Dienstag, 24. Juni 2014

Rezension: Carina Mueller - Verfluchte Wünsche


(c) Impress (Carlsen) 
  Verfluchte Wünsche
  Autor: Carina Mueller
  erschienen Juni 2014
  Verlag: Impress (Carlsen)
  ISBN: 978-3-646-60048-3

wenn Flüche in Erfüllung gehen...


In der Schule möglichst wenig auffallen, keinem einen Angriffspunkt für Mobbing und blöde Sprüche bieten, nach der Schule untertauchen und nur mit den engsten Freunden etwas unternehmen, brav sein und meistens machen, was die Eltern sagen – so in etwa sieht Annies Alltag aus, bis zu ihrem 18. Geburtstag, an dem sich plötzlich alles ändert. In ihr erwacht eine Gabe, mit der sie Macht über andere Personen bekommt. Ganz unerwartet gehen ihre Wünsche in Erfüllung, doch leider nicht alle. Sich selbst in einen Traumurlaub schicken und gute Noten zaubern? Das funktioniert leider nicht. Dem bösen Nachbarn eins Auswischen und den blöden Ex mal auf die Schnauze fallen lassen? Ruck zuck ist das umgesetzt! Ein tolles Leben, das jedoch seine Tücken und Gefahren hat, wie auch Annie schnell lernen muss.


Annie ist eine Protagonistin, bei der die Meinungen auseinander gehen. Die einen mögen sie, andere finden sie unsympathisch und bei mir ist es eine Mischung aus beidem. Es gibt Passagen im Buch, da ist Annie wirklich unausstehlich, fies und machtbesessen, es gibt jedoch auch Szenen, in denen sie zeigt, dass sie ein gutes Herz hat und einfach mit der veränderten Situation nicht klar kommt. Auch wenn sie mir nicht dauerhaft sympathisch war, finde ich sie als Charakter total interessant. Ein Leben prägt einen Menschen und je nachdem, was man so erlebt, entwickelt man sich auch. Annie ist für ihre 18 Jahre manchmal etwas unreif und naiv, verfolgt man jedoch ihre Vorgeschichte, die im Buch gut dargestellt ist, kann man ihr Verhalten auch nachvollziehen. Die Umwelt prägt besonders die in sich nicht gefestigten Menschen und Annie würde ich dazu zählen. Sie ist gut behütet und umsorgt aufgewachsen, musste sich nicht groß widersetzen und auch nicht unbedingt die Ellenbogen ausfahren. Alle Hänseleien hat sie über sich ergehen lassen und sich nur stumm geärgert, als sie nun die Möglichkeit bekommt, sich heimlich zu rächen, gehen die Ideen mit ihr durch.

Der Schreibstil im Buch ist sehr angenehm. Durch detaillierte Beschreibungen wird die Geschichte anschaulich und man taucht tief ins Geschehen ein. Annies Gedanken und Gefühle sind für den Leser gut ersichtlich, da sie in der Ich-Perspektive berichtet. Man kann ihre Wandlungen miterleben, sich über sie freuen und ärgern, manchmal würde man ihr gern in den Hintern treten oder den Hals umdrehen, dann wiederrum reagiert sie ganz unerwartet positiv und man wundert sich über die neue Seite. Die Gabe der verfluchten Wünsche bringt Annie extrem durcheinander, sie handelt zeitweise unüberlegt, überstürzt und arbeitet viel aus der Vergangenheit auf. Dadurch schadet sie anderen Menschen, ihre Gedanken und die bösen Gefühle sind allerdings auf eine lockere und teilweise witzige Weise dargestellt, so dass man beim Lesen auch mal Schmunzeln kann.
Kleine Wendungen bringen immer wieder frischen Wind in die Geschichte und man weiß nie so recht, wohin einen die Reise noch führen wird. Richtig schön finde ich auch, dass es neben dem Chaos in Annies Leben eine Person gibt, die sich ihre Zuneigung zwar hart erarbeiten muss, dafür dann aber auch belohnt wird. Nicht alles an ihrer Situation ist schlecht und kompliziert, manches öffnet ihr die Augen und eben auch das Herz.

Mich hat das Buch viel zum Nachdenken gebracht – wie hätte man selbst gehandelt, wieso reagiert Annie, wie sie es tut, handelt ihr Umfeld richtig, wie wäre es, wenn es die eigene Freundin wäre usw. Und ich bin immer wieder zum den Schluss gekommen, dass ich Annies Handeln und ihre Reaktion verstehen kann. Wenn man wirklich mal in sich geht, sich ihre Situation vorstellt, mit all den Problemen und Schwierigkeiten, mit ihrer Kindheitsgeschichte und der Umgebung, dann sind ihre fiesen Flüche nachvollziehbar und wirken auch nicht mehr ganz so bösartig. Teilweise meint sie es gut, auch wenn sie dafür den falschen Weg einschlägt. Doch kann man ihr böse sein, wenn sie es einfach nicht besser wissen kann?
„Verfluchte Wünsche“ ist eine sehr vielseitige und abwechslungsreiche Geschichte, mit einer Protagonistin, die reichlich Ecken und Kanten hat.


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