Samstag, 11. Januar 2014

Rezension: Gelöscht von Teri Terry

 Gelöscht
 Autor: Teri Terry
 erschienen im Juni 2013
 Verlag: Coppenrath-Verlag
 ISBN: 978-3-649-61183-7
 (c) Coppenrath-Verlag

Kyla wurde geslatert – das heißt, ihre Erinnerungen wurden gelöscht und mit einem kleinen Gerät werden ihre Gefühle überwacht, sodass sie ein neues Leben beginnen kann. Dieser Vorgang wird laut Regierung bei jugendlichen Straftätern angewandt, um ihnen eine zweite Chance zu geben. Unweigerlich führt dieses Wissen dazu, dass Kyla sich fragt, wer sie ist und wer sie war – was hat sie getan, dass sie geslatert wurde? Als kleine Erinnerungsfetzen an die Oberfläche zu dringen scheinen, macht sie sich zusammen mit ihrem Slater-Freund auf die Suche nach Antworten und gerät dabei in große Gefahr...

Gelöscht spielt in der nahen Zukunft, etwa 30 bis 40 Jahre voraus. Wie bei vielen anderen Dystopien fasziniert die Vorstellung, wie sich die Welt in den nächsten Jahren entwickeln könnte, sodass das Buch durchaus zum Nachdenken anregt: Wie wird die Zukunft sein? Könnte ein Vorgang wie Slatering wirklich möglich werden? Und wäre dies überhaupt wünschenswert?


Die Idee der Geschichte gefällt mir sehr gut, auch wenn sie im Dystopienbereich nicht unbedingt neu ist – von Grundprinzip und von der Anlage der Hauptfigur (von der eigentlich erzeugten Norm abweichend und rebellierend) erinnert es mich z.B. an Beta von Rachel Cohn.
Dies tut der Spannung aber keinen Abbruch:
Kyla bemerkt selbst schnell, dass sie anders ist – und es wird ihr von ihrem Umfeld auch immer wieder bestätigt. Zusammen mit Kyla, die aus der Ich-Perspektive schildert, kann sich der Leser auf die Suche nach dem Warum begeben. Nach und nach findet sie kleine Details rund ums Slatering heraus und plötzlich auftretende Träume oder Erinnerungsstücke geben ganz langsam ein schwammiges Bild von Kylas Vergangenheit – wobei ständig neue Fragen aufgeworfen werden und sowohl Kyla als auch der Leser sich nie sicher sein können, inwiefern ihre Träume Fiktion oder Wahrheit sind.

Kyla ist eine vielfältige Figur mit sehr unterschiedlichen Wesenszügen. Auf der einen Seite zeigt sie für ihr junges Alter viel Mut und traut sich Fragen zu stellen, auch wenn sie sich damit in Gefahr bringt, auf der anderen Seite zieht sie aber auch immer mal wieder gewollt in das typische Slater-Verhalten zurück und verhält sich wie der erwartet hirnlose Teenager, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Der Erzählstil passt perfekt zu ihrer Situation. Der Sprache der Jugendlichen angemessen schildert sie ihre Erlebnisse und man kann als Leser an ihrem Gedankenchaos teilhaben, wobei man durch kleine Szenen immer wieder erinnert wird, in welch komplizierter Situation sie sich befindest – dass nämlich das Slatering sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, wenn sie z.B. aufgefordert wird, abzuwaschen, aber gar nicht weiß, was dies eigentlich bedeutet oder im Auto gefangen ist, weil sie die Tür nicht zu öffnen weiß. So wechselhaft wie ihre Erlebnisse sind auch ihre Emotionen, die über das Erzählte übertragen werden.

Ein flüssiger, detailreicher Erzählstil sowie die immer wieder neuen Fragen und Erkenntnisse, die vor Spannung sorgen, machen das Buch zu einem interessanten Lesegenuss.

Das Ende kommt dann abrupt mit einem Cliffhanger an einer sehr dramatischen Stelle.
Ich habe die Leseprobe zu Band 2 direkt im Anschluss gelesen, sodass es mir so erschien, als wäre Band 1 einfach an einer spannenden Stelle vom restlichen Geschehen abgeschnitten, so nahtlos setze sich die Handlung und die Erzählweise fort. Daher muss die Fortsetzung natürlich auch so schnell wie möglich gelesen werden, zum Glück erscheint sie bald, sodass sich dann hoffentlich einige Fragen klären.

Fazit:
Eine lesenswerte Dystopie, die mit einen angenehmen Stil und einer facettenreichen Hauptfigur überzeugt. Das Ende, bei dem nicht nur die Handlung an sich sondern auch viele zuvor aufkommende Fragen offen bleiben, macht neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte.

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