Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Swantje Berndt - Der Tod und die Diebin


(c) Sieben-Verlag
 Der Tod und die Diebin 
 Bündis der Sieben 01
 Autor: Swantje Berndt
 erschienen Mai 2013
 Verlag: Sieben-Verlag
 ISBN: 978-3-864431-38-8


Es gibt viele verschiedene Weisen zu sterben: durch die eigene Hand, durch die Hand eines anderen, durch Krankheiten oder Unfälle. Daniel Levant ist schon auf vielen, oft unschönen Wegen ums Leben gekommen und als Wiedergeborener auf die Welt zurückgekehrt, mit dem Wissen, was er schon alles erlebt hat. Die Bruderschaft der anonymen Meister hat ihn relativ fest im Griff, so kommt er nicht umhin den einen oder anderen Mord zu begehen. Daniel trägt allerdings nicht umsonst den Beinamen „Sanfter Tod“, wie der Leser bald herausfindet. Als dann Lucy Sorokin in sein Leben tritt, wird es so richtig spannend. Zwei „Kriminelle“, die nicht recht wissen, was um sie geschehen ist, verstricken sich in immer neue Herausforderungen.

Das Buch beginnt und der Leser ist mitten in der Geschichte, zwischen einer Menge Personen, die einem nach und nach vertraut werden, die ihre Geheimnisse lüften und ihren Charakter oft auf der Zunge tragen. Mir gefällt dieser Einstieg in ein Buch sehr gut, lange Vorreden benötige ich nicht, wenn im Laufe des Buches erklärt wird, wie die Figuren miteinander verbunden sind.
Das Netz aus Wiedergeborenen, anonymen Meistern, Nephilim und Menschen ist sehr komplex und interessant. Die Verstrickungen und Anfeindungen der Gruppen untereinander machen es unglaublich Spannend die Geschichte zu verfolgen, da die Übernatürlichen nicht wirklich berechenbar und damit immer für eine Überraschung gut sind.

Lucy ist eine begnadete Diebin, die es im Laufe ihres jungen Lebens gelernt hat, sich durchzuschlagen und ihre Ziele ohne Skrupel zu erreichen. Trotz ihrer traurigen Lebensgeschichte, wirkte sie wie eine sehr selbstbewusste Frau, die meistens weiß was sie will und wie sie es bekommen kann. Schön finde ich, dass auch sie ihre charakterlichen Schwächen hat, manchmal zum Beispiel nicht genug auf ihre Instinkte hört und Gefahren zu spät wittert, wo sie doch selbst ein gefährliches Spiel treibt. Lucy war mir einfach sofort sympathisch, ich mag ihre Art und Weise total gern, obwohl sie eine Diebin ist.
Daniel ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Obwohl er steinalt ist, sieht er sehr attraktiv aus und die Frauen liegen ihm Reihenweise zu Füßen, kein Wunder dass auch Lucy ihm da verfällt, besonders nachdem man ihren momentanen Partner Peter kennen gelernt hat. Peter ist eine total witzige Figur, abgehoben, eitel, distanziert, penibel – der perfekte Schwiegersohnschreck. Bei Daniel ging es mir da ganz anders, obwohl er Menschen umbringt, habe ich ihn gleich in mein Herz geschlossen. Neben seiner kühlen Berechnung zeigt er uns auch seine weiche, sehr liebevolle und einfühlsame Seite.
Die anderen Figuren sind auch sehr vielseitig. Es gibt die bösartigen, gewaltbereiten Nephilim, die zum größten Teil sehr alten Wiedergeborenen, die sehr verschieden von ihrem Wesen sind und noch einige Menschen, die das Bild rund um Lucy und Daniel komplettieren. Die Mischung der Charaktere gefällt mir, jeder darf seine eigenen Ecken und Kanten haben, bei keinem geht es darum perfekt oder unendlich beliebt zu sein. Ich mag es einfach, wenn man Figuren sein lässt, wie sie sind- wir Menschen sind doch auch alle so verschieden.

Der Schreibstil ist wieder unbeschreiblich gut- voll mein Geschmack- was vielleicht auch einfach daran liegt, dass ich mich in Swantjes Texte sehr gut hineinversetzen kann. Die Dialoge und Gedanken sind den Eigenschaften gut angepasst, so dass man immer den Eindruck hat, es passt einfach alles zusammen. Peter darf geschwollen und abgedreht reden, Lucy sagt dagegen lieber frei heraus, was sie denkt, da sie gelernt hat, sich durchschlagen zu müssen.
Und auch die Gefühle kommen in diesem Buch nicht zu kurz. Der Leser wird wieder mitgenommen auf eine Reise durch die unterschiedlichsten Emotionen und Charakterzüge, die sehr realistisch sind. Hass, Abgebrühtheit, Arroganz, Berechnung, Eitelkeit, ein hohes Gewaltpotenzial, Trauer und Verletzlichkeit tauchen gemeinsam mit tiefer und ehrlicher Freundschaft, grenzenloser Liebe, Leidenschaft, Verlangen, sexueller Begierde und Freude in dem Buch auf und zeigen damit eindrucksvoll, wie vielfältig die menschlichen Höhen und Tiefen sein können, wie unterschiedlich Personen sind und wie wenig man manchmal darüber nachdenkt, wie es dazu kommt. Das Buch bringt einem zum Nachdenken, schockt vielleicht an der ein oder anderen Stelle, was durchaus gut ist, da man nur so beginnt seinen Kopf zu bemühen, sich nicht vor dem verschließt, was Schlimmes oder auch Schönes in der Welt passiert und einiges einfach sehr viel bewusster wahrnimmt.
Sehr schön beschrieben sind auch die erotischen Passagen im Buch. Hier geht es nicht so sehr um den Akt an sich, es wird gezeigt, wie lustvoll, erregend und prickelnd auch schon allein die Vorfreude auf Sex sein kann. Die Protagonisten sind bereit sich einander völlig hinzugeben, in den Armen des anderen zu versinken, sich treiben zu lassen auf ihrem Verlangen, bis sie am Höhepunkt angekommen sind.

Das schöne Cover rundet das Buch insgesamt dann noch einmal ab. Die abgebildeten Elemente bekommen im Verlauf der Geschichte ihre ganz eigene Bedeutung.

In meinen Augen ein rundum gelungenes Buch, mit der richtigen Mischung aus Spannung, Gefühl und Action!



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