Dienstag, 24. November 2015

Rezension: Young World - Die Clans von New York von Chris Weitz

Young World - 
Die Clans von New York

Autor: Chris Weitz
erschienen Oktober 2015
ISBN:  978-3-8373-0904-1

 © oetinger audio

Teenager kämpfen ums Überleben – brutal, actionreich und emotional

Ein Jahr ist vergangen, seit eine Seuche große Teile der Bevölkerung ausgelöscht hat. Nur die Teenager sind noch übrig, doch mit ihrem 18ten Geburtstag trifft die Krankheit auch sie.
Jefferson ist das Oberhaupt des Washington-Square-Clans und glaubt weiterhin daran, dass die Menschheit gerettet werden kann. Als ein kluger Kopf seines Clans eine Spur zum Ursprung der Krankheit entdeckt, macht sich eine Gruppe von fünf Jugendlichen auf den Weg durch das gefährliche New York. Jefferson, Donna und ihre Freunde wollen sich von niemandem aufhalten lassen...


Das Szenario ist sehr bedrückend: Eine Welt ohne Erwachsene und kleine Kinder, ohne funktionierende Versorgung. Plündernde, bewaffnete Jugendliche, die kaum ein Risiko vermeiden, denn sie alle wissen: sie haben nicht mehr viele Jahre zu leben...
Regelmäßige Andeutungen zu aktueller Musik, Filmen und Serien erhöhnt die beklemmende Atmosphäre – denn die Katastrophe könnte sich in näher Zukunft ereignen...

Da ich die Geschichte gehört habe, möchte ich zunächst kurz auf die Hörbuchumsetzung eingehen:
Die Handlung wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Jefferson und Donna geschildert. Hierfür gibt es zwei verschiedene Sprecher – einen Mann für Jefferson, eine Frau für Donna –, sodass die Wechsel eindeutig erkennbar sind. Beide Sprecher haben eine sehr angenehme Erzählweise. Tempo und Betonung, die jeweils der aktuellen Handlung angepasst sind, haben mir gut gefallen, sodass ich dem Geschehen gut folgen konnte.
Am Anfang gab es aber eine kleine Schwierigkeit beim Hören: Ich habe nicht sofort verstanden, dass die Scharfschützin Donna, von der Jefferson berichtet, das gleiche Mädchen ist, dass sich dem Hörer später als „Krankenschwester“ Madonna vorstellt. Es dauerte einige Minuten, bis beide vom gleichen Handlungsstrang berichteten und mir deutlich wurde, dass es nur ein entsprechendes Mädchen gibt. Ein kurzer Blick ins Buch erklärt das Problem, denn als Donna von ihrem Namen berichtet, steht dort: (Ma)Donna… was so natürlich nicht zu hören ist... Ein Blick auf den Klappentext hätte die Verwirrung allerdings schon lösen können.

Jeff und Donna sind vielseitige Charaktere. Durch die Lebensumstände sind sie es gewohnt, zu kämpfen und sich zu verteidigen. Beide müssen viel Leid und Schmerz ertragen, doch das Leben in ihrer Gemeinschaft muss weitergehen. Jefferson ist unfreiwillig zum Clanführer geworden und erfüllt die Rolle, so gut er kann. Er ist aber nicht nur ein harter Kämpfer – er zeigt sich auch sehr gefühlvoll. Und Jeff gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Menschheit noch gerettet werden kann.
Donna kann genauso gut mit Waffen wie mit Arzneimitteln umgehen. Da sie die Kranken und Sterbenden versorgt, muss sie einiges aushalten. Sie gibt sich hart und kämpferisch, doch sie hat auch sehr emotionale Momente, wenn sie zum Beispiel an ihren toten Bruder zurückdenkt.

Die Geschichte startet sofort dramatisch. Als Hörer wird man ins Geschehen geworfen und erfährt erst nach und nach, was es mit der rauen Welt der kämpfenden Jugendlichen auf sich hat. Dabei werden zunächst viele Fragen aufgeworfen, auf die auch die Teenager erstmal keine Antworten kennen.
Kleine Rückblicke von Jeff und Donna zeigen, wie ihr Leben vorher war und wie die Krankheit ihre Familien befallen hat. Besonders Donnas Passagen fallen hier sehr emotional aus und stehen damit in starkem Kontrast zu der insgesamt sehr gewalttätigen Handlung.

Obwohl die Jugendlichen sehr viel erleben, habe ich die Geschichte in der ersten Hälfte als etwas langatmig erlebt. Die Gruppe um Jeff und Donna gerät von einem Kampf in den nächsten. Zwar sind die Passagen dramatisch erzählt, aber sie scheinen ihrem Ziel einfach kein Stück näher zu kommen. Mit der Zeit steigt die Spannung aber deutlich an. Es gibt einige Überraschungen und mehrere unerwartete Wendungen. Vor allem das Ende überzeugt mit Dramatik und einem fiesen Cliffhanger, der den Leser nach zuvor gefundenen Antworten mit vielen neuen Fragen zurücklässt.

Beklemmendes Szenario mit einer sehr actionreichen und blutige Handlung. Es ist spannend, den gefährlichen Weg der Jugendlichen zu verfolgen, auch wenn dieser durch immer neue Gegner etwas in die Länge gezogen wird. Das Ende überzeugt mit unerwarteten Überraschungen.

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