Donnerstag, 12. Juni 2014

Rezension: Kim Kestner - Zeitrausch-Trilogie: Spiel der Zukunft

© Carlsen/ Impress
 
  Die Zeitrausch-Trilogie,   
  Band 2: Spiel der Zukunft   
  Autor: Kim Kestner   
  erschienen Juni 2014   
  Verlag: Carlsen/ Impress   
  ISBN: 978-3-646-60059-9   


das Zeitrausch-Fieber geht in die zweite Runde


Du bist etwas ganz Besonderes, du bist einmalig, niemand ist wie du – Sätze die vermutlich fast jeder schon einmal gehört hat und Aussagen, an die man gern glauben möchte. Es sind jedoch auch Worte, über die Alison wohl nur noch den Kopf schütteln würde. In unserer Zeit wird es uns eher nicht passieren, unserem eigenen Ich etwas jünger oder älter gegenüber zu stehen. Alison hingegen kennt viele Varianten ihres Ichs, denn mit jeder ihrer Entscheidungen entsteht eine neue Alison, eine, über die sie keine Kontrolle hat und in deren Realität Dinge anders laufen, als in der, die sie selbst erlebt. Und auch wenn jede Alison irgendwie individuell ist, so haben sie doch alle den gleichen Ursprung und sind sich manchmal ähnlicher, als erwartet. 
Neue Realität – neues Glück? Ganz so funktioniert es leider nicht. Hat man sich einmal falsch entschieden, in den falschen Jungen verliebt, eine Prüfung vergeigt oder den falschen Beruf gewählt, so kann man nicht eben fix in eine neue Realität springen und dort zufrieden weiter leben, seine neuen Chancen nutzen, vielleicht auch die gleichen Fehler wieder begehen und einfach alles so abändern, wie man es gern hätte. So simpel und gefahrenlos sind die Sprünge durch die Zeit nicht, erst recht nicht, wenn man von einer gewinnorientierten Reality-Show durch die Zeitepochen geschickt wird, um Aufgaben zu lösen oder einfach nur zu überleben. Nur der Ruf ihres Herzens und die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mi Kay helfen Alison dabei, stark zu bleiben und sich den immer neuen Herausforderungen zu stellen.

Bereits im ersten Band ist Alison mir ans Herz gewachsen, ihre offene und ehrliche Art macht sie sehr sympathisch. In diesem Buch durchläuft die junge Protagonistin eine enorme Entwicklung. Sie trainiert hart, verzichtet auf nahezu allen Luxus und macht sich fit für das Leben in der Wildnis. Abgeschreckt und vorbereitet durch die Erfahrungen im Rahmen der elften Staffel von „Top the Realities“, weiß Alison dieses Mal, was sie erwarten wird und doch kommt alles ganz anders. Ihre Aufgaben und Herausforderungen sind nicht so, wie gedacht, der Weg ist steiniger und teilweise auch viel einsamer als angenommen.
Auch Kay ist wieder mit von der Partie, dieses Mal jedoch nicht als Scout sondern als Schützling von Alison. Ihr Zusammentreffen sorgt für Reiberein, Meinungsverschiedenheiten und Unmut besonders auf Alisons Seite. Durch ihren Wissensvorsprung hat sie Hoffnung an den Tag gelegt, die lange Zeit unerfüllt bleiben.

Der Schreibstil ist gewohnt angenehm und flüssig. Durch Erklärungen, Zusammenfassungen und einprägsame Beispiele gelingt es Kim Kestner, das komplexe Thema der Zeitreise recht anschaulich darzustellen. Die Irrungen und Wirrungen, die fast automatisch bei den vielen Zeitsprüngen entstehen, lösen sich so nach und nach auf und man kann die Realitäten, Zeiten und Persönlichkeiten auseinanderhalten.
Die Ich-Perspektive von Alison bringt einem erneut ihre Gedanken und Emotionen sehr nah. Gereift und gefasst tritt sie ihren schwierigen Weg an und ist dennoch immer mit dem Herzen dabei. Wahre Liebe ist eben doch in der Lage, Berge zu versetzen und Dinge zu überstehen, die man für unmöglich hält. Alison hat mich immer wieder überrascht und zu sehr drastischen Mitteln gegriffen, um ihre Ziele zu erreichen. Nach den teilweise recht schmerzhaften Szenen war ich dann froh, dass es auch Raum für ruhige und einfühlsame Passagen gab.
Unerwartete Wendungen und Konstellationen treiben die Handlung spannend voran, diesen Verlauf der Geschichte habe ich nicht erwartet, doch ich muss sagen, es hat mich absolut begeistert und mitgenommen auf eine interessante Reise durch die Zeiten. Das Ende mit dem kleinen Blick auf eine mögliche Zukunft von Alison macht sehr neugierig und könnte ein Hinweis für den Ausgang des dritten Bandes sein. Ich vermute jedoch, dass uns Leser und auch Alison und Kay auf dem Weg dahin noch Einiges erwarten wird, womit wir nie rechnen würden.

Junge, selbstbewusste Charaktere, eine Welt voller Überraschungen, kleine und große Sprünge durch die Zeit und ein lockerer Schreibstil machen den zweiten Band der Zeitrausch-Trilogie „Spiel der Zukunft“ zu einem absoluten Lesegenuss.



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