Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Holly-Jane Rahlens - Everlasting

© Rowohlt
 Everlasting -
Der Mann, der aus der Zeit fiel
 Autor: Holly-Jane Rahlens
erschienen Oktober 2013
Verlag: Rowohlt
ISBN:  978-3-499-25666-0  

interessante Reise in die Zukunft


Liebe – ein kurzes Wort, nur fünf Buchstaben, aber eine riesige Bedeutung. Jemanden zu lieben, geliebt zu werden ist etwas so wunderschönes, man fühlt sich, als könnte man nach den Sternen greifen oder Bäume ausreißen. Doch was tut man, wenn man dieses Gefühl nicht kennt? Wenn man „programmiert“ ist, einen geeigneten Partner nur für die Fortpflanzung und Aufrechterhaltung der Menschheit zu haben, wie soll man da lieben?
Mit diesem Thema beschäftigt sich „Everlasting“. Wer jetzt aber denkt, es ist ein kitschiger Liebesroman, der irrt sich gewaltig.

Es wird das Jahr 2265 geschrieben, der junge Historiker und Sprachforscher Finn Nordstrom ist spezialisiert auf die Entschlüsselung alter Handschriften und deren Übersetzung in das Englische. Leider ist diese Arbeit nicht immer nur spannend und so steht auch die Bearbeitung langweiligerer Bankberichte an. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es einen nächsten Auftrag. Tagebuchübersetzung aus dem Jahre 2003. Ein 13jähriges Mädchen hat sich in ihrer Jugend gedacht, sie schreibt mal auf, was sie so denkt, fühlt, welche Jungs süß sind und welche sie nur nerven. Was soll daran nur interessant werden? Doch Finn wurde bald davon überzeugt, dass auch junge Mädchen erwachsener werden und einem diese Tagebücher ans Herz wachsen, besonders wenn die Schreiberin so eine ansprechende, humorvolle und offene Art zu schreiben haben, wie Eliana.
Aber wie soll Finn herausfinden, ob Eliana und er sich auch privat verstehen würden? Sie leben 250 Jahre auseinander, nichts ist mehr so wie es war. Vielleicht im Raum? In einem Computerspiel? Oder eine Zeitreise – geht sowas überhaupt?
All diese offenen Fragen werden im Verlauf von „Everlasting“ beantwortet und darüber hinaus erwarten den Leser viele faszinierende Details, die sich wie ein kleines Puzzel zusammensetzen.

Der Sprachstil war anfangs etwas eigentümlich durch die Nutzung des Illeismus. Alle Personen nur in der dritten Person von sich reden zu hören erforderte einiges an Konzentration, damit man wirklich durchschaut wer über wen spricht und wer sich selbst damit meint. Nach ein paar Seiten fand ich diese Art zu sprechen jedoch ziemlich interessant, es gibt einem einen ganz anderen Blick auf die Personen und man entdeckt auch, was sie alles in sich vereinen, da sie je nach Situation immer ein neue Ersetzung für das Wörtchen „ich“ finden.

Besonders spannend war für mich die Beschreibung der Zukunft, all die technischen Neuerungen und Entwicklungen sind einfach der Wahnsinn. Das Reisen wird einem total erleichtert, man benötigt kaum noch Zeit für Strecken, für die man heute einen halben Tag bräuchte. Und auch Klonen, Hologramme und Flüge zum Mars sind keine Zukunftsmusik mehr sondern Realität.
Durch die vielen Ortswechsel bleibt die Handlung und Umgebung zusätzlich abwechslungsreich. Der Leser springt über verschiedene Kontinente und Städte, jede mit ihrem eigenen Charme.

Finn wurde mir beim Lesen recht schnell sympathisch. Er ist nicht so eingeengt in dem vorgegebenen System und mutig genug in andere Richtungen zu denken. Wieso sollte man nicht auch mal Gedanken und Gefühle zulassen, die andere in seiner Umgebung für ausgeschlossen oder unnötig halten? Im Grunde kann man ja nur dazu lernen. Und genau das tut Finn, er entdeckt ganz viele faszinierende Sachen und findet Seiten an sich, die er bis dahin nicht kannte.
Rouge, eine gute Freundin von Finn, war für mich die ganze Zeit doch sehr undurchsichtig. Sie ist sehr verschlossen und in ihrer Arbeit stets sachlich. Nur sehr selten öffnet sie sich mal und gibt über ihre Persönlichkeit etwas mehr Preis. Trotz allem Spielt sie eine sehr wichtige Rolle in dem Buch.
Eliana war mir ganz besonders sympathisch. Sie lebt ja in unserer Zeit, erlebt Dinge, die auch jeder von uns einfach erleben könnte. Außerdem hat sie so eine tolle Art zu schreiben und sich zu geben, das man sie eigentlich nur gern haben kann.

Alles in allem find ich „Everlasting“ ein sehr gelungenes Buch, das neben der Geschichte viel Raum für eigene Gedanken und Fantasien lässt. Der Leser darf selbst entscheiden in welche Richtung er weiter träumen und hoffen will, da die Handlung an den meisten Stellen nicht vorhersehbar und auch das Ende sehr schön offen gestaltet ist. Ich hoffe ja, dass es eine Fortsetzung geben wird.


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