Samstag, 21. Februar 2015

Rezension: Christian Biesenbach - Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E.

© Christian Biesenbach
Aus dem hundsgewöhnlichen Leben des Thomas E.
 Autor: Christan Biesenbach
erschienen: Dezember 2014
ISBN:  B00PSBT0IO

 ungewöhnliche Schifffahrt eines recht gewöhnlichen jungen Mannes



Thomas steht am Tiefpunkt seines bisherigen Lebens. Seine langjährige Beziehung ist gescheitert, sein Studium läuft auch schon lange nicht mehr nach seinen Vorstellungen, die Geldsorgen wachsen und der Müllberg in seiner kleinen Wohnung auch. Anstatt sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen, versinkt er in Selbstmitleid und Kummer. Erst das beherzte Eingreifen seiner Vermieterin und seiner Familie bringt ihn aus seinem Schneckenhaus heraus.
Auch wenn Thomas vom Erfolg der Reise nicht überzeugt ist, nimmt er das Angebot seines Bruders an und geht auf ein Containerschiff, um dort auf Bauteile zu achten und sich selbst über sein Leben Gedanken zu machen. Die Fahrt hält jedoch nicht nur sehr viel Wasser, sondern auch so manche Überraschung für Thomas bereit.


Schon das Vorwort ist speziell. Der Protagonist und Ich-Erzähler Thomas berichtet, wie es dazu kommt, dass er überhaupt ein Buch schreibt und dass er sich selbst eigentlich gar nicht für so richtig geeignet hält. Was einen so richtig erwartet, bleibt eher ungewiss. Es ist ein wenig wirr, undurchsichtig, macht deswegen allerdings auch neugierig. Eine interessante Ausgangssituation um in seine Reise zu starten.

Thomas ist ein recht gewöhnlicher 24-Jähriger, der vor einem Berg Probleme steht. Viele seiner Sorgen sind nachvollziehbar und trotzdem hat man immer mal das Bedürfnis, ihm ein wenig in den Hintern zu treten, damit er sein Leben wieder in die Hand nimmt. Nach einer langen Zeit plötzlich verlassen zu werden, kann einem den Mut und die Lebenslust nehmen, dennoch muss man irgendwann wieder aufstehen oder wenigstens Hilfe annehmen. Das fällt Thomas reichlich schwer, aber letztendlich lässt er sich doch dazu hinreißen, seinem Leben wieder einen wenig mehr Schwung zu geben. Man merkt, dass er sich im Laufe der Geschichte entwickelt und wandelt, dass er sich über einiges klar wird und auch wieder einen etwas positiveren Blick in die Zukunft wagt.
Thomas lernt einige der Passagiere besser kennen, führt intensive Gespräche und kann von seinem tristen Alltag abschalten.
Die Arbeit auf dem Schiff ist die meiste Zeit nicht so schwer, bis eine unerwartete Bedrohung auftaucht. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen fordern ihn ziemlich.
Es gibt immer mal wieder kleinere Überraschungen und Wendungen, lange Zeit plätschert die Geschichte jedoch eher vor sich hin. Es ist zwar unterhaltsam, doch richtig Spannung kommt eigentlich erst im letzen Teil des Buches auf.

Einige Passagen waren mir persönlich etwas zu langatmig, in anderen hingegen überschlagen sich die Ereignisse. Da hätte ich mir eine etwas ausgeglichenere Verteilung gewünscht. Der Schreibstil ist recht angenehm, besonders die teilweise selbstkritischen, sarkastischen Gedanken und Kommentare von Thomas lockern viele der Situationen auf und zeigen, dass er sich durchaus über seine Lage im Klaren ist. Zwischendurch wird man als Leser selbst auch zum Nachdenken angeregt, was man selbst für Wünsche hat, was vielleicht nicht optimal läuft und was für Veränderungen möglicherweise nötig wären. So entsteht eine interessante Mischung aus nachdenklichen, lustigen, spannenden und eher ruhigen Szenen.

Ich bin ohne spezielle Erwartungen an das Buch herangegangen und habe ein Reise miterlebt, die gespickt von Problemen und Herausforderungen war. Insgesamt ist das Buch recht unterhaltsam und lässt sich gut lesen, durchgehend überzeugen konnte es mich allerdings nicht. Als leichte Lektüre zwischendurch, vielleicht wenn man gerade selbst eine Schifffahrt macht, durchaus geeignet.



Vielen Dank an Christian Biesenbach für dieses Rezensionsexemplar!

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