Sonntag, 19. Oktober 2014

Rezension: Christine Millman - Bist du ein Star?

© Impress (Carlsen)
Bist du ein Star?
 Autor: Christine Millman
erschienen Oktober 2014
ISBN: 978-3-646-60081-0

schöne Geschichte, mit kleinen Schwächen


The Voice, Deutschland sucht den Superstar, X-Faktor, Popstars – wer kennt sie nicht, die unzähligen Castingshows, in denen jedes Jahr aufs neue „große“ Talente gesucht werden!? Unscheinbare Mauerblümchen werden zu grandiosen Bühnen-Stars, eingebildete Wichtigtuer erleben einen harten Dämpfer, der Durchschnittsbürger von nebenan wächst über sich hinaus. So oder so ähnlich bekommt man als Zuschauer den Werdegang der Teilnehmer präsentiert und immer bleibt die Frage im Hinterkopf: „Ist das alles echt?“. Manchmal weiß man wirklich nicht, ob es um die Musik oder die Einzelschicksale geht, wie viel davon gespielt, erfunden und eingefädelt ist.
Als sich Emily und Jonas die Chance bietet, bei „Bist du ein Star?“ mitzumachen, ergreifen sie diese prompt. Während Emily zunächst Bedenken hat und eigentlich nur mal zeigen will, dass sie singen kann, sieht Jonas, und vor allem auch seine Mutter, in der Show die Möglichkeit, auf ein erfolgreiches Comeback. Gemeinsam mit den beiden Protagonisten taucht der Leser in eine Welt aus Musik, Showbusiness, Intrigen und privaten Schicksalen.


Emily ist schüchtern, zurückhaltend und teilweise recht unsicher. Nur ihre Liebe zur Musik lässt sie aufblühen. Wenn sie zu singen beginnt, versinkt sie in ihrer ganz eigenen Welt, die sie erfüllt und bestärkt, dass sie das Richtige tut. Im Verlauf der Geschichte gewinnt sie an Selbstbewusstsein, bleibt sich aber dennoch weiterhin treu. Der ganze Trubel ist ihr manchmal etwas zu viel, was zeigt, dass sie sich ihre Bodenständigkeit erhält und nicht anfängt abzuheben.
Jonas war schon einmal ein Kinderstar und ist den Rummel um die Castingshow-Teilnehmer gewohnt. Zu Beginn wirkt er oft ein wenig eingebildet und arrogant, scheint sich für etwas Besseres zu halten und wird an die Spitze gepusht. Erst nach und nach bekommt man einen Einblick in sein wahres Seelenleben. Jonas ist facettenreich und trägt häufig Masken, die es ihm möglich machen, nach außen hin zu wirken, wie es von ihm erwartet wird. In ihm drin sieht es oftmals ganz anders aus, was ihn wirklich sympathisch macht.
Besonders abwechslungsreich sind auch die Nebencharaktere, die mal eine größere und mal eine untergeordnete Rolle spielen. Neid, Missgunst, Erfolgsdruck, aber auch Freundschaft und ehrlich gemeinte Ratschläge sind hier an der Tagesordnung.

Christine Millman hat einen angenehmen, flüssigen Schreibstil. Besonders gut gefallen mir die Perspektivwechsel, die es möglichen machen, sowohl Emily, als auch Jonas sehr privat kennen zu lernen. Obwohl es keine Ich-Perspektiven gibt, erfährt man viel über ihre Gedanken und Gefühlslagen, auch wenn sie diese nicht offen zugeben. Es ist sehr schön, die Weiterentwicklung der beiden Protagonisten zu verfolgen, sie wachsen mit ihren Aufgaben, in musikalischen und privaten Angelegenheiten.
Die Musik spielt eine wichtige Rolle im Buch. Gesangsproben, Gespräche über die Songauswahl und kleine Auszüge aus Liedtexten spiegeln die Liebe und Leidenschaft zur Musik deutlich wieder. Daneben bleibt jedoch auch genug Raum für die persönliche Entfaltung, die Sorgen und Nöte der Hauptfiguren und ihrer Familien.
Es gibt zwar zwischendurch kleine Überraschungen, weite Strecken der Handlung sind jedoch ein wenig vorhersehbar. Der Ablauf und das Voting-System der Castingshow sind klassisch und durch zahlreiche Fernsehsendungen bekannt. Auch die Ergebnisse in den Shows sind häufig nicht besonders überraschend. Ein wenig mehr Spannung und Wendungen hätten der Geschichte gut getan, die zwischenzeitlich eher vor sich hin plätschert. Durch die sympathischen Charaktere und die persönlichen Probleme bleibt die Handlung zwar interessant, fesselt jedoch nicht durchgängig.

Insgesamt ist „Bist du ein Star?“ eine schöne Geschichte, die mit Gefühl und tollen Figuren punkten kann, auch wenn die Spannung an einigen Stellen ein wenig auf der Strecke bleibt.



Vielen Dank an Impress (Carlsen) für dieses Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen