Sonntag, 26. Oktober 2014

Rezension: Maze Runner-Trilogie - die Auserwählten von James Dashner

Maze Runner-Trilogie
Die Auserwählten

Autor: James Dashner
erschienen September 2014
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520685


© Chicken House
 
Düster, brutal und manchmal deprimierend

Gesamtfazit

Maze Runner, die 1500 Seite starke Trilogie von James Dashner, überzeugt durch eine ungewöhnliche Idee und eine Handlung voller Überraschungen. Die dystopische Welt mit all ihrer Krankheit, Brutalität und Zerstörung erzeugt die komplette Geschichte über eine bedrückte, düstere und oft auch hoffnungslose Atmosphäre. Verstärkt wird dies, da die Zusammenhänge lange offen bleiben. In ganz kleinen Häppchen erschließen sich über die Trilogie hinweg die Hintergründe der Seuche und des Projekts, in das Thomas und seine Gefährten geraten sind. Ein Ereignis jagt das nächste, die Protagonisten müssen zahlreiche Abenteuer bestehen und Gefahren überwinden. Zwar wird das Geschehen an keiner Stelle wirklich langweilig, irgendwann im dritten Band waren mir einzelne Passagen dann aber doch etwas langatmig und ich habe mir endlich eine Auflösung herbeigesehnt, nachdem man so lange mitgerätselt hat.
Es empfiehlt sich, die Bände direkt nacheinander zu lesen, da man so all die kleinen Details im Kopf behalten kann. Rückblicke gibt es nur vereinzelt und auch nur sehr bruchstückhaft.

Dashner lässt seine Jungs ihre eigene Gemeinschaft erschaffen, zu der auch ganz eigene Ausdrücke gehören. Zunächst sind diese ungewöhnlich, aber man findet sich schnell hinein und bemerkt die ausgefallenen Worte irgendwann nicht mehr.

Am Ende werden nicht alle Fragen geklärt, über ein paar Zusammenhänge bleibt der Leser im Dunkeln. Das Bonusmaterial der Gesamtausgabe, die Geheimakten, geben hier ein Stück mehr Aufschluss über bestimmte Hintergründe und lassen manche Geschehnisse in neuem Licht erscheinen.

Eine packende Trilogie mit ungewöhnlicher und oft überraschender Handlung, die nur an wenigen Stellen etwas langatmig wird. Einblicke in Thomas Gedanken sowie bildhafte Beschreibungen ziehen sich durch das Geschehen, auch bei den oft brutalen Szenen. Aufgrund der durchweg düsteren Stimmung, der hoffnungslosen Situation und der vielen blutigen Szenen ist es manchmal allerdings auch nicht gerade leichte Kost - die Altersempfehlung ab 13 Jahren halte ich nur bedingt für angemessen.


 

Band 1: Die Auserwählten - Im Labyrinth



Chicken House, März 2011,
978-3551520197
Ohne Gedächtnis wacht Thomas in einem Fahrstuhl auf, der ihn geradewegs auf eine Lichtung bringt. Dort befinden sich bereits 50 andere Jungen, die den Frischling misstrauisch beäugen. Thomas bleibt nichts anderes übrig, als sich in diese kleine Gemeinschaft einzufügen, die von riesigen Mauern umgeben und durch Stahltore vor unheimlichen Wesen geschützt ist, die nachts durchs Labyrinth irren. Doch als kurz nach ihm ein Mädchen auf der Lichtung erscheint, ändert sich einiges für die Teenager und eine Zeit voller Gefahren beginnt...

Erzählt wird die Geschichte aus der personalen Sicht von Thomas. Der Leser erlebt, was er erlebt, sodass man nur einen eingeschränkten Blick auf die Handlung hat, allerdings Anteil an seinen Gedanken und Gefühlen nehmen kann.

Thomas war mir schnell sympathisch. Statt eingeschüchtert und ängstlich zu sein – schließlich landet er zwischen lauter Fremden an einem unbekannten Ort und wird zunächst nur herumgeschubst – stellt er Fragen, wehrt sich gegen Anschuldigungen und will einen Ausweg für die Gruppe finden.
Dabei zeigt er verschiedene Facetten seiner Persönlichkeit, vor allem, wenn er hin und wieder Bruchstücke seiner Erinnerungen erhält, die ihn teils aus der Bahn werfen, teils aber auch neue Hoffnung schöpfen lassen.

