Montag, 31. März 2014

Rezension: S. B. Sasori - Der Sodomit

(c) Weltenschmiede 
  Der Sodomit

  Autor: S.B. Sasori
  erschienen März 2014
  Verlag: Weltenschmiede
  ISBN: 978-3-944504-14-8

grausames Mittelalter trifft auf wundervolle Charaktere und viel Liebe

Die raue Zeit des Mittelalters hat die Menschen voll im Griff. Armut, Hunger, mangelnde Hygiene, Krankheiten, die sich schnell verbreiten, Zwang und Unterdrückung überall wohin man schaut. Sich zu behaupten und zu entfalten ist in diesem Zeitalter kaum legal möglich, es sei denn, man folgt recht bedingungslos den Ansichten und Auflagen der Kirche. Mihály ist Arzt und steht im Dienste des Königs. Er ist wissbegierig und möchte viel über den menschlichen Körper, Erkrankungen und Behandlungsmethoden herausfinden. Die Grenzen des Erlaubten überschreitet er dabei einige Male, allerdings nicht nur im medizinischen Sinne. Seine Forschung und Neigungen muss er gut verstecken, um nicht angeprangert zu werden. Als Josias – ein Mann mit Buckel- in sein Leben tritt, verändert sich alles und die Gefahr der Entdeckung wächst.

Das Buch ist eine sehr interessante Mischung aus historischem Roman, mit reichlich, wenn zum Teil auch versteckter, Kritik an der Zeit und erotischer Liebesbeziehung. Diese Kombination hat mich sehr angesprochen, da es weder zu historisch noch zu beziehungslastig ist. Als Leser bekommt man einen guten Eindruck von der oft sehr brutalen, unschönen und dreckigen Phase des Mittelalters, in der die Protagonisten leben, ohne mit Details der geschichtlichen Hintergründe überladen zu werden.
Auch wenn einem das Zeitalter nicht ganz unbekannt ist, erschreckt es, von den Umständen und Methoden, besonders den Foltergegenständen und deren Anwendung, zu lesen. Wenn die Meisten ums Überleben und Ansehen kämpfen, kommt es irgendwann immer zu Intrigen, Verrat und ungeahnten Zusammenschlüssen. Wenn man da auf der falschen Seite steht, helfen nur noch gute Freunde und ein Quäntchen Glück, damit man seinem Schicksal vielleicht noch entkommt.

Der Schreibstil von S. B. Sasori hat mich wieder überzeugt. Trotz der gänsehautauslösenden, teilweise wirklich ekligen Beschreibungen der Hygienezustände und Foltermethoden, habe ich mich in der Geschichte wohl gefühlt und konnte mich auf die Handlung und die Personen einlassen. Eine besondere Dynamik entsteht durch die häufigen Perspektivwechsel, die es ermöglichen, von verschiedenen Personen Eindrücke und Gedanken aufzuschnappen. Auch ahnt man so als Leser schon einige Dinge, von denen die Protagonisten selbst noch nichts wissen können.
Josias und Mihály sind zwei sehr starke Charaktere. Während Josias zu Beginn der Geschichte noch sehr eingeschüchtert und verletzlich ist, gewinnt er im Verlauf der Handlung immer mehr an Selbstbewusstsein, Vertrauen und innerer Kraft, die ihm dabei hilft, sich gegen andere zu wehren und seinen eigenen Weg zu finden.
Mihály ist schon am Anfang eine gefestigte Persönlichkeit, die weiß, was sie erreichen will und kann – jedoch nicht unbedingt darf. Das Zusammentreffen mit Josias bringt dann einige Mauern ins Wanken und ermöglicht einen Blick hinter die mühsam aufgebaute Fassade des Wundarztes.
Neben den widrigen Zuständen, mit denen Mihály und Josias zu kämpfen haben, bleibt immer wieder Zeit für Annährung, positive Gefühle und Austausch von Zärtlichkeit. Was so streng verboten ist, erfüllt die beiden mit zu großer Freude, als das sie es lassen könnten. Die erotischen Szenen sind sehr schön beschrieben. Gefühl, Vertrauen, aber auch das Verlieren der Kontrolle, beim völligen Fallenlassen und Genießen der Lust werden thematisiert und bringen deutlich rüber, wie intensiv die Beziehung zwischen den jungen Männern ist.
Überraschungen und unerwartete Wendungen erhalten die Spannung im Buch, so dass ich immer weiter lesen wollte, um zu erfahren, wie es weitergeht, was die Männer noch aushalten müssen und auf welcher Seite die anderen, zum Teil undurchsichtigen Gestalten stehen.

Direkte, ungeschönte Beschreibungen von den Umständen können schockieren, bewegen, bringen zum Nachdenken und gehören dennoch einfach in die Zeit, in der wir uns bewegen. Abgemildert durch faszinierende Charaktere, prickelnde Erotik und viel Spannung, entsteht eine runde Mischung, die mich begeistert hat.
„Der Sodomit“ ist ein sehr intensives Buch, das definitiv nichts für schwache Nerven oder Zartbesaitete ist.


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