Mittwoch, 13. August 2014

Rezension: Es wird keine Helden geben von Anna Seidl

  Es wird keine Helden geben

Autor: Anna Seidl
erschienen Januar 2014
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-4746-3
© Oetinger 

konnte mich nur stellenweise überzeugen

Die 15-jährige Miriam ist Zeugin, wie bei einem Amoklauf an ihrer Schule ihr Freund Tobi stirbt. Sie selbst entgeht dem Tod nur knapp. Nun liegt ein langer Weg vor ihr – ihr Weg zurück ins Leben...

Ich bin mit diesem Buch lange nicht richtig warm geworden. Vielleicht liegt es daran, dass ich falsche Erwartungen hatte, vor allem aber wohl daran, dass ich mit Miriam ziemliche Schwierigkeiten hatte – denn in einem Punkt hat sie auf jeden Fall recht: Keiner versteht sie wirklich.

Aber von vorn: Erzählerin der Geschichte ist die junge Miriam, aus deren Perspektive der Leser intensive Einblicke in ihre aufgewühlte Gedanken- und Gefühlswelt erhält.
Die Handlung beginnt direkt mit dem Amoklauf. Diese Szenen habe ich als sehr intensiv und bedrückend erlebt, die grausame Atmosphäre wird sehr eindrucksvoll geschildert.

Danach versucht Miriam, das Erlebte irgendwie zu verarbeiten. Und nun begannen meine Probleme mit dem Buch. Natürlich kann ich verstehen, dass Miriam sich zurückzieht, dass sie die ganze Welt hasst, dass sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr sieht... aber diese Passage zog sich für mich zu lange, sodass Miriam anfing, mir auf den Geist zu gehen. Immer wieder verweigert sie das Reden und betont gedanklich, dass sie ohnehin niemand verstehen könne. Sie verrennt sich komplett in ihrem Kummer und Selbstmitleid und blendet ihre mögliche eigene Rolle in dem Drama komplett aus.
An einem bestimmten Punkt brauchte dann erst mal eine Pause von ihr und habe das Buch nach der Hälfte liegen gelassen, um etwas anderes zu lesen.

Da ich aber noch nie ein Buch abgebrochen habe und dieses ja nun nicht so sonderlich lang ist, habe ich mich gezwungen, weiterzulesen und es wurde tatsächlich wieder besser. Mit der Zeit beginnt Miriam, ihren Blick wieder zu öffnen, wodurch sie viel sympathischer wird. Und so regt das Buch aufgrund ihrer Gedanken, z.B. dass sich jeder Mensch immer wieder verändert und es immer Gutes und Schlechtes im Leben gibt, am Ende sogar noch zum Nachdenken über das eigene Leben an.
So konnte ich das Buch am Ende mit einem halbwegs versöhnlichen Gefühl weglegen...

Gemischte Gefühle, schwankender Lesefluss. Anna Seidl behandelt ein sehr ernstes Thema und gerade der Beginn geht unter die Haut. Für mich war die Phase, in der Miriam sich gegen die ganze Welt auflehnt, aber einfach zu lang (beschrieben), sodass ich sie als anstrengende Protagonistin erlebt habe, bis zu dem Zeitpunkt, als sie sich dem Leben wieder ein wenig öffnet.

 

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