Von den restlichen 50 Jungen lernt der Leser nur einen kleinen Teil kennen. Diese werden nicht nur optisch, sondern auch von ihrem Charakter sehr unterschiedlich dargestellt, sodass eine interessante Mischung entsteht. Man entwickelt Sympathien und Antipathien; mit einigen fiebert man mit, andere würde man manchmal lieber außerhalb des Labyrinths sehen...

Gemeinsam haben sie, dass man oft vergisst, wie jung sie eigentlich noch sind. Dadurch, dass die ca. 12- bis 17-jährigen Teenager teilweise bereits seit zwei Jahren gezwungen sind, ihr Leben auf der Lichtung allein zu organisieren, wirken sie in vielen Szenen deutlich reifer, in anderen Momenten hingegen benehmen sie sich aber auch noch recht kindlich. Insgesamt sind ihre Verhaltensweisen verständlich geschildert, sodass man als Leser die verschiedensten Emotionen auf der Lichtung gut nachvollziehen kann.

Die Geschichte ist von Beginn an spannend. Das Setting, ebenso wie die Gegner, ist ungewöhnlich und wirft sofort viele Fragen auf. Warum sind die Jungen auf der Lichtung? Was hat es mit dem Labyrinth auf sich? Wer beobachtet sie? Was lauert dort im Labyrinth? ... Nur ein winziger Teil der Fragen wird im Verlauf der Geschichte beantwortet. Hier und da erhalten Thomas und seine Freunde einige Hinweise, ein Gesamtbild ergibt sich dadurch aber noch nicht.

Das Ende ist sehr offen und durch den Epilog wird deutlich, dass die Gefahr für die Jungen noch nicht beendet ist. Gleichzeitig werden damit neue Fragen aufgeworfen.

Ein Trilogieauftakt, der viele Fragen aufwirft und Neugier auf die Fortsetzung erzeugt. Eine interessante Idee und abwechslungsreiche Charaktere sorgen für durchgehende Spannung.


 

Band 2: Die Auserwählten - In der Brandwüste


Band 2 der Reihe, inhaltliche Spoiler zu Teil 1 vorhanden

Chicken House, Juni 2012
978-3551520357
Nach ihrer scheinbaren Rettung aus dem Labyrinth müssen die Jungen erkennen, dass das Abenteuer keinesfalls beendet ist. Ihrer Retter sind verschwunden und auch Teresa ist nicht mehr da. An ihrer Stelle treffen sie auf einen Jungen, der ebenfalls vor kurzem aus einem Labyrinth geflohen ist, mit seiner eigenen Gruppe – einer Gruppe von Mädchen... Statt der erhofften Sicherheit stehen den Lichtern neue Gefahren bevor...

Band zwei setzt nahtlos an die Ereignisse des Vorgängerbandes an. Da ich die Bücher direkt hintereinander gelesen habe, benötigte ich keine Auffrischung, hatte allerdings auch den Eindruck, dass es ohne Vorkenntnisse schwierig sein könnte, aus den Fragmenten, die über Gespräche und Erinnerungen noch mal aufgenommen werden, ein Gesamtbild zu erzeugen.
Zudem sind durch den ersten Teil bereits die Figuren bekannt, die jeweils in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen.

Der Erzählstil wird beibehalten. Wieder erlebt der Leser die Geschichte aus der personalen Sicht von Thomas und erhält damit nur einen Einblick in das Geschehen, das Thomas direkt umgibt. Über Gespräche werden Ereignisse zusammengetragen, die ohne Thomas’ Beisein stattfinden.

Während in Band 1 ein Ereignis das nächste jagte, hatte ich in diesem Band das Gefühl, dass die Handlung zunächst etwas langsamer vorangeht, bevor sie dann im weiteren Verlauf  wieder deutlich an Tempo zugelegt hat und viele unerwartete Ereignisse eintrafen. Mit der Zeit hat Thomas es schwer, einzuordnen, wer auf welcher Seite steht. Als Leser ist man ähnlich ratlos. Statt Fragen zu beantworten, kommen in diesem Band viele weiter hinzu.

