Dienstag, 13. Mai 2014

Rezension: Anna Seidl - Es wird keine Helden geben

(c) Oetinger 
  Es wird keine Helden 
  geben
  Autor: Anna Seidl
  erschienen Januar 2014
  Verlag: Oetinger
  ISBN: 978-3-7891-4746-3

ein sehr bewegendes und aufrüttelndes Debüt


Ein ganz normaler Schultag – nervige Lehrer, langweiliger Unterrichtsstoff, in den Pausen quatschen mit den Freunden und über die aktuellsten Themen lästern. Doch dieser Montag ist anders. Nachdem es zur Pause geklingelt hat, verändert sich alles. Der erste Schuss schreckt auf, kaum zu fassen, was man da gehört hat, als dann weitere Schüsse fallen, läuft jeder um sein Leben. Ein Amoklauf verändert nicht nur eine gesamte Schule, er hat auch Auswirkungen auf die Familien, auf die Hinterbliebenen, auf eine ganze Region.


Ich musste beim Lesen häufig an den Amoklauf in Erfurt 2002 denken. Kurz nach der Tat war ich selbst in Erfurt und die Stimmung in der Stadt, das Blumenmeer am Rathaus und auch vor der Schule hat mich sehr bewegt. Besonders in Erinnerung geblieben sind jedoch die Hilfeschilder an den Fenstern, die auf eine ganz eigene Weise zeigten, mit welcher Angst die Schüler gekämpft haben und das sie jedes Mittel nutzten, um auf sich aufmerksam zu machen.
Das Cover von „Es wird keine Helden geben“ erinnert mich an diese Hilferufe. Und auch wenn man sich nach solchen Anschlägen natürlich Gedanken macht, wie es wohl in der Stadt weitergeht, was aus den Schülern wird, wie es den Familien geht, so kann man doch gar nicht erfassen, wie es den Betroffenen wirklich geht. Dieses Buch rüttelt auf eine sehr eindrückliche und erschütternde Weise wach, berührt und bewegt.

Anna Seidl gelingt es, mich völlig in ihren Bann zu ziehen. Miriam erlebt schreckliche Dinge, die sich wohl niemand im vollen Ausmaß vorstellen kann, wenn er nicht selbst so etwas erlebt. Von einer Sekunde auf die nächste ist nichts mehr, wie es einmal war, die Welt bricht zusammen, zerfällt in tausende von Teilen und doch dreht sie sich einfach weiter. Das Leben der anderen läuft weiter, die Erde dreht sich und man selbst hat doch das Gefühl, dass alles stehen geblieben ist. Die Ich-Perspektive von Miriam bringt dem Leser die Protagonistin sehr nah, sie ist authentisch, ihre Gedanken erschreckend und dennoch nachvollziehbar. Ihre Gefühlsschwankungen, Ausbrüche oder auch Rückzüge spiegeln ihr Inneres wieder – man erlebt während des Buches hautnah mit, wie es in Miriam ausschaut, wie sich ihre Gedanken und Gefühle verändern, wie sie sich Stück für Stück und Millimeter für Millimeter zurück ins Leben kämpft, obwohl es so viele Gründe zum Aufgeben geben würde. Kleine Rückblenden und Erinnerungen der Protagonistin geben einen Eindruck von ihrem Leben vor dem Anschlag und verdeutlichen, wie viel sich an diesem einen Montagmorgen verändert hat.

„Es wird keine Helden geben“ ist ein sehr bewegendes, aufwühlendes und erschütterndes Buch, das mich tief berührt und immer wieder zum Weinen gebracht hat. Eine Geschichte, die mich bestimmt noch eine ganze Weile begleiten und beschäftigen wird.



1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension :)
    Das Buch liegt noch auf meinem SuB :))
    Liebe Grüße,
    Lisa

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