Freitag, 28. Februar 2014

Rezension: Der Bann von Stephen L. Jones

  Der Bann
  Autor: Stephen L. Jones
  erschienen Dezember 2013
  Verlag: rororo/ Rowohlt
  ISBN: ISBN 978-3-499-23314-2
(c) Rowohlt
Thriller meets Fantasy


Hannah Wildes ganzes Leben ist auf Vorsicht und Flucht ausgerichtet. Es gibt verschiedene, vorbereitete Verstecke, von denen nur weniger Menschen wissen. Zusammen mit ihrem schwer verletzten Ehemann und ihrer neunjährigen Tochter Leah muss Hannah solch ein Quartier aufsuchen – auf der Flucht vor einem Wesen, dass bereits einige ihrer Vorfahren grausam ermordet hat. Hannah steht der entscheidende Kampf bevor...

Der Klappentext und die Kennzeichnung des Buches als Thriller sind leider irreführend, da sich relativ schnell zeigt, dass die Bedrohung, vor der Hannah flieht, übernatürlicher Natur ist – ein mehr als 150 Jahre alter Mann, der noch dazu die Fähigkeit besitzt, seine Gestalt zu wandeln und somit in die Rolle anderer Menschen zu schlüpfen.

Der Erzählstil ist zu Beginn sehr reizvoll. So wird das Geschehen aus drei verschiedenen Zeitebenen geschildert: Hannahs aktuelle Perspektive, das Leben ihres Vaters und wie er erstmals mit der Bedrohung in Kontakt kam, sowie zuletzt der Handlungsstrang um Balázs Lukás, später nur noch Jakab genannt, den Mörder, der Hannah auf den Fersen ist. Beginnend 1873 erhält der Leser hier Einblicke, wie er zu dem späteren Monster wurde und sich in die verschiedenen Generationen von Hannahs Familie einzuschleichen versucht.

Leider bewirkt dieser letzte Handlungsstrang, der nach und nach die Hintergründe und Zusammenhänge des aktuellen Geschehens erklärt, dass das Buch langatmig wird. Die vielen Rückblicke ziehen es in die Länge und stoppen damit das Tempo der sehr rasanten und spannenden Verfolgung von Hannah.

Hinzu kommt, dass der Lesefluss immer wieder von ungarischen Begriffen um die Legende der sogenannten hosszú életek (lang lebende Gestaltwandler)  unterbrochen wird, die nur einmalig und unzureichend erklärt werden. Einen Glossar oder Fußnotenübersetzungen sucht man vergeblich.

Auch der Schluss der wirklich sehr spannenden, von Überraschungsmomenten durchzogenen Haupthandlung kann dann leider gar nicht überzeugen: dieser ist zwar unerwartet, wirkt aber völlig konstruiert und widerspricht vielem des zuvor Gesagtem – in gewisser Weise ein erzwungenes „Happy“ End, dass nach dem sehr dramatischen Schluss überhaupt nicht notwendig gewesen wäre.


Wer einen realistischen Thriller lesen will, ist hier an der falschen Stelle. Kann man sich auf die fantastischen Elemente einlassen, entwickelt sich eine dramatische Geschichte mit viel Gefühl und doppelt so viel Blut. Leider bremsen die vielen Rückblicke und Fremdwörter das hohe Tempo der Gegenwart und das gekünstelte Ende hinterlässt einen faden Beigeschmack.


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