Samstag, 4. Oktober 2014

Blogtour Tag 5 - Das Simpsons Syndrom von Dr. Bettina Balbutis - Krankenhausalltag und mehr


Herzlich willkommen zum abschließenden Tag der Blogtour zu "Das Simpsons Syndrom" von Dr. Bettina Balbutis. Bereits vier Stationen gab es auf der Tour und falls ihr sie verpasst habt, könnt ihr hier noch einmal nachschauen, über welche interessanten Themen die anderen Blogger berichtet haben:

15.09 Rockmaniacs Bücher Welt
20.09 Schneeflöckchen
25.09 Samys Lesestübchen
30.09 Libromanie
heute: Bambinis Bücherzauber, hier bei uns ;)


Heute geht es um Krankenhausalltag, Erfarhungen und die Tücken, die sich so verbergen, viel Spaß bei dem kleinen Interview und es gibt natürlich auch bei uns ein Buch zu gewinnen!


Jeder von uns war wohl schon einmal beim Arzt. Kleine Erkältung, fiese Grippe, Magen-Darm-Infekte, Allergien, geprellte oder verstauchte Knochen und Gelenke. Die möglichen Gründe für einen Arztbesuch sind vielfältig und oft recht simpel. Doch was macht man, wenn man Krankheiten hat, über die man nicht sprechen will, über die man nicht sprechen kann oder die einem gar nicht bewusst sind?! Um solche Erkrankungen geht es im Buch „Das Simpsons-Syndrom“ – auch für mich als Krankenschwester gab es da noch viele Überraschungen. Wenn man so von Krankheiten und den Behandlungen liest, dann bekommt man automatisch auch Informationen zum Krankenhausalltag, den Methoden, Diagnostik und eben allem, was so dazu gehört. Seid ihr selbst schon mal im Krankenhaus gewesen? Als Patient oder als Angehöriger? Wie habt ihr es empfunden? Was hat euch gestört, was war gut? Fragen, die man sich manchmal nicht bewusst stellt, jedoch für sich selbst beantworten kann.
Wir möchten heute den Krankenhausalltag, mögliche Vorurteile und Probleme etwas beleuchten und haben Dr. Bettina Balbutis dafür einige Fragen gestellt.

Kommunikation ist in allen Lebensbereichen ein wichtiges Thema, natürlich auch im Krankenhaus. Häufig ist das gar nicht so einfach, die geeigneten Worte an der richtigen Stelle zu finden und dabei geht es nicht unbedingt nur um die Gespräche mit Angehörigen und Patienten. Auch die Kommunikation unter Kollegen gestaltet sich häufig schwierig. Im Buch wird das ab und an auch angedeutet. Gibt es für dich besondere Situationen, an die du dich erinnerst, in der ein Gespräch so völlig schief gelaufen ist?

In der Psychiatrie passiert das alle Naselang. Ich erinnere mich an eine Situation, in der Angehörige per Sitzblockade die Einfahrt des Krankenhauses blockierten, um die Verlegung unseres Patienten in eine andere Klinik zu verhindern. Da ist im Vorfeld einiges schief gelaufen, könnte man sagen. Inzwischen kann ich drüber lachen. Aber am betreffenden Tag haben mir Kollegen ungefragt Süßigkeiten geschenkt, weil ich wohl so elend aussah.

Der Kunde ist König. Im Krankenhaus ist der Kunde der Patient und damit… König. Auch in deinen Kurzgeschichten bekommt der Leser ganz unterschiedliche Charaktere präsentiert. Die einen Patienten sind ganz still und zurückhaltend, die anderen sehr fordernd und nicht immer freundlich. Wie gehst du damit um, kann man dabei auf Dauer freundlich bleiben? Weist du den Patienten nett in seine Schranken oder ignorierst du die „königlichen Allüren“?

Schon bei Medizinstudenten fällt mir auf, wie sehr Krankenhäuser zu Dienstleistungsorten geworden sind. Die angehenden Mediziner schleichen um die Patienten herum, trauen sich kaum, nach dem Stuhlgang zu fragen und entschuldigen sich, wenn sie Patienten abhören. Fatal wird das beim jungen, übermotivierten Kinderarzt: „Darf ich dich mal abhorchen?“ – „Nö.“ Wie soll es da weitergehen?

