Samstag, 2. August 2014

Rezension: Andreas Sturm - Leichentuch

© fhl-Verlag
Leichentuch
 Autor: Andreas Sturm
erschienen März 2014
Verlag: fhl-Verlag
ISBN: 978-3-942829-48-9

spannender Krimi mit Irrungen und Wirrungen

 

Weihnachten ist eine sehr besinnliche, häufig ruhige Zeit, in der die Familie zusammenkommt und die verschiedenen Düfte, die in der Luft liegen einem noch mehr Lust auf all die tollen Naschereien machen. Wenn dann noch Schnee fällt und die Stadt in ein weißes Puderzuckermeer verwandelt, dann passt doch einfach alles zusammen. In diesem Sinne: fröhliche Weihnacht überall...
Naja nicht ganz überall. In Dresden wird zum Fest der Liebe still und heimlich gemordet. Bedeckt durch die weiße Schneepracht wird das Verbrechen erst einige Tage später entdeckt. Und als wenn Ermittlerin Karin Wolf und ihr Team nicht damit schon genug zu tun hätten, ist auch noch ein gefährlicher Krimineller aus der Justizvollzugsanstalt ausgebrochen. Karin schwebt in großer Gefahr, denn Witkowskis Rachegedanken schließen auch die Kommissarin mit ein. Eine turbulente Zeit mit vielen Verstrickungen und Geheimnissen liegt vor Karin und den Lesern.


Karin Wolf ist eine ziemlich eigene Person, sie kann sehr stur sein, zieht sich gern zurück und macht Probleme mit sich selbst aus, obwohl sie sich heimlich teilweise jemanden an ihre Seite wünscht. Ihr Temperament schlägt gern mal über die Stränge, dann sagt oder tut sie Dinge, die sie später bereut und die ihr auch beruflich ab und an auf die Füße fallen. Obwohl sie etwas speziell ist, mag ich sie als Protagonistin sehr gern. Sie ist eben nicht so gewöhnlich, wie viele andere Menschen. Ihre Ecken und Kanten darf man sehen, ihre Stärken und Schwächen miterleben. So kann man ihre Handlungen und Gedankengänge auch besser verstehen, als wenn dem Leser die Einblicke in ihre aufgewühlte Gedankenwelt verwehrt bleiben würde.
Das restliche Ermittlerteam ist bunt gemischt, einige Figuren kann man recht gut einschätzen, andere wirken eher geheimnisvoll, unnahbar oder distanziert, so dass sie lange ein Fragezeichen im Hinterkopf behalten.

Andreas Sturm gelingt es, den Leser immer wieder in die Irre zu führen. Wer ist nun an was schuld? Wer hat diese oder jene Situation zu verantworten, gibt es einen Zusammenhang oder ist es einzeln zu betrachten?! Dabei geraten immer wieder unterschiedliche Personen in Verdacht und bis kurz vor Schluss tappte ich ziemlich im Dunkeln. Natürlich hatte auch ich immer jemanden im Hinterkopf, der dann aber häufig durch neue Hinweise und Verstrickungen abgelöst wurde und Platz gemacht hat für einen neuen Verdächtigen. Besonders gelungen finde ich die unterschiedlichen Handlungsstränge, die parallel laufen, zwar unabhängig voneinander weitergeführt werden und doch immer wieder Berührungspunkte zu haben scheinen. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man einen sehr umfassenden Blick auf die Morde, die Ermittlungen, die Gefühle der Hauptpersonen und auch die Gedanken von Witkowski.
Ein angenehmer und detailreicher Schreibstil führt durch die durchweg spannende Handlung. Immer wieder gibt es Wendungen und Überraschungen, neue Verdachtsmomente und Klärungen. Kaum ist man etwas zur Ruhe gekommen und die persönlichen Probleme von Karin rücken etwas in den Vordergrund, schon schlägt das Schicksal wieder zu und die Arbeit wird nicht weniger.
Hintergründe, Motive und Zusammenhänge klären sich logisch und nachvollziehbar im Verlauf des Buches. An dieser Stelle wird das natürlich nicht verraten. Selbst lesen lohnt sich!

Leichentuch ist ein spannender Krimi mit interessanten, unerwarteten Wendungen und angenehmen, abwechslungsreichen Figuren - gelungen Mischung!



Vielen Dank an Andreas Sturm für dieses Rezensionsexemplar!

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