Freitag, 5. September 2014

Rezension: Gefrorenes Herz von Mirjam H. Hüberli

Gefrorenes Herz
 
Autor: Mirjam H. Hüberli
erschienen September 2014
ISBN: 978-3-646-60070-4

 
© Carlsen/ Impress

packend, emotional, spannungsgeladen!

Aurelias Zwillingsschwester Natascha ist seit mehreren Wochen spurlos verschwunden. Das 17-jährige Mädchen gibt die Hoffnung nicht auf, ihre Schwester bald wiederzufinden. Aber bei der Suche muss sie feststellen, dass sie nicht alle ihre Freunde so gut kennt, wie sie bisher glaubte...

Erzählerin der Geschichte ist die junge Aurelia, die ihren Zwilling spürbar vermisst. Dank der Ich-Perspektive erhält der Leser intensive Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und kann dadurch die Verbindung zwischen den Zwillingen gut nachspüren.
Die Sprache ist der 17-jährigen angesessen – jugendlich, flüssig, nicht allzu kompliziert.

Die Geschichte beginnt sofort spannend. Bereits durch den Einstieg, der sechs Wochen vor der eigentlichen Handlung spielt, wird der Leser direkt in das Geschehen gezogen und fragt sich, was es mit den rätselhaften Worten auf sich hat. Die Erklärung folgt erst viel, viel später, wenn dieselbe Szene sich im chronologischen Verlauf abspielt und entsprechend länger geschildert wird.
Interessant ist auch, dass das Geschehen im Herbst/ Winter diesen Jahres spielt – als stünde die Geschichte dem Aurelia bzw. Leser erst noch bevor.

Aurelia klammert sich an jeden kleinen Hinweis, den sie findet. Daher versucht sie auch, das Verhalten ihrer Mitmenschen zu interpretieren, wobei es – wie sollte es anders sein – zu etlichen Fehlinterpretationen und Missverständnissen kommt. Nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Und so wird Aurelia – und mit ihr auch der Leser – auf verschiedenste Fährten geführt. Die tatsächliche Auflösung ist dann sehr überraschend, vor allem nach all den verschiedenen Spekulationen, die sich im Verlauf bereits gebildet haben.

Durch die anhaltende Suche wird eine konstante Spannung erzeugt. Viele Hoffnungsschimmer ziehen Enttäuschungen nach sich, wodurch Aurelia verschiedenste Emotionen erlebt, die der Leser mitfühlen kann. Dramatische Szenen wechseln sich mit traurigen Passagen ab – es empfiehlt sich, von Beginn an Taschentücher bereitzulegen.

Kleiner Kritikpunkt: Dass Aurelia Natascha vermisst, ist verständlich und wird sehr intensiv dargelegt. Mit der Zeit hatte ich allerdings das Gefühl, dass in ihrer wiederkehrenden Trauer und Verzweiflung, sich die ein oder andere Formulierung, wie nah sich die zwei sind, wiederholt. Viel öfter hätte sie ihre besondere Verbindung nicht wiederholen dürfen, sonst hätte ich es bald als „zu oft“ empfunden.

Gefrorenes Herz bietet ein Wechselband der Gefühle, dass der Leser hautnah mit der verzweifelten Protagonistin erleben kann. Eine packende Geschichte, die den Leser erst nach der absolut überraschenden Auflösung wieder loslässt.

 

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