Samstag, 2. August 2014

Rezension: Blind Walk von Patricia Schröder

Blind Walk
Autor: Patricia Schröder
erschienen Juni 2014
Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-61749-5


© Coppenrath
spannender Mystery-Thriller mit großem übernatürlichen Anteil

Sieben Jugendliche lassen sich, nach einer stundenlangen Fahrt mit verbundenen Augen, mit einem Kompass und einer unbeschrifteten Karte im Wald aussetzen. Der sogenannte „Blind Walk“ soll ein Abenteuer sein, entwickelt sich aber schnell zum Kampf auf Leben und Tod. Denn irgendwas scheint im Wald zu lauern und die Jugendlichen zu verfolgen...

Die Geschichte geht sofort sehr rasant los. Nach einem kurzen Einstieg, in dem die 17-jährige Lida ihren Freund Jesper überredet, sie zu dem Bild Walk mitzunehmen, obwohl sie noch minderjährig ist, befinden sich die Jugendlichen auch schon mitten im Wald. Durch eine erste grausame Entdeckung kurz nach der Ankunft, wird sofort eine gruselig-mysteriöse Atmosphäre erzeugt, die sich über das komplette Buch hinweg hält.
Besonders reizvoll ist die Mischung der Charaktere. Die sieben Jugendlichen könnten unterschiedlicher nicht sein. Es prallen Welten aufeinander, was für reichlich Konfliktpotential sorgt. Obwohl sie sich regelmäßig wieder ermahnen, an einem Strang zu ziehen, um heil aus dem Wald zu kommen, gibt es immer wieder Zusammenstöße – teils mit üblen Folgen.

Geschildert wird die Handlung größtenteils aus der Ich-Perspektive von Lida, die sich auf dem Blind Walk nicht nur dem unheimlichen Wald stellt, sondern auch einsehen muss, dass sie ihren Freund doch nicht so gut kennt, wie sie dachte.
Lida hat eine sehr angenehme Art. So biestig sie sich Jesper gegenüber auch teilweise verhält, so versucht sie doch trotz ihres jungen Alters immer wieder beschwichtigend auf die Gruppe einzuwirken.
Ihre gute Beobachtungsgabe führt dazu, dass man trotz der eingeschränkten Perspektive detaillierte Vorstellungen der anderen Blind-Walk-Teilnehmer erhält, sodass sich schnell Sympathien und Antipathien entwickeln.

Es gibt darüber hinaus noch eine zweite Person, die ihre Erlebnisse in der Ich-Perspektive schildert, sowie kurze Passagen anderer Personen aus der dritten Person, die für ein umfassendes Bild der Handlung sorgen, aber auch immer wieder zu Fragen und Spekulationen führen.

Die ohnehin ereignisreiche Handlung überzeugt zum Ende mit einer überraschenden Auflösung. Über die ganze Geschichte hinweg durchleben die Figuren die verschiedensten Emotionen, die Dank des detaillierten Schreibstils für den Leser greifbar werden. Vor allem der Schluss überzeugt mit viel Dramatik und Gefühl, wobei das Ende relativ offen ist und dem Leser genug Raum für eigene Überlegungen lässt.

Blind Walk ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss – vor allem, weil der Klappentext ganz andere Erwartungen weckt. Dem eingefleischten Thriller-Leser, der mit Übernatürlichem nichts anfangen kann, würde ich es nicht unbedingt empfehlen. Alle anderen erwartet eine temporeiche Geschichte in gruseliger Atmosphäre, die mit Spannung, Gefühl und einer bunte Mischung an Charakteren überzeugen kann.

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