Freitag, 18. April 2014

Rezension: Nulllinie von Martina Bauer

  Nulllinie
  Autor: Martina Bauer
  erschienen Dezember 2012
  Verlag: EditionZ/Twinmedia
  ISBN: 978-3-906017-16-7
(c) EditionZ 

Interessante Idee – oberflächliche, holprige Ausarbeitung

Nach der Trennung von ihrem Freund wagt die 25-jährige Ellen einen privaten und beruflichen Neuanfang im abgelegenen Minstadt bei der Firma PRO-MIND. Zunächst macht alles einen positiven Eindruck auf Ellen und sie schließt sogar erste Freundschaften. Als sie allerdings herausfindet, dass PRO-MIND Sender entwickelt, die die Gedanken von Testpersonen lesen sollen, wird Ellen skeptisch. Außerdem verschwinden in dem Ort immer wieder Menschen spurlos. Gibt es einen Zusammenhang zu der rätselhaften Firma?

Ich habe mich sehr schwer getan, in die Geschichte hineinzufinden. Dies lag zum einen an der Schreibweise, welche ich aufgrund der überwiegend kurzen, einfachen Sätze als sehr abgehakt empfunden habe, und zum anderen an den Figuren, allen voran Ellen, zu denen ich einfach keinen Zugang gefunden habe.

Erzählt wird von einem Er-Erzähler aber mit dem Blick auf unterschiedliche Personen und einigen Sprüngen in die Vergangenheit. Was dazu beitragen soll, einen vielfältigen Überblick über die Handlung zu gewinnen, hatte für mich allerdings zur Folge, dass ich aufgrund der teilweise nur kurzen Abschnitte zu einzelnen Personen keine von ihnen tiefgründig kennenlernen konnte. Die Personen bleiben für mich sehr oberflächlich und ihr Verhalten ist oft schwer nachvollziehbar.

Die Grundgeschichte ist interessant, auch wenn ich mir unter einem Mystery-Thriller etwas anderes vorstelle. Das beschriebene Szenario ist doch eher Fantasy als Mystery. Dies allein hätte mich nicht gestört, wenn die mysteriösen Geschehnisse, die von der Firma untersucht wurden, detaillierter beschrieben worden wären. So weiß man zwar, dass dort langjährig geheime Forschungen stattfinden, bei denen der Firma das Wohl der Menschen nicht wirklich am Herzen liegt (um es mal spoilerfrei auszudrücken), aber welche Schlussfolgerungen und Ergebnisse sie aus ihren Versuchen ziehen und welche Ziele sie bei der Weiterführung haben, bleibt völlig offen. Bei dem, was dargestellt wird, hätten zwei oder drei Testpersonen völlig ausgereicht – hier fehlt einfach etwas, was die weitere Fortführung der Tests rechtfertigt und begründet. Zudem wirkt es unglaubwürdig, dass das Verschwinden mehrerer Mitarbeiter von der Polizei unbemerkt geblieben sein soll bzw. sie tatsächlich noch keine Handlungsgrundlage gehabt haben wollen, um dem näher auf den Grund zu gehen.

Nachdem die Handlung nach einer Weile richtig Fahrt aufnimmt und die Geschichte sehr spannend und dramatisch wird, kann der Schluss leider wieder nicht überzeugen. Das Ende ist sehr holprig, alles geht viel zu schnell und plötzlich ist es auch schon vorbei. An vielen Stellen fehlen Informationen darüber, was und wie es abgelaufen ist.

Fazit:
Die Idee hinter Nulllinie ist zwar interessant, die Umsetzung konnte mich allerdings nicht überzeugen. Statt der für mich oberflächlichen Einblicke in das Leben der Mitarbeiter um Ellen hätten mich die tatsächlichen Forschungen viel mehr interessiert. Eine holprige Schreibweise mit einigen Wiederholungen und ein überstürztes Ende trugen zusätzlich zu den Schwierigkeiten mit diesem Buch bei.

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