In seinen Träumen sieht Thomas immer wieder Fragmente seiner Vergangenheit. Zwar lassen sich dadurch einige Ereignisse erahnen, über die Hintergründe von ANGST bleibt man aber dennoch im Unklaren.

Die Jugendlichen haben erneut viele Prüfungen zu bestehen, wobei Dashner auch einige Verluste in Kauf nimmt. Bildhafte Beschreibungen ermöglichen es, sich das Gesamtgeschehen und die Umgebung gut vorzustellen – auch bei den blutigen Szenen, wobei hier nicht übertrieben stark ins Detail gegangen wird.

Gelungene Fortsetzung, die neue Facetten der Chraktere ans Licht bringt. Streckenweise hätte die Handlung etwas schneller gehen können. Auf Antworten wartet man fast vergeblich, sodass nun alle Hoffnungen auf dem Finale ruhen.



Band 3: Die Auserwählten - In der Todeszone


Band 3 der Reihe, inhaltliche Spoiler zu Teil 1 und 2 vorhanden

Chicken House, Mai 2013
978-3551520357
Wieder wägt die Gruppe sich in Sicherheit und wieder wird sie getäuscht. ANGST glaubt immer noch fest an ein Heilmittel, das sie mithilfe eines Auserwählten herstellen möchte. Der Preis dafür ist allerdings hoch...
Die Geschehnisse setzen wieder nahtlos an die Ereignisse des zweiten Bandes an, nur wenige Tage sind vergangen. Erneut werden Rückblenden sehr spärlich gesät, sodass man dem Buch ohne die entsprechenden Vorkenntnisse kaum wird folgen können. Vor allem, weil Thomas bruchstückhaften Erinnerungen in Band zwei mehr Fragen als Antworten aufgeworfen haben und man auch als Leser der ersten Bände mit sehr löchrigem Wissen ins Finale startet.

Der Erzählstil bleibt beibehalten. Aus der personalen Sicht von Thomas erlebt der Leser die Geschichte. Ein flüssiger Schreibstil und bildhafte Beschreibungen, auch bei blutigen Szenen, von denen es immer mehr gibt, ziehen sich durchs Buch.

Schön ist, dass es in diesem Band endlich etwas mehr Infos über den Rest der Welt gibt – wie es zu der Seuche gekommen ist, wie die Menschen in anderen Regionen leben und wie versucht wird, Infizierte und Gesunde zu trennen.

Die Geschichte ist natürlich spannend, weil man endlich wissen möchte, wie es ausgeht. Wie hängt alles zusammen? Kann ein Heilmittel gefunden werden? Können die zwei Testgruppen wirklich zur Rettung der Welt beitragen?
Auf Antworten muss der Leser diesmal eine ganze Weile warte, denn zunächst werden Thomas und seine Freunde wieder in allerlei neue Gefahren verstrickt, die sie überstehen müssen.
Dabei hatte ich leider irgendwann das Gefühl, dass es mir mit den immer neuen Hindernissen langsam reicht. Die Geschichte wurde in der Mitte etwas langatmig, da das Ziel einfach nicht in Sicht kam.
Das Ende entschädigt dafür allerdings – dieses ist wieder sehr rasant, actionreich und bietet allerlei unerwartete Wendungen.
Jedoch sind am Ende längst nicht alle Fragen beantwortet und die Zukunft ist in gewisser Weise noch ungewiss.

Ein Abschlussband, der die Geschichte stimmig zuende bringt, wobei Dashner auch blutige Opfer nicht scheut. Spannende, allerdings auch streckenweise zähe Story, die am Ende leider nicht alle Fragen beantwortet.



Vielen Dank an Chicken House für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    also diese Buchreihe hat es doch schon mal in einer anderen Ausführung/Verlag gegeben oder täusche ich mich da?

    LG..Karin..

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  2. Hallo,
    ja, wie unter den jeweilgen Einzelcovern erwähnt, wurden die Bücher bereits 2011 bis 2013 veröffentlicht - mit völlig anderen Covern, aber auch bei Carlsen/ Chicken House. Jetzt zum Filmstart gibt es die neuen Varianten.
    LG,
    anja

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  3. Ich hab den Film gesehen - und er war cool xD

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  4. Die Trilogie habe ich lange ignoriert, aber jetzt reizt sie mich doch. Schaue ich mir näher an.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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