Die Antwort ist: Patienten brauchen Führung. Keine Bevormundung, sondern einen ruhigen, selbstbewussten und in manchen Situationen auch autoritären Arzt, der Dinge aufgrund seiner Fachkompetenz entscheidet. Um auf deine Frage zurückzukommen: Man muss nicht unbedingt „freundlich“ sein. Sondern verständnisvoll, fair und frei von Vorurteilen. Wenn man diese Haltung hat, wird man selten angepöbelt. Natürlich kann man auch gelegentlich an einen Arschloch-Patienten geraten, dem es Spaß macht, einen mit Wikipedia-Wissen vorzuführen. Da muss man durch. Man muss nicht ständig menscheln. Sondern Verantwortung übernehmen. Im Zweifelsfall für den eigenen Seelenfrieden – indem man einen Patienten an Kollegen abgibt.

Das Gesicht hinter dem Papier – der Unterschied zwischen Akte und Realität und Gespräche über aber nicht mit dem Patienten sind Themen, die jedem im Krankenhausalltag schon mal begegnet sind. Auch die Visiten in deinen Geschichten zeigen recht eindrücklich, wie schnell es passieren kann, dass die Ärzte nur miteinander reden und der Patient die ganzen Fachwörter  nicht versteht. Hast du eine Strategie, um solche Fälle zu vermeiden? Erinnerst du dich an Fälle, in denen die die Papiere einen ganz anderen Eindruck vermittelt haben, als der dazugehörige Patient?

Das passiert ständig. Arztbriefe sind ja komplett defizitär ausgerichtet. Da steht ja zum Beispiel nicht drin: „Der Patient ist zuvorkommend und hat einen feinen Humor.“ Die Akten sind ein Sammelsurium von Fehlermeldungen und offenbaren auch die schmutzigsten körperlichen Geheimnisse. Da kann es leicht passieren, dass man seine Patienten ebenso betrachtet – als Sache, die es zu reparieren gilt. Patienten spüren das, sie fühlen sich nicht ernst genommen oder auf ihre Symptome reduziert. Gerade für anspruchsvolle, „schwierige“ Patienten lohnt sich folgende Technik: Ehe man das Zimmer betritt, zehn Sekunden Augen zu und sich auf die guten Seiten des Patienten konzentrieren.

Viele Menschen haben ein völlig falsches Bild vom Beruf der Krankenschwester und reduzieren die Pflegekräfte auf offensichtliche Tätigkeiten, die jeder persönlich damit in Verbindung bringt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass hinter dem Beruf viel mehr steckt, als das Offensichtliche. Begegnen dir auch solche vorgefertigten Meinungen zum Beruf des Arztes? Welche Vorurteile sind dir schon so begegnet und wie gehst du damit um? Klärt man es immer auf oder lässt man mache Leute auch einfach in ihrem falschen Glauben?

Als erfahrene Krankenschwester kennst du sicher die Antwort … Jungmediziner haben es schwer, da hagelt es Vorurteile. Das nicht allein von Seite der Patienten, die einen mitunter als karriere- und geldgeil abstempeln. Ein guter Teil der Vorurteile kommt nicht von den Patienten, sondern von anderen Krankenhausmitarbeitern, und nicht selten von Seiten der Krankenpflege. Als junge Ärztin hat man es im von Frauen dominierten Pflegeteam oft nicht leicht. Vielleicht spinne ich ja, aber mir kommt es vor, als kommen die frischgebackenen männlichen Ärzte auf Station besser weg.

Um fair zu bleiben, muss ich sagen, dass mein Berufsstand mit arroganten Vorurteilen wirklich nicht spart. Anstatt sich Rat beim oft viel erfahreneren Pflegeteam zu holen, lassen viele Arztkollegen die Autorität raushängen und kommandieren Krankenhausmitarbeiter herum, die dort schon gearbeitet haben, als man selbst noch in den Windeln saß. Davon will ich mich auch nicht ausnehmen. Gerade im zweiten Berufsjahr sind viele von uns ungenießbar. (Direkt nach der Uni ist man erst mal kleinlaut.)

Medizinisches Personal sind die Schlimmsten Patienten – sagt man sich zumindest recht häufig. Kannst du da eigene Erfahrungen aus dem Nähkästchen ausplaudern?

