Sonntag, 2. Februar 2014

Rezension: Stirb leise, mein Engel! von Andreas Götz

(c) Oetinger
 Stirb leise, mein Engel!
 Autor: Andreas Götz
 erschienen Januar 2014
 Verlag: Oetinger
 ISBN: 978-3-7891-3615-3
sensibles Thema ansprechend umgesetzt
  
Innerhalb kurzer Zeit begehen drei Mädchen Selbstmord. Ihre Abschiedsbriefe deuten darauf hin, dass es ihre freie Entscheidung war. Durch Zufall lernt Sascha eins der Mädchen kennen, bevor sie sich kurz darauf aus unverständlichen Gründen wieder vor ihm verschließt und sich wenige Tage später umbringt. Der Teenager, der durch den Tod seines Vaters bereits emotional vorbelastet ist, beginnt, verwirrt über ihr Verhalten, an der Selbstmordtheorie zu zweifeln...

Götz gelingt es, die sensible Thematik sehr anspruchsvoll umzusetzen und lässt sowohl für die Charaktere als auch für den Leser genug Raum, sich Gedanken zum Schicksal der Mädchen wie auch des Täters zu machen.

„Stirb leise, mein Engel“ wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt:
Auf der einen Seite gibt es einen Er-Erzähler, der sich hauptsächlich mit den Erlebnissen des 16-jährigen Sascha befasst, aber auch in wenigen Kapiteln die Ereignisse ihn nahestehender Personen schildert.

Auf der anderen Seite gibt es, optisch abgegrenzt, Passagen aus der Ich-Perspektive des Täters. Dadurch gibt es immer wieder Hinweise auf sein Handeln und seine Motive, sodass es dem Leser möglich ist, mitzurätseln und Theorien aufzustellen, wer sich dahinter verbirgt.

Die Handlung ist sehr spannend. Dadurch, dass man immer wieder kleine Einblicke in den Kopf des Täters erhält, will man immer unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, was er als nächstes Plant und wann ihm Sascha oder die Polizei auf die Schliche kommen. Dabei wird der Leser auf verschiedene Fährten gelockt und es gibt einige Überraschungen und Wendungen.

Das Ende ist ein wenig vorhersehbar, was aber nach der dramatischen und stetig anhaltenden Spannung zuvor eine willkommene Abwechslung darstellt und sich insgesamt gut in die Gesamtgeschichte einfügt.

Sascha sind seine Nachbarin Joy, die zusammen auf Spurensuche gehen, sind sehr sympathisch dargestellte Figuren, die jeweils ein facettenreiches Verhalten an den Tag legen und damit zu athenischen Charakteren werden, auch wenn ihr manchmal leichtsinniges Handeln nicht immer nachvollziehbar ist.
Daneben gibt es noch die typische Polizisten-Mutter, die ihren Sohn nicht ernst genug nimmt, sodass er sich gezwungen sieht, den Fall allein zu klären und sich damit zwangsläufig in Gefahr bringt. Überhaupt bleibt die Rolle der Polizei letztlich etwas vage, denn es wird nicht ganz klar, ob bzw. ab wann sie die Selbstmorde, die komischerweise nach einem ähnlichen Schema verlaufen, miteinander in Zusammenhang bringt.

Fazit:
„Stirb leise, mein Engel“ ist ein temporeicher, aber auch sehr gefühlvoller Jugendthriller, der durch eine abwechslungsreiche Erzählperspektive und einen angenehmen Erzählstil überzeugen kann.

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