Samstag, 25. Januar 2014

Rezension: Teri Terry - Zersplittert

 (c) Coppenrath-Verlag
 Zersplittert 
 Autor: Teri Terry
 erschienen im Januar 2014
 Verlag: Coppenrath-Verlag
 ISBN: 978-3-649-61184-4



Kylas Abenteuer geht in die nächste Runde! Vorab möchte ich gern sagen, dass ich es für sinnvoll halte den ersten Teil „Gelöscht“ zu kennen, damit man die Handlung wirklich ohne Probleme versteht. Zwar gibt es im Verlauf der Geschichte immer wieder kleinere Rückblenden und Einschübe, die zeigen, was passiert ist, doch einen kompletten Überblick über die Vorgeschichte erhält man vermutlich nicht. Mir hat „Gelöscht“ ohnehin so gut gefallen, dass ich dieses Buch jedem Dystopie-Fan ans Herz legen würde.

Möglicherweise erhält die Rezension kleine Spoiler in Bezug auf den Auftaktband, wer Gelöscht nicht kennt, muss an dieser Stelle selbst entscheiden, ob er weiterliest.


Kyla ist ein Opfer des Slating – ihre Erinnerungen sollten weg sein, ihre Vergangenheit komplett ausgelöscht und sie damit bereit, sich vollständig in ihr neues Leben, als brave Tochter einzufügen. Doch Kyla ist anders. Immer wieder drängen kleine Erinnerungsstücke in ihren Kopf, die nur darauf warten, in der richtigen Reihenfolge zusammengeordnet zu werden. Sie ist viel aufmerksamer als viele andere Slater in ihrer Umgebung, deswegen entgeht es ihr auch nicht, dass um sie herum seltsame Dinge passieren – auch wenn sie diese bisher nicht so zuordnen kann.
In Kyla kämpfen viele verschiedene Gefühle miteinander. Sie hat Angst um ihren verschwunden Freund Ben, die Zusammenkunft mit alten Bekannten verwirrt sie zunehmend und dann ist da auch noch ihre Familie, die misstrauisch zu werden scheint. Eine ständige Gratwanderung, auf der die Jugendliche immer auf der Hut sein muss.
Als Kyla dann auf die gleichaltrige Rain trifft, beginnt ihr Leben sich erneut komplett zu wandeln. Eine aufregende und spannungsgeladene Zeit liegt vor Kyla und den Lesern.

Kyla ist, wie in Band eins, die Protagonistin der Geschichte, die aus der Ich-Perspektive berichtet. Dadurch entgehen einem zwar die Dinge, die außerhalb ihres Blickfeldes geschehen, Kylas Einstellungen, Gedanken und Gefühlen erlebt der Leser hingegen sehr intensiv. Ihre innere Zerrissenheit wird sehr deutlich. Denn immer bleibt die Frage, wem sie trauen darf und ob sie sich für die richtigen Personen und Seiten entschieden hat. Kyla durchläuft weiterhin eine Entwicklung. Sie ist ja bereits mutiger und selbstbewusster geworden, in diesem Band wächst sie teilweise über sich hinaus, trifft überraschende und tapfere Entscheidungen, auch wenn diese nicht immer ein gutes Ende nehmen.
Neben Kyla trifft man auch viele bekannte Gesichter aus „Gelöscht“. Ihre Familie und die Kameraden aus ihrer Klasse sind wieder mit dabei. Es gibt jedoch auch viele neue Charaktere, die für ordentliche Unruhe sorgen und einiges in Kylas Leben durcheinander wirbeln. Eine besondere Rolle spielt dabei Nico, der lange Zeit nicht zu durchschauen ist und einige Geheimnisse hat.

Der Schreibstil in „Zersplittert“ hat mir wieder sehr gut gefallen. Man fliegt förmlich durch die Geschichte und wenn man sich einmal in dem Sog der Spannung befindet, fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Immer wieder gibt es Überraschungen und unerwartete Wendungen, nie kommt Langeweile auf. Die Handlung wird stetig und temporeich vorangetrieben. Es gibt tolle und detailreiche Beschreibungen von der Umgebung und den Personen, die ergänzt durch Kylas Beobachtungen ein gutes Gesamtbild ergeben.
Die Hinweise auf Band eins sind sehr angenehm untergebracht und der Leser muss sich nicht erst durch eine lange Zusammenfassung von „Gelöscht“ kämpfen. An den Stellen im Buch, an dem es wichtig ist, einen kleinen Hinweis zu bekommen, der einem kurz erklärt, wie es zu der Situation kam, findet man einen solchen Einschub. Für mich, da ich den ersten Teil der Trilogie kenne, hat das völlig ausgereicht um alle Geschehnisse wieder vor Augen zu haben. Für Nicht-Kenner könnte sich das aber, wie bereits gesagt, schwieriger gestalten.
Als besonders spannendes Element habe ich Kylas Träume empfunden. Stück für Stück bekommt man einen Einblick in ihre Vergangenheit, ohne dabei zu wissen, ob es alles so passiert ist, was davon in welcher Form vielleicht in einem anderen Zusammenhang gesetzt werden müsste und welche Personen sich hinter den Stimmen verstecken, die sie oft hört, ohne ein Gesicht dazu zu sehen. Die Auflösung, die nach und nach erfolgt ist sehr interessant gestaltet und obwohl einige Fragen geklärt werden, gibt es noch viele offene Fragen, die neugierig auf den Abschluss der Trilogie machen.

Das Buch endet an einer, in meinen Augen, gemeinen Stelle. Man möchte einfach wissen, was danach passiert, wie es mit Kyla und den anderen weitergeht, welche Bösewichte noch auftauchen, welche Verdächtigen vielleicht doch auf der Seite der guten stehen…

Eine unglaublich fesselnde Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen hat.



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