Mittwoch, 3. Juni 2015

Rezension: Die Feenjägerin von Elizabeth May

Die Feenjägerin

Autor: Elizabeth May
erschienen Februar 2015
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-31609-6
© Heyne
schöne Mischung aus Action, Witz und Gefühl

Ein Jahr ist vergangen, seit die nun 18-jährige Aileana ihre Mutter tot aufgefunden hat. Ein Jahr, in dem sich ihr Leben komplett verändert hat – statt nur schicke Kleider zu tragen, auf Bälle zu gehen und Verabredungen zu treffen, bestimmen Training, Kampf und Tod ihr Leben. Dabei fällt es zunehmend schwerer, nach Außen den Schein zu wahren. Denn Aileanas jagt auf die mörderischen Feen hinterlässt Spuren. Sie sinnt auf Rache an der Fee, mit der alles begann. Nacht für Nacht an ihrer Seite ist dabei Kiaran, selbst eine Fee, der Aileana zwar gut trainiert, aber ihr doch so einiges verschweigt...

‚Edinburgh 1844’ hieß es im Klappentext, und führte damit zu völlig falschen Erwartungen. Zwar gibt es Tanzbälle, pompöse Kleider und steife Anstandsregeln, doch die Welt, die Elizabeth May erschafft, hat mich viel mehr zu bieten. Immer wieder mischen sich technische Wunderdinge unter die historische Atmosphäre, allen voran Aileanas Ornithopter, mit dem sie die ganze Stadt überfliegen und Verfolgungsjagden mit den Feen veranstalten kann. Und so gibt es im gesitteten Schottland einiges zu entdecken, wobei die Vorstellung von Aileanas kleinen Wundern dank vieler bildhafter Beschreibungen sehr leicht fällt.

Ebenfalls sehr ungewöhnlich sind die vielfältigen Feenarten. Hunde-, drachen-, schlangenartig, der Fantasie sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Dabei hat jede Feenart nicht nur ein spezielles Aussehen, sondern auch bestimmte Eigenschaften, die innerhalb der Handlung in den Kämpfen erläutert werden, sich aber auch in einem kleinen Anhang nochmal zusammengefasst nachlesen lassen.
Aber auch die kleine typische Fee mit Flügeln, wie man sie zunächst erwarten würde, spielt eine Rolle. Denn sie wohnt direkt in Aileanas Kleiderschrank und mit ihrem unbändigen Hunger auf Honig, welcher sie leider besoffen macht, sorgt sie für so manche witzige Szene.
Und noch eine Fee spielt in Aileanas Leben eine große Rolle: Kiaran der Unnahbare. So faszinierend ich seine Figur auch fand, so schwer war es für mich, ihn wirklich einzuschätzen. In umgibt eine mysteriöse Aura und da er gekonnt allen persönlichen Fragen ausweicht, ist es schwer, seine wahren Motive herauszufinden.

Aileana ist eine tolle Protagonistin und die Ich-Erzählerin der Geschichte. Der Tod ihrer Mutter belastet sie schwer und die Rache bestimmt seitdem ihr Leben. Sie ist mutig und stark, listig und einfallsreich. Ständig tüftelt sie an neuen Waffen, mit denen sie die Feen überraschen will. Doch trotz allem ist sie auch ein verletztes 18-jähriges Mädchen, dass verzweifelt versucht, nach Außen hin den Schein zu wahren, sich in die gesellschaftliche Ordnung zu fügen und es ihrem Vater recht zu machen.
Aufgrund der Erzählperspektive bekommt man tiefe Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, erhält aber nur einen eingeschränkten Blick auf die Handlung, was die Spannung besonders in Bezug auf Kiarans Absichten steigert.

Die Geschichte ist von Beginn an sehr spannend. Immer wenn Aileana ruhige Stunden in einer Gesellschaft verbringen will, wittert sie irgendwo eine Fee und muss einen Weg finden, unauffällig zu verschwinden und ihren anschließend oft wüsten optischen Zustand zu verbergen. Immer neue Kreaturen stellen sich ihr in den Weg, eine Gefahrensituation jagt die nächste.
Während es zunächst immer nach dem selben Muster zu verlaufen scheint – jede neue Nacht bringt neue Gegner –, ändert sich die Grundsituation in der zweiten Hälfte des Buches gerade rechtzeitig bevor diese Wiederholungen langwierig werden können. Das Tempo und die Dramatik werden im letzten Teil der Geschichte nochmal deutlich erhöht. Zur größeren Spannung kommen nun auch immer intensivere Gefühle dazu, wobei in all der Action kaum Zeit für ruhige Passagen bleibt.

Was aus dem deutschen Titel nicht hervorgeht, ist, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt. Das Ende hat einen ganz fiesen Cliffhanger, das Schicksal aller Figuren bleibt komplett offen...

Eine temporeiche Geschichte voller Ideenreichtum. Vielfältige Figuren sorgen für Spannung, Spaß und gefühlvolle Momente. Leider Endet die spannende Handlung sehr abrupt auf ihrem Höhepunkt.

Kommentare:

  1. Huhu Anja,
    um dieses Buch schleiche ich schon länger herum, tja und nun nach deiner Rezi muss ich es wohl doch so schnell wie möglich lesen :-)
    Tolle Rezi :-)

    Liebe Grüße
    Line

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Warte vielleicht lieber, bis die Fortsetzung kommt, das Ende ist wirklich fies ;)

      Löschen
  2. Hi :D
    Ich lese das Buch auch gerade und bin jetzt bei 120 Seiten. Ist mein erster Ausflug in dieses Genre uns bis jetzt gefällt es mir echt gut. :D Hoffe jetzt aber, dass das Ende doch nicht ganz so fiesist!

    Liebe Grüße
    Jessi

    AntwortenLöschen