Sonntag, 15. März 2015

Rezension: Der kleine Prinz (HB) - Neuübersetzung

Der kleine Prinz
Antoine de Saint-Exupéry

neu übersetzt von Hans Magnus Enzensberger
erschienen Februar 2015
Verlag: Jumbo
ISBN: 978-3-8337-3320-8
 © Jumbo
der Klassiker in neuem Gewand

Die meisten werden ihn kennen, den kleinen Prinzen, sodass ich zum Inhalt an sich wohl nichts weiter sagen muss. Es ist einfach eine zeitlose, unglaublich schöne Geschichte.

Der Jumbo-Verlag hat jetzt ein Hörbuch mit einer Neuübersetzung von Hans Magnus Enzensberger neu herausgebracht. Ziel sollte es sein, dem alten Klassiker etwas modernen Charme zu verleihen – fast wäre es ihnen gelungen, aber leider nur fast.

Aber beginnen wir beim Sprecher: Stefan Kaminski hat eine sehr angenehme Stimme. Es ist mir leicht gefallen, ihm zu lauschen, das Tempo ist angemessen, Betonung ist passend und lässt direkte Rede immer leicht erkennen.

Ich habe das Buch mehrfach gelesen und vor einiger Zeit auch die alte Vertonung gehört – ich weiß daher in etwa, was nacheinander passiert, kenne aber den Text nun nicht auswendig. Ich habe mich auf den Text in neuem Gewand zwar gefreut, war aber auch skeptisch, da man ja von anderen Werken kennt, dass nicht jede Neuübersetzung gelingt, vor allem nicht, wenn versucht wird, es zwanghaft jugendlich zu machen...
Anfangs habe ich einfach nur gelauscht und den vertrauten Inhalt vernommen. Große Unterschiede sind mir nicht aufgefallen, es war nett und flüssig anzuhören. Interessehalber habe ich dann das Buch dazu aufgeschlagen (Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb) und „mitgelesen“. Insgesamt fand ich das Hörbuch dem „alten“ Text sehr ähnlich. Der Satzbau war hier und da anders, immer mal synonyme Wörter, mal ein Füllwort mehr oder weniger, aber schon sehr ähnlich. An ganz wenigen Stellen fällt das Moderne beim Hören sofort auf, zum Beispiel wenn der kleine Prinz sinngemäß ausruft: „Kunststück, du bist ja auch der einzige auf deinem Planeten.“ Das wirkte aber recht niedlich und passte gut in die Geschichte.
Aber nun kommt das große Aber. Es gibt ein Zitat – jeder der den kleinen Prinzen schon mal gelesen hat, wird dieses dem Buch zweifelsfrei zuordnen. Für mich ist es einfach DAS Zitat bzw. DER Satz des Buches. Und diesen neu zu übersetzen, zerstörte für mich dann leider den ganzen Zauber der Geschichte.
So wurde aus:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Karl Rauch Verlag, 61. Auflage 2005, Seite 72)

„Man begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist. Das, worauf es ankommt, ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. – Das, worauf es ankommt, ist unsichtbar.“
(Enzensberger 2015)

Daher mein Fazit: Wer die Geschichte zum ersten Mal hört, findet sie in der neuen Version gut umgesetzt. Schön vertont mit süßen Melodieeinspielungen, gut gesprochen. Dem Text kann man gut zuhören, es wirkt nicht übertrieben modern oder erzwungen jugendlich, aber auch nicht allzu altertümlich-umständlich.
Wer aber die Erstübersetzung kennt und liebt, wird vielleicht mit einigen Formulierungen hadern.


Kommentare:

  1. Hey Anja,

    mir haben es Hörbücher ja im Moment angetan. Da ich die Erstübersetzung nicht kenne, könnte mir das wahrscheinlich dann ganz gut gefallen ;-)

    Liebe Grüße
    Janina

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  2. Hallo Anja,

    ich liebe dieses Buch, aber mit Hörbüchern tue ich mir irgendwie schwer. Habe es allerdings auch erst einmal versucht.

    Wie schön, dass Antoine de Saint-Exupéry nicht aus der Mode kommt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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