Nicht wenige Krankenhausmitarbeiter kommen krank zur Arbeit. Sie impfen sich nicht gegen Grippe und pfeifen auf Vorsorgeuntersuchungen, halten sich nicht an hausärztliche Verordnungen und nehmen Medikamente, wie es ihnen gerade passt. Sie rauchen und trinken zu viel Alkohol, essen zu fett und zu salzig. Kurz: Sie verhalten sich genauso wie der Durchschnittsbürger.

Aber für Krankenhausmitarbeiter gelten andere Regeln, oder? Ein rauchender Banker? Geschenkt! Ein rauchender Pfleger erntet blöde Sprüche. Ich will auf keinem Fall nicht dem Rauchen das Wort reden. Sondern darauf hinweisen, dass medizinisches Personal sich mitunter genauso doof verhält wie alle anderen auch. Dass sie noch dazu überdurchschnittlich häufig an psychischen Störungen leiden, Depressionen kriegen, süchtig werden, ausbrennen, sich suizidieren.

Krankenhausmitarbeiter sind schwierige Patienten, weil ihr Arbeitsumfeld oft schwierig ist, sie in schrecklichen Dienstschichten arbeiten und oft nicht angemessen bezahlt werden. Weil sie dem Tod und dem Leid täglich begegnen und das irgendwie wegstecken müssen. Meine Antwort klingt hier so ein bisschen nach einem Lobbytext. Aber es ist die Wahrheit und ich sage, wie es ist.

Im Buch gibt es einige detaillierte Beschreibungen zu Erkrankungen, Untersuchungen und Ausscheidungen des menschlichen Körpers. Mich als Krankenschwester stört das beim Lesen zwar nicht, ich könnte mir aber vorstellen, dass andere Leser es als unangenehm oder sogar eklig empfinden. Hast du dich ganz bewusst trotzdem für die bildhafte Präsentation solcher Dinge entschieden?

War da irgendwas eklig? Habe ich gar nicht gemerkt. Was stach denn heraus? Die Riesenhoden? Der Penisfisch? Hm. Der Augenwurm vielleicht, da könntest du Recht haben ;) Um ehrlich zu sein habe ich schon einiges entschärft. Die erste Fassung war erheblich deftiger … Krankenhauspersonal stumpft ab, du weißt es selbst. Wer mal bei einem hohen Schwenkeinlauf den glitschigen Stutzen direkt am Popo festgehalten hat, weiß, was ich meine.

Obwohl man im Krankenhaus schon recht abgehärtet ist, hat meistens jeder Etwas, was in ihm Ekelgefühle auslöst und einen an seine Grenzen bringt. Gibt es bei dir da auch eine Situation, Körperflüssigkeiten oder Ähnliches, die dich, wenn du könntest, in die Flucht schlagen würden?

Ich habe mal gesehen, wie jemandem ein Auge rausgefallen ist. Der gute Mann fummelte so dran herum, der Augapfel wurde in der Augenhöhle immer größer, fiel plötzlich raus und kullerte auf dem Boden in meine Richtung. Das klingt superunglaubwürdig, ich weiß. Allerdings war es nur eine Augenprothese, die rumgekullert ist, das habe ich anschließend erfahren. Der Patient wollte sie zum Reinigen rausholen, da ist sie ihm aus der Hand geglitscht. Immer noch eklig, aber auch verzeihlich. Aber direkt in der Situation dachte ich, jetzt verliere ich den Verstand und renne schreiend und mit den Armen rudernd den Flur entlang.

In deinen Kurzgeschichten wird deutlich, dass man als Ärztin auch privat kaum abschalten kann. Freunde und Familie bombardieren einen immer wieder mit Fragen und Problemen. Wie schaffst du es da von seinem Berufsalltag los zu kommen und dich auch mal zu entspannen? Schiebst du der Fragerei einen Riegel vor oder stellst du dich brav allen Problemen?

Die Fragen sind weniger geworden. Im Studium war es schlimm, inzwischen werde ich mit Krimskrams eher in Ruhe gelassen. Ich nehme allerdings auch längst nicht mehr zu allen Fragen Stellung. Orthopädie, Augenheilkunde, Hauterkrankungen, davon lasse ich die Finger. Wer mir allerdings mit einem psychiatrischen Problem kommt, kriegt eine Beratung. Vorausgesetzt, wir stehen uns nicht nah. Bei guten Freunden halte ich mich da möglichst zurück, da kann eine neutrale Person oft besser helfen.

