Mittwoch, 25. November 2015

Rezension: Andreas Sturm (Hrsg.) - Sachsenmorde

©fhl Verlag
Sachsenmorde - 
13 packende Thriller aus dem Freistaat

Herausgeber: Andreas Sturm
erschienen Oktober 2015
Verlag: fhl
ISBN: 978-3-95848-211-1
kurze Thriller, die unter die Haut gehen

Jede Minute geschehen an den verschiedensten Orten, auf der gesamten Welt, Verbrechen jeglicher Art. Raub, Missbrauch, Entführung oder Mord – die Taten sind so vielfältig wie die Täter. Die Schauplätze und Opfer sind manchmal ganz bewusst, manchmal eher zufällig gewählt.
Dieses Buch führt den Leser in das Bundesland Sachsen, denn auch um dieses Stückchen Erde machen die Gewaltverbrechen keinen Bogen. Obwohl es sich nicht um Nacherzählungen realer Gegebenheiten handelt, so kann man doch beim Lesen den Eindruck bekommen, dass viele der präsentierten, dunklen Abgründe der menschlichen Seele einen wahren Ursprung haben.


Die Thriller sind nur schwer miteinander zu vergleichen, da jede Geschichte für sich steht und in sich abgeschlossen ist. Die Reihenfolge in der man liest, kann man daher je nach Geschmack und Stimmung selbst wählen. Wirklich seichte Literatur sollte man allerdings nicht erwarten. Die meisten der Kurzthriller sind sehr düster und zeigen dem Leser schonungslos, wozu Menschen fähig sind.
Auch wenn es in allen Geschichten um das Morden geht, so sind sie doch komplett verschieden aufgebaut. Während in einigen Fällen die Handlung sofort gruselig und geheimnisvoll beginnt, bekommt man in anderen Geschichten erst einen groben Überblick über die Ereignisse, die zur tödlichen Handlung führen. Bei der Länge bzw. Kürze der Storys kann man sich aber vorstellen, dass nicht viel Zeit für lange Erklärungen bleibt. Ich habe diese jedoch auch nicht vermisst, da die Gründe und Motive immer erkennbar sind. In einem Fall war mir die Vorgeschichte sogar etwas zu langatmig, bevor dann wirklich was passierte.

Einige der Täter sind selbst schwer traumatisiert durch blutige, gewalttätige oder erniedrigende Erlebnisse in ihrer Vergangenheit. Manche wollen Rache, andere können mit ihrer Wut und ihrem Hass einfach nicht mehr umgehen und die mühsam aufgebauten Schutzmauern brechen mit einer Wucht, die zum Töten verleitet. Auch wenn ich selbst natürlich keinen Mord gut heißen kann und will, so können einem einige der Täter schon fast leidtun. Wie würde man selbst mit dem Erlebten umgehen? Könnte man sich beherrschen, wenn sich die Situation ergibt?
Andere Täter werden nicht so genau beleuchtet, bei ihnen stehen mehr die Taten im Vordergrund, die ihre ganz eigene Sprache sprechen. Es kann beim Lesen schon mal vorkommen, dass einem gründlich der Appetit vergeht.
Durch die Nutzung unterschiedlicher Perspektiven werden einem die Figuren teilweise sehr nah gebracht. Die Geschichten aus der Ich-Perspektive ermöglichen es, neben der allgemeinen Handlung auch viel über das Innenleben der Charaktere zu erfahren. Die Verwendung des personalen Erzählers baut zwar eine gewisse Distanz auf, doch aufgrund der sehr anschaulichen und stellenweise brutalen bis blutigen Details, lassen einen auch diese Geschichten nicht kalt. Die Mischung hat mir persönlich gut gefallen, da das Buch so abwechslungsreich bleibt und man nie weiß, was einen in der nächsten Geschichte erwarten wird. Und wenn man zwischendurch schon fast glaubt, viel Neues kann jetzt nicht mehr kommen, wird man überrascht sein, welch großes Spektrum an unterschiedlichen Mordmöglichkeiten, Motiven und Vorgehendweisen einem präsentiert wird.

Nebenbei lernt man auch noch Sachsen etwas genauer kennen, da jede Kurzgeschichte in einem anderen Landkreis bzw. einer der kreisfreien Städte angesiedelt ist. Doch nicht nur örtlich, auch thematisch gibt es eine bunte Mischung. Einige Kurzgeschichten sind geschichtlich-politisch orientiert, andere bedienen sich der Vielfalt sexueller Gelüste, die sich über die Jahre immer weiter ausgebreitet haben oder man taucht in die gruselige Psyche der Täter ein, die ihr Vorgehen als ziemlich normal betrachten.

Eine spannende Mischung zum Gruseln, Ekeln, Kopf schütteln und nachdenklich werden. Am Ende sollte für jeden Geschmack etwas mit dabei sein.



Vielen Dank an Herausgeber Andreas Sturm für das Rezensionsexemplar!

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