Samstag, 19. April 2014

Ich war im Kino....

Die Bestimmung
Buch zum Film


Autor: Veronica Roth
Verlag: cbt
März 2014
ISBN: 978-3-570-16285-9
Eine Art Filmrezension zu „Die Bestimmung“


Besser nur lesen, wenn man das Buch kennt, auch wenn ich versuche, nicht allzu viel zu spoilern!



Nachdem ich den ersten Band dieses Jahr bereits zum zweiten Mal gelesen habe, und wieder genauso gern mochte, wie beim ersten Lesen, war der Kinobesuch natürlich Pflicht. Seit ich vor etwa einem Jahr die ersten Bilder gesehen habe, hadere ich mit der Besetzung (dazu später mehr), war aber trotzdem sehr gespannt, wie man die Dystopie auf die Leinwand bringen kann.

Vorweg: Ich war in Begleitung meines Mannes, der die Bücher nicht kennt. Sein Fazit: „Der Film war gut.  Nicht überragend, aber gut.“ Als ich fragte, worum es denn genau ging: „Na es war halt `ne Geschichte über das Mädchen.“ Und genau das war auch mein Eindruck...

... dass es unglaublich schwer ist, den Inhalt in seiner Komplexität wirklich zu erfassen, wenn man nicht schon weiß, worum es geht. Der Film ist im Vergleich zum Buch an vielen Stellen stark gekürzt. Viele Ereignisse fehlen, einige werden vereinfacht dargestellt, andere Szenen sind völlig anders als im Buch. Das Fraktionssystem bleibt recht blass und die Machtstrukturen sind kaum nachvollziehbar. So fragte mein Mann zum Beispiel, ob Jeanine denn nun eigentlich zu den Ferox gehören würde.

Einige Auslassungen haben mich sehr gewundert. So fehlt bei Tris’ Abschlusstest beispielsweise eine ihrer Ängste, was schon allein komisch ist, weil sie ohnehin schon auffällig wenig hat und Fours „Besonderheit“ damit noch weiter abgeschwächt wird. Es fehlt allerdings ausgerechnet diejenige, auf die ganz am Ende nochmal eingegangen wird. Zwar handelt Tris in der Schlussszene so wie im Buch in der Simulation, für den Zuschauer wird aber der wahre Hintergrund ihres Handelns nicht deutlich, wenn man eben das Vorwissen nicht hat.

Die Besetzung war den kompletten Film über mein größtes Problem. Dass man beim Lesen so seine Vorstellungen entwickelt, wie die Figuren aussehen, ist die eine Sache – da entsteht bei jedem ein etwas anderes Bild und das ist auch ok. Aber Schauspieler einzusetzen, die in keiner Weise zu den Beschreibungen im Buch passen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Tris wird als sehr klein und zierlich beschrieben. Nun, mit viel Fantasie geht das gerade noch so durch. Allerdings fand ich die deutsche Synchronstimme recht monoton, was mich in einigen Szenen (z.B. beim Messerwerfen, wo sie Eric völlig emotionslos anspricht – allerdings fand ich diese Szene ohnehin nicht so gelungen, weil gar nicht wirklich klar wird, warum Tris eingreift) sehr gestört hat.

Bei Four passt allerdings einfach gar nichts. Vielleicht muss man kurz dazu sagen, dass man im Film nichts über das Alter der Figuren erfährt, ich glaube, es wurde nicht mal erwähnt, dass die Bestimmungszeremonie mit 16 stattfindet und Four nicht viel älter ist als Tris. So wundert es den unvoreingenommen Filmschauer vielleicht nicht, dass dort ein mindestens 30-jähriger Four über die Leinwand springt (Schätzung meines Mannes: der Schauspieler sei 33, das Rollenalter vielleicht so Ende 20; die Verbindung zwischen Four und Eric, dass sie ja nahezu gleich alt sein müssten, weil sie im gleichen Aufnahmejahrgang waren, war für ihn nicht ersichtlich) – mich störte es aber sehr! Four ist nunmal gerade erst erwachsen, wenn natürlich durch seine Erlebnisse schon sehr reif, in anderen Beziehungen aber halt auch nur ein unsicherer Teenager (Tris oder seinem Vater gegenüber). Das kam im Film einfach nicht heraus. Das Kribbeln zwischen Tris und Four, das ich im Buch so geliebt habe, kam gar nicht auf, schon allein weil das Bild einfach nicht stimmte: da stand ein sehr erwachsener Mann der jungen Tris gegenüber (wenn klar gewesen wäre, wie alt Tris ist, hätte das wohl an Verführung Minderjähriger gegrenzt...). Auch sein komplettes Verhalten entsprach wenig meinen Vorstellungen aus dem Buch – das böse Auftreten zu Beginn war z.B. wenig angsteinflößend.

Peter, Al und Will waren optisch so gut wie nicht zu unterscheiden. Ihre Fraktionszugehörigkeit bedingt zwar ähnliche Kleidung, aber auch Haarfarbe und -Schnitt waren so ähnlich, dass ich Peter immer nur an den fiesen Sprüchen erkannt habe und Will und Al nur, wenn sie entsprechend benannt wurde. Kein Wunder also, dass mein Begleiter sich wunderte, was denn der eigentlich Tote am Ende wieder bei der Simulation machte... ;)

Das Ende war komplett anders als im Buch – in meinen Augen nicht unbedingt besser. Ich frage mich nun, wie man mit all den Veränderungen und Auslassungen die Story in den Folgefilmen wieder rund bekommen will bzw. wie viele weitere Veränderungen dafür noch notwendig sein werden, weil auf einige Dinge, die nun nur verkürzt oder gar nicht dargestellt wurden, später ja noch eingegangen würde. (Kannten die Filmemacher eigentlich das dritte Buch schon, als sie zu drehen begannen? Wussten sie, was sie am Ende noch erwarten würde?).

Mein Mann bat mich, schon langsam recht genervt von meinem „aber das war ganz anders“, den Film doch einfach Film und das Buch Buch sein zu lassen. Ich fürchte, das kann ich nicht, schon allein, weil ich das Buch gerade letzten Monat erneut erst gelesen habe.

„Objektiv“ war der Film nicht schlecht – viel Spannung, viel Action, ein wenig Gefühl.

Kennt man das Buch, sucht man zwangsläufig Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Besetzung finde ich wirklich unglücklich, die Umsetzung ansonsten aber durchaus gelungen. Abgesehen vom völlig verdrehten Ende und eben der Frage, wie viele Veränderungen man aufgrund der bisher erfolgten Änderungen noch vornehmen muss, damit es am Ende noch Sinn macht. Mit etwas mehr Abstand zum Buch verliert man sich vielleicht weniger in den kleinen Details und kann sich etwas mehr mit der Handlung treiben lassen.

Übrigens, die Filmmusik hat mir überwiegend gut gefallen, ebenso wie die Kulissen und Kostüme, die gut zu den Beschreibungen im Buch passen.

 

Habt ihr den Film schon gesehen? Wie hat er euch gefallen?
Plant ihr noch ins Kino zu gehen? Oder habt ihr euch sogar bewusst dagegen entschieden?
Wir sind gespannt auf eure Meinung.

 

 

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