Samstag, 7. November 2015

Rezension: Mara Lang - RUN

© Buntstein
 RUN

Autor: Mara Lang
erschienen Oktober 2015
Verlag: Buntstein
ISBN: 9783956690396  

Spannung und Nervenkitzel bis zur letzten Seite



Eigentlich ist Jan nicht der Spielertyp und gerade jetzt, wo seine kleine Schwester verschwunden ist, hat er anderes zu tun, als sich solchen Dingen zu widmen. Doch als er eine Datenbrille zugeschickt bekommt, die ihn mit dem Spiel „RUN“ verbindet, ändert sich alles. Der Spielleiter ködert ihn mit einem Preis, den Jan unmöglich abschlagen kann. Hin und her gerissen zwischen dem Willen das Richtige zu tun und den strengen Anweisungen von Zero, gerät der junge Mann immer tiefer in den Sog des Spieles, bis es zu spät ist, um auszusteigen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die ehrgeizigen Mitspieler beginnt.


Der Schreibstil von Mara Lang ist packend und fesselnd. Kaum angefangen mit dem Buch, konnte ich gar nicht wieder aufhören zu lesen. Besonders spannend finde ich die Kombination vom „offline“ und „online“ Leben, das sich bei Jan durch das interaktive Spiel zwangsläufig einstellt. Durch die Kapitelbezeichnungen, weiß man auch immer genau, an welcher Stelle man sich befindet, was einen erwartet und worauf man sich einstellen muss.
In der Online-Welt sind Chat-Gespräche mit eingebunden, die den Gesamttext etwas auflockern und authentisch machen. Die Jugendlichen rätseln an den Aufgaben und ziehen sich gegenseitig ein wenig auf. Dabei ist die Sprache passend zu ihrem Alter gewählt. Schön finde ich auch, dass man im Buch merkt, dass wir uns in Wien befinden. Einige Begriffe und Redewendungen aus dem österreichischen Raum sind erhalten geblieben, falls man etwas nicht versteht, kann man am Ende des Buches im Glossar nachlesen. Anschauliche Beschreibungen von der Stadt ermöglichen es, dass man sich die Handlungsorte gut vorstellen kann.
Gleich zu Beginn wird deutlich, dass RUN kein harmloses Spiel ist. Jan spielt um das Leben seiner Schwester Katja – mehr Anreiz kann es wohl kaum geben. Doch er ist nicht allein, er spielt gegen andere Jugendliche, deren Preise wir zunächst nicht kennen. Alle sind sehr ehrgeizig, versuchen ihre Gegner auszuspielen und selbst am besten da zu stehen. Da man nur die Perspektive von Jan miterlebt, bleiben viele Dinge der anderen zunächst offen. Dafür erlebt man die Situation von ihm umso intensiver mit. Der Druck wird stetig erhöht, die Forderungen sind eindringlich, die Auswirkungen seines Versagens kaum vorstellbar. Jans Verzweiflung wird anschaulich dargestellt, er kämpft verbissen für sein Ziel und obwohl man ihn manchmal schütteln möchte, um ihn zur Vernunft zu bringen, so kann ich seine Vorgehensweise verstehen.
Die Motive der anderen nicht zu kennen, erhöht die Spannung enorm. Übt Zero auch Druck auf sie aus? Spielen sie auch um das Leben eines geliebten Menschen? Haben sie andere Preise? Werden sie bedroht, bestochen oder anders geködert? Es stellen sich so viele Fragen, einige werden beantwortet, daneben tun sich aber gleichzeitig viele neue auf. Es gibt immer etwas zu rätseln und zu grübeln. Meine Gedanken gingen dabei in alle möglichen Richtungen. Nach und nach erhält man Einblicke in die Leben der anderen, erfährt etwas über ihre Preise, die Zusammenhänge und es fügt sich zu einem stimmigen Bild zusammen. Doch geradlinig und einfach ist dabei gar nichts. Immer wieder gibt es Wendungen und böse Überraschungen. Waren doch alle Überlegungen, die man angestellt hat falsch? Sind sie Personen doch ganz anders, als man hofft und erwartet? Sowohl die Charaktere, als auch die Leser kommen kaum zur Ruhe, denn das Tempo im Buch wird stetig angezogen, umso näher man zum Showdown kommt.

Ein packendes Buch, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Wenn man von dieser Ausnahmesituation liest, fragt man sich zwangsläufig, wie man selbst gehandelt hätte. Man leidet mit dem Protagonisten, hofft, bangt, rätselt und grübelt. „RUN“ ist ein Buch, das einen nicht so schnell wieder los lässt.



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