Donnerstag, 19. Juni 2014

Rezension: Inagi - Kristalladern von Patricia Strunk

  INAGI: Kristalladern
  
  Autor: Patricia Strunk
  überarbeitete Neuausgabe, Juni 2014  
  Verlag: CreateSpace Independent
               Publishing Platform
  ISBN: 978-1494221805
© Anna Spies

erstmal an die Namen gewöhnt, eröffnet sich eine bezaubernde fremde Welt

Auf der Insel Inagi regieren die Gohari über die Inagiri, welche als Sklaven in Mienen unter gefährlichen Bedingungen leuchtende Kristalle abbauen. Doch der Kristall, der beim Abbau regelmäßig durch Energiestöße Leben kostet, beginnt an Leuchtkraft zu verlieren.
Durch Zufall ist Ishira während eines drohenden Energiestoßes in der Miene. Sie wittert die Gefahr rechtzeitig und kann damit Leben retten. Als sich herausstellt, dass sie die Kristallenergie spüren kann, beginnt für Ishira eine lange Reise zu weiteren Mienen, wo sie ihre neu entdeckte Fähigkeit einsetzen soll, während gleichzeitig in ihrem Heimatdorf der Zorn auf die Eroberer weiter zunimmt und die Angst vor neuen Angriffen der blitzspeienden Drachen wächst ...

INAGI: Kristalladern ist der Auftaktband von Patricia Strunks Fantasy-Reihe über die junge Ishira, die auf ihrer Heimatinsel Inagi unerwartete Abenteuer erlebt.

Ishira ist ein „Halbblut“ - halb Gohari, halb Inagiri. Während die Gohari auf sie herabblicken, wie auf jede andere Sklavin auch, wird sie von den Dorfbewohnern aufgrund ihrer Herkunft überwiegend gemieden. Ihr Leben ist nicht einfach, aber sie lässt sich von den bösen Blicken nicht abschrecken, begegnet ihrer Umwelt freundlich und ist trotz der Missgunst der anderen bereit, ihr eigenes Leben zum Schutz ihrer Mitmenschen zu riskieren. Dies macht sie zu einer sehr sympathischen Protagonistin, besonders wenn sie dann auch noch während ihrer Reise gegenüber den goharischen Begleitern immer wieder Mut und unerlaubte Neugier zeigt. Ihr innerer Konflikt, welcher Seite sie sich mehr zugehörig fühlt, wird nachvollziehbar geschildert. Trotz Er-Erzähler erhält man intensive Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle.

Abwechselnd wird das Geschehen an verschiedenen Orten bzw. über verschiedene Figuren geschildert. Zwar bildet Ishira den Schwerpunkt und kommt in den meisten Szenen vor, daneben gibt es aber immer wieder Wechsel zu ihrem Heimatdorf, wo ihr Jugendfreund Kanhiro und ihr Bruder Ishira erwarten, und Episoden über den Drachentöter Yaren, der zunächst allein in den Bergen unterwegs ist, bevor seine und Ishiras Wege sich kreuzen.
Diese Wechsel ermöglichen es, über Ishiras Gefühle hinaus Einblicke in andere Figuren zu bekommen und das Geschehen an verschiedenen Handlungsorten zu verfolgen.

Die Handlung ist im Großen und Ganzen sehr spannend. Schnell zeigt sich Ishiras Fähigkeit, was erste Fragen aufwirft. Ihre bald einsetzenden Träume und Visionen sorgen für weitere Rätsel und erzeugen eine mysteriöse Stimmung. Auch die Spannungen zwischen den Inagiri und den Gohari sind von Beginn an spürbar und sorgen damit für Konfliktpotential.
An manchen Stellen habe ich die inneren Monologe Ishiras als langatmig empfunden, weil dadurch immer wieder das ereignisreiche Geschehen unterbrochen wurde. An diesen Stellen zieht sich das Buch etwas, während es andererseits Szenen gibt, wo sich die Handlung geradezu überschlägt und man auch als Leser kaum zum Luftholen kommt.

Positiv muss die gesamte Welt erwähnt werden, die Patricia Strunk entwirft. Mit einem bildhaften Schreibstil lässt sie die Amanori lebendig werden und schmückt die Landschaftsbeschreibungen mit so vielen Details aus, dass die abwechslungsreichen Landstriche gut vorstellbar werden.
Ein Glossar hilft, sich in der inagischen Pflanzen- und Tierwelt zurechtzufinden sowie die vielen verschiedenen goharischen Anreden für die Krieger und Lehrer einzuordnen. Zusammen mit den ungewöhnlichen Namen ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild, in das man sich als Leser aufgrund der fremdartigen Begriffe aber erst mal hineinlesen muss.

Vielfältige Protagonistin, abwechslungsreiche Erzählweise, detailreich ausgearbeitete Fantasywelt – trotz einiger Längen hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Trotzdem vergebe ich „nur“ 4 Sterne. Warum? Auch wenn es sich um einen ersten Teil handelt, ist mir die Geschichte insgesamt zu offen. Es werden viele Fragen aufgeworfen, aber keine wichtige beantwortet. Es werden zig Handlungsstränge begonnen, aber bisher keiner zuende geführt. Denke ich an den Inhalt zurück, lässt sich feststellen, dass Ishiras Reise gerade erst begonnen hat – die „richtige“ Handlung erwartet man jetzt erst noch. Neugierig, wie es weitergeht, bin ich aber definitiv geworden.


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