Eine Zeit lang hat mir Backen sehr weitergeholfen. Ich habe quasi alle Bücher von Annik Wecker durchgebacken, es dürften weit über hundert Rezepte gewesen sein. Ich glaube, manche Bekannte hatten sich damals nur wegen der Tartes und der Eiskreationen mit uns verabredet. Inzwischen backe ich nur noch selten. Stattdessen schreibe ich Bücher. Der perfekte Ausgleich. Und es macht ebenfalls süchtig. Nach 22 Uhr muss mein Mann das Notebook einziehen, sonst kann es sein, dass ich die halbe Nacht wirre Notizen mache, die ich am nächsten Morgen nicht mehr verstehe. Vielleicht brauche ich einen Ausgleich vom Schreiben …Yoga? Reiki? Chinchillas?

Vielen Dank für die tollen, ausführlichen Antworten!

Kommen wir nun zum kleinen Gewinnspiel. Wie bereits auf den anderen Blogs gibt es auch bei uns ein Exemplar des Buches zu gewinnen. Alles was ihr dafür tun müsst, ist einen Kommentar zu hinterlassen, in dem ihr uns erzählt, was für lustige, skurrile, seltsame Erlebnisse ihr schon so mit Ärzten oder Schwestern hattet. Oder gibt es Vorurteile und Gerüchte, die euch häufig begegnen?!
Teilnahmeschluss ist der 8. Oktober um 23.59 Uhr. Am darauffolgenden Tag wird dann ausgelost. Wer eine E-Mail-Adresse hinterlässt, wird informiert, ansonsten hat der Gewinner eine Woche Zeit sich bei uns zu melden.

Teilnahmebedingungen:

1.) Teilnehmer müssen über 18 Jahre alt sein, ansonsten benötige ich eine Einverständniserklärung der Eltern.
2.) Die Adresse wird nur für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.
3.) Der Gewinner hat 7 Tage Zeit, sich bei mir zu melden, ansonsten verfällt der Gewinn. 
4.)  Ich versende nur innerhalb Deutschlands.
5.) Ich übernehme keine Haftung, falls der Gewinn auf dem Postweg verloren gehen sollte oder beschädigt wird.
6.) Keine Barauszahlung des Gewinns!
7.) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Kommentare:

  1. Hallo ihr Beiden,

    das Buch hab ich schon auf meiner Wunschliste, weil es sich wirklich toll anhört. Spannend, aber auch witzig.

    Meine witzigste bzw. skurrilste Erfahrung mit Ärzten? Mh.
    Ich hab ja während dem Studium drei Jahre in der Uni-Klinik gearbeitet und dabei war das seltsamste Erlebnis, als mich ein Arzt fragte, wie er seinen Brief, den er wegschicken wollte, beschriften soll.
    Ich dachte erst, der veräppelt mich, aber der hat anscheinend noch nie einen Brief verschickt. Das war schon etwas strange.

    Liebe Grüße
    Ramona

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  2. Hallo und guten Tag,

    Nun ich bin kein Fan von Krankenhäusern, Schwestern oder gar Ärzten und habe das Krankenhaus auch noch nie von innen also als Patientin gelesen, außer bei den Geburten meiner Kinder.

    Und hat alles soweit gepasst....Die einzigen Ärzte, die ich wirklich mag ..sind Die Ärzte...um Sänger Bela... die gefällt mir wirklich !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    LG..Karin..

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  3. Hallo,
    würde mich rießig freuen das Buch zu gewinnen, da ich glaube, dass es recht informativ und sehr lustig ist.
    Einmal bin ich diesem Klischee Arzt begegnet, dem die Patienten irgendwie egal sind. Ich war damals 19 und musste wegen starken Rückenschmerzen zum Orthopäden und der hat alles nur heruntergespielt und ausschließlich mit einem gelangweiltem mh und aha auf meine Schilderungen geantwortet und meinte letztendlich in so einem Alter kann dass doch garnicht sein etc. das hat mich ziemlich geärgert, weil ich eigentlich echt nicht schmerzempfindlich bin...letztendlich wurde dann eine Wirbelsäulenverkrümmung festgestellt und ich musste zur Krankengymnastik...da hat der Arzt dann auch nichtsmehr gesagt :D

    LG Elli
    (elena.witschel@yahoo.de)

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