Freitag, 18. Juli 2014

Rezension: Dr. Bettina Balbutis - Das Simpsons-Syndrom


©  Bastei Lübbe 
 Das Simpsons-Syndrom
  Autor: Dr. Bettina Balbutis
  erschienen Juni 2014
  Verlag: Bastei Lübbe
  ISBN: 978-3-404-60788-4

skurrile Krankheiten, die nich unbedingt was mit den gelben Comic-Figuren zu tun haben

Krank sein – jeder kennt es, alle waren es schon mal und doch ist es nie gleich. Bazillen sind nahezu überall, in uns und um uns herum. Einige von ihnen sind ziemlich nützlich, andere gehen einem ziemlich auf die Nerven, weil sie uns krank machen – mal mehr, mal weniger schlimm. In diesem Buch geht es jedoch nicht um die Volkskrankheiten, zu denen wohl Erkältungen gehören, sondern um eher seltene, teilweise sehr skurrile und bizarre Erkrankungen, mit denen man sich auch nicht unbedingt zum Arzt traut.


Dr. Bettina Balbutis gelingt es mit Witz, Charme und Sarkasmus die Kurzgeschichten aufzulockern und die doch eher ernsten Krankheiten auf eine angenehme Weise zu präsentieren.
Neben den Symptomen, einem möglichen Verlauf und den Therapieansätzen gibt es in den einzelnen Geschichten auch immer eine persönliche Note. Der Erkrankte ist eben nicht nur ein medizinisches Objekt, da steckt viel mehr dahinter. Leidende Angehörige, verwunderte Freunde und vor allem auch die eigenen Ängste und Zweifel stehen immer wieder mit im Vordergrund. Diese Kombination gefällt mir sehr gut, da ich aus dem Krankenhausalltag weiß, dass das Individuum hinter einer seltenen Krankheit häufig in den Hintergrund rückt, obwohl es so wichtig ist, den Patienten zu zeigen, dass man nicht nur an ihnen, sondern auch mit ihnen arbeitet.
Die Kurzgeschichten sind alle recht unterschiedlich, einige Erkrankungen waren mir bekannt, von anderen hatte ich vorher noch nichts gehört. Dadurch wird das Buch sehr abwechslungsreich und man weiß nie, was einen auf den nächsten Seiten wohl erwarten wird. Besonders gelungen ist die Mischung aus medizinischen Botschaften und den persönlichen Anliegen. Das Buch wirkt nicht wie ein Lexikon, enthält jedoch viele interessante Informationen, ist aber auch nicht fiktiv, da es die Patienten und deren Geschichten wirklich gibt, wenn auch Einiges ein wenig ein gekürzt wurde.

An einigen Stellen war ich mir nicht sicher, ob Leser, die nichts mit dem medizinischen Bereich zu tun haben, genauso viel Freude am Buch haben würden, wie ich ihn hatte. Die Geschichten sind teilweise recht detailliert geschrieben, einige Symptome auch durch schöne Wortspiele umschrieben, die Anschaulichkeit bleibt dabei in jedem Fall erhalten und könnte bei dem einen oder anderen vielleicht ein gewisses Ekelgefühl auslösen. Da ich selbst Krankenschwester im Intensivbereich bin, habe ich selbst schon Einiges gesehen, wodurch man das Gelesene anders aufnimmt. Ich denke allerdings, dass dieses Buch für jeden interessant ist, da es einem sehr ungewöhnliche Krankheitsbilder näher bringt und damit auch dafür sensibilisiert, die Menschen nicht immer gleich zu verurteilen, nur weil sie vielleicht nicht so aussehen wie man selbst, weil sie anders gehen oder anders riechen. Manchmal gibt es dafür recht einfache Ursachen, die sich sogar beheben lassen, wenn sich die Betroffenen zum Arzt trauen und ihr Problem vorstellen. Man sollte sich einfach auch bewusst sein, dass es jeden treffen kann und man sich seine Erkrankungen nicht aussucht. Ein wenig Verständnis kann nie schaden, besonders wenn man nicht weiß, was mit seinem Gegenüber nicht stimmt.

Ein Buch, das zum Nachdenken bringt, einige vermutlich etwas aufrütteln wird und vor allem zeigt, was es alles für seltsame und belastende Erkrankungen gibt, mit denen man sich selbst wohl auch nicht zum Arzt trauen würde. Sarkasmus, Ironie und Witz führen den Leser durch das Buch und machen die Kurzgeschichten zu einem angenehmen  medizinischen Erlebnis.



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