Montag, 8. September 2014

Rezension: Alexej Winter - Sekundensache

© Homo Littera
Sekundensache 
 Autor: Alexej Winter
erschienen Juli 2014
Verlag: HOMO Littera
ISBN: 978-3-902885-38-8

gelungenes Debüt im Gay-Genre

Noch ein Jahr bis zum Abitur, noch einmal die Sommerferien genießen, den Alltag hinter sich lassen und dann mit neuer Kraft ins letzte Schuljahr starten. So oder so ähnlich sahen vermutlich die Pläne für Lucas Ferien aus. Der leidenschaftliche Fußballspieler reist in ein kleines Dorf, um die dortige Mannschaft und seine Freundin Lilly zu unterstützen. Dort trifft er auf den attraktiven Bela, der ihm sofort den Kopf verdreht. Ein Sommer mit viel Verwirrung, viel Gefühl und auch ein wenig Fußball. Doch die weiteren Entwicklungen hätte sich so wohl niemand träumen lassen.



Mir gefällt der Schreibstil von Alexej Winter sehr gut. Der Einstieg in die Geschichte gelingt leicht und viele detaillierte Beschreibungen helfen dabei, sich Personen und Handlungsorte bildlich vorstellen zu können. Spanische Einschübe geben den Gesprächen eine besondere Note und machen deutlich, wo Lucas eigentliche Wurzeln liegen. Auch passt es super zu der gegnerischen Fußballmannschaft, die aus Spanien für das Spiel anreist.
Durch den Perspektivwechsel erfährt sowohl von Luca als auch von Bela etwas über ihre Gedanken, Gefühle und Pläne. Es ist immer wieder interessant, in ihre Köpfe zu schauen. Als Leser ist man ja besser informiert als die Protagonisten und möchte manches Mal einen Tipp geben, in den Hintern treten oder den Männern die Augen öffnen.
Immer wieder gibt es kleine Wendungen, die die Handlung spannend und abwechslungsreich machen. Hat man gerade gedacht, man wüsste, wie es weitergeht, kommt doch noch einmal Vieles anders als erwartet. Neben den Ahnungen, die man hat, bleibt auch viel Raum für eigene Ideen und Spekulationen. Das mit rätseln und weiterdenken hat mir viel Spaß gemacht und umso überraschter war ich dann, als alles doch ganz anders kam.

Besonders gut gefallen hat mir, dass so viele unterschiedliche Emotionen im Buch eine Rolle spielen. Von Verzweiflung, Wut, Enttäuschung über Freude, Hoffnung und ehrliche Liebe ist alles mit dabei. Verschiedene Missverständnisse führen zu unschönen Situationen, die die Beteiligten vor neue Herausforderungen stellen. Manches Mal würde ein wenig mehr Offenheit helfen, die Probleme aus der Welt zu schaffen  -oft leichter gesagt als getan.

Für Fußballfans kommt das runde Leder vielleicht ein wenig zu kurz, mit persönlich hat es ganz gut gefallen, dass sich nicht alles nur um das Spiel dreht. Das Thema wird immer wieder aufgegriffen, es gibt auch Trainingseinheiten und die Planung des Freundschaftsspiels. Trotzdem hat Fußball keinen übermäßig großen Raum in der Handlung eingenommen, wodurch viel Platz für die persönlichen Belange der Hauptfiguren blieb.

Im Verlauf der Geschichte entwickeln sich die Figuren. Bela und Luca waren mir bereits zu Beginn sehr sympathisch und das bleiben sie auch mit Fortschreiten der Handlung. Andere Charaktere hingegen haben sich sehr positiv verändert. Während ich am Anfang noch fand, dass sie sehr nervig und aufdringlich waren, haben sie sich gewandelt und auch ein anderes Gesicht von sich gezeigt. Es wird sehr deutlich, dass in einem Menschen mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht.
Neben den ganz alltäglichen Problemen von jungen Erwachsenen stehen auch Themen wie Outing, Toleranz und Familienstreitigkeiten mit auf dem Programm. Die Geschichte ist sehr vielseitig und abwechslungsreich und führt den Leser immer wieder in neue Lebensbereiche der Protagonisten.
Der Klappentext verrät leider recht viel von der interessanten Handlung. Wer sich da ein wenig mehr überraschen lassen will, sollte diesen vor dem Lesen des Buches also nicht zu genau studieren. Das Ende lässt mich sehr zufrieden zurück und man darf sich selbst ausmalen, wie es nun wohl weitergehen wird.

Abwechslungsreiche Charaktere, eine interessante Handlung und ein gefühlvolles Ende machen „Sekundensache“ für mich zu einem schönen Ausflug ins Gay-Genre.

1 Kommentar:

  1. Hallo :)

    Ich bin auf der Suche nach Rezensionen zu diesem Buch auf euren Blog gestoßen. Die Rezension überrascht mich nicht wirklich, da ich genauso empfunden habe. Ich finde es schön, auf gleichgesinnte Meinungen zu stoßen. Ich möchte daher Fragen, ob es in Ordnung wäre, wenn ich diese Rezension unter meiner Verlinken würde?

    Liebe Grüße
    Henrik

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