Freitag, 21. Februar 2014

Rezension: Marita Grimke - Mayra und der Prinz von Terrestra


 Mayra und der Prinz von 
 Terrestra
 Autor: Marita Grimke
 erschienen November 2013
 Verlag: CreateSpace
 Independent Publishing 
 Platform
 ISBN: 978-1493727841
Wir schreiben das Jahr 10210 – irgendwie unvorstellbar wenn der eigene Kalender gerade mal 2014 anzeigt. Die Welt hat sich verändert, entwickelt, die Technik hat alles überrannt, übernimmt fast alles, kaum etwas ist unmöglich. Mayra lebt inmitten dieser elektronischen Welt, gut behütet von ihrer Familie, der es an nichts fehlt – außer vielleicht die wirkliche zwischenmenschliche Beziehung.
Es gibt viele bewohnte Planeten, die der Sternenföderation angehören. Auch Terrestra gehörte vor ganz langer Zeit einmal zu diesem Bund, vor der großen Naturkatastrophe, die die Kolonie vom Rest der Zivilisation trennte. Als Mayra in den Ferien ihren Großvater auf Terrestra besucht, erlebt sie erstaunliches. Ein Planet voller Geheimnisse erwartet sie, der sie in eine Zeit zurückversetzt, die sie selbst höchstens aus Geschichtsbüchern kennt.

Besonders faszinierend finde ich die völlig verschiedenen Welten im Buch. Während Unionia hochmodern, weit entwickelt, komplett vernetzt und mit Technik überschüttet ist, gibt es auf Terrestra keine Elektrizität. Die Menschen dort leben in ähnlichen Zuständen, wie man sie im Mittelalter vorgefunden hat. Feuerstellen, kleine Hütten, einfache Kleidung, die Fortbewegung zu Fuß oder mit Pferden – es gibt für Mayra viel zu entdecken, was es in ihrer Umgebung sonst nicht gibt. Die ärmlichen Verhältnisse schockieren die Jugendliche, was man gut verstehen kann. Und doch gibt es auf diesem Planeten so viel, was sie sehr fesselt. Besonders der junge Mann Djuma hat es ihr angetan. Er entführt sie in seine eigene kleine Welt, zeigt ihr schöne, geheimnisvolle Plätze und führt sie in die Welt einer unbekannten Magie ein. Auch wenn Mayra nicht auf alle Fortschritte ihrer Planeten verzichten wollen würde, interessiert sie sich immer mehr für das Leben der Terrestraner und taucht dabei tief in die Strukturen und Konflikte ein.
Die Möglichkeiten auf Unionie sind faszinierend und erschreckend zugleich. Einige Entwicklungen sind auch in der heutigen Zeit schon absehbar, wie weit Genforschung, Genmanipulation und auch Embryonendesign gehen könnten, wird im Buch mit angerissen. Themen, die einem zum Nachdenken bringen, ohne einem eine vorgefertigte Meinung zu präsentieren.
 Mayra ist mir während des Lesens ans Herz gewachsen. Die 15 Jährige möchte ihre Chance nutzen und ihrer, manchmal doch recht tristen, Welt entfliehen. Das Leben an der Seite der Senatorin ist nicht immer leicht und besonders durch ihre tollpatschige Art macht sie sich auf Empfängen nicht unbedingt beliebt. Durch solche Eigenschaften ist sie mir jedoch sympathisch geworden. Obwohl Mayra aus einer nahezu perfekten Zeit zu kommen scheint, ist sie selbst alles andere als makellos. Sie ist, ihrem Alter entsprechend, manchmal etwas naiv und ungestüm, redet manchmal ohne zu denken und überschaut auch nicht immer die Folgen ihres Handelns. Und doch ist sie eine sehr liebevolle junge Dame, die auf eine sympathische Art neugierig und entdeckungsfreudig ist, die sich einlässt auf die Zustände auf Terrestra, die bereit ist zu helfen und viel zu lernen. Mayra wächst mit ihren Aufgaben und wächst dabei sogar über sich hinaus. Auch wenn mir diese Entwicklung an einigen Stellen ein wenig schnell ging, freue ich mich, dass Mayra so viel Gutes erreichen konnte. 
Auch Djuma ist ein sehr interessanter Charakter, den wir im Laufe der Geschichte von ganz unterschiedlichen Seiten kennen lernen. Hin und hergerissen zwischen seinen Pflichten und dem, was er selbst will, ist es nicht immer leicht, die richtigen Entscheidungen zu treffe. Umso spannender war es zu verfolgen, wie er handelt und sich alles entwickelt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Durch detaillierte Beschreibungen konnte man sich beide Planeten gut vorstellen und hat einen Einblick in Mayras verrückte Welt bekommen. Es war größtenteils sehr temporeich, so dass weder der Leser noch die Protagonisten viel Zeit hatten, durchzuatmen. Mich hat das Tempo nicht gestört, auch wenn ich nichts gegen ein paar tiefer gehende Informationen an der einen oder anderen Passage gehabt hätte. Es gibt immer wieder Überraschungen und Wendungen in der Geschichte, die die Spannung aufrecht erhalten und einen neugierig auf den weiteren Verlauf des Buches machen. Am Ende der Geschichte hat sich viel getan und doch gibt es noch ganz viele Dinge, die ungeklärt sind und hoffentlich im Folgeband dann noch einmal aufgegriffen werden.

Insgesamt eine schöne, temporeiche Geschichte mit viel Spannung und einer ordentlichen Portion Gefühl.



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