Dienstag, 13. Mai 2014

Rezension: Landsby von Christine Millman

  Landsby 
  Autor: Christine Millman 
  erschienen April 2014 
  Verlag: CreateSpace Independent 
  Publishing Platform 
  ISBN: 978-1499275162 

überraschend komplex und nachdenklich

In der Kolonie leben die Menschen umgeben von Mauern, abschottet von der Außenwelt, in der viele Gefahren, allen voran die gefürchteten Mutanten, lauern. Aber auch das Leben innerhalb der Mauern verläuft nicht problemlos. Aufgrund großflächiger Unfruchtbarkeit sinkt die Bevölkerungszahl stetig. Die 18-jährige Jule gehört zu den wenigen fruchtbaren Frauen und soll auf Wunsch ihres Vater, des Kommandanten der Neuen Armee, an einem von der Regierung entwickelten Reproduktionsprogramm teilnehmen. Was der Bevölkerung als Ehre verkauft wird, ist für Jule eine Horrorvorstellung: eingesperrt zu sein und als Gebärmaschine zu dienen. Außerdem kommen ihr die anderen Frauen dort komisch vor. Jule beginnt nachzuforschen und gerät dadurch in eine Gefahr, der sie nur durch ihre Flucht aus der Kolonie entgehen kann. Aber was wird sie draußen erwarten...?

Vor drei Tagen habe ich das Buch beendet und schiebe die Rezension vor mir her. Warum? Ich weiß nicht so recht, was ich schreiben soll, weil das Buch einfach richtig gut war!

Landsby war mein zweites Buch von Christine Millman und ich bin wieder begeistert.
Die Autorin überzeugt durch einen sehr flüssigen, lockeren Schreibstil und tolle Ideen, die sehr anschaulich und komplex ausgearbeitet sind.

Aufgrund des Alters von Protagonistin Jule könnte man Landsby leicht für ein Jugendbuch halten. Tatsächlich wird vom Leser aber eine gewisse Reife vorausgesetzt: nicht aufgrund von vieler blutiger Szenen oder zu viel nackter Haut – beides kommt vor, aber in einem passenden Rahmen – sondern aufgrund der tiefgründigen Beschäftigung mit ernsthaften Themen wie Genforschung oder den Auf- und Abbau von lang gefestigten Vorurteilen.

Besonders bei Jule ist über das Buch hinweg eine deutliche Entwicklung spürbar. Sie verlässt die ihr bekannte Schutzzone und macht viele neue Erfahrungen. Dabei tut sie sich anfangs schwer, die von der Regierung eingeimpfte Meinung abzulegen und sich für das Leben außerhalb zu öffnen. Aufgrund der Ich-Perspektive kann man diesen Wandel in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt gut miterleben. Unterstützt wird das Bild der sympathischen Protagonistik durch ihre authentische, manchmal etwas derbe Erzählweise.

Die Handlung ist von Beginn an fesselnd. Viele unerwartete Wendungen und Aufdeckungen von Intrigen sorgen für Spannung und Überraschungen. Die Mischung aus actionreichen und gefühlvollen Szenen bietet Abwechslung und sorgt dafür, dass man das Buch kaum weglegen kann.

Das Ende könnte für sich allein stehen bleiben. Die Haupthandlung des Buches ist abgeschlossen, aber für den Leser bleibt noch Raum, sich zu überlegen, was das Schicksal als nächstes für die Figuren bereithält.
Eine Fortsetzung ist allerdings angekündigt.

Landsby ist eine Dystopie, die mit unerwarteter Themenvielfalt und Tiefgründigkeit überrascht. Zusammen mit sympathischen, facettenreichen Charakteren gilt es auch für den Leser, eine neue Welt zu entdecken und sich von Vorurteilen zu lösen.


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