Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Das Geflecht von Andreas Laudan

 Das Geflecht
 Autor: Andreas Laudan
 erschienen Mai 2012
 Verlag: Rowohlt
 ISBN: 978-3-499-25848-0
(c) Rowohlt



Eine Gruppe von vier Jugendlichen will in einem stillgelegten Bergwerk ihren Schulabschluss feiern. Als zwei von ihnen in einen dunkeln Schacht stürzen, aus dem sie allein nicht mehr herauskommen, bricht Panik aus. Einer der Jungs ruft seinen Vater, den Bergwerkswärter an. Statt sofort Hilfe zu holen, ruft dieser einen Familienfreund an. Bevor sie ich Gedanken machen, wie sie die Jugendlichen befreien, überlegen sie, wie sie eine alte Tat vertuschen können. Die Lösung ihrer Probleme scheint eine blinde Höhlenforscherin zu sein, die zufällig in der Nähe einen Vortrag hält. Tatsächlich erklärt sie sich bereit, zu helfen, aber als der Schacht einstürzt, gibt es kein Entkommen mehr.
Was lauert dort in der Tiefe, was niemand sehen soll?

Eigentlich lässt sich das Buch mit nur einem Wort beschreiben: wow! Die Geschichte ist vom Beginn an absolut spannend. Es gibt hin und wieder unerwartete Ereignisse, aber unabhängig davon, war es absolut faszinierend, wie Tia sich in der Dunkelheit bewegt, wie mutig sie Lösungen für jedes Problem sucht und dabei noch bemüht ist, die verängstigten Jugendlichen zu beruhigen.
Abgesehen von Prolog und Epilog werden im Grunde nur die Erlebnisse einer einzigen Nacht geschildert. Dabei gelingt es Andreas Laudan, die dunkle, gruselige Stimmung direkt auf den Leser zu übertragen. Die Sprache ist sehr bildhaft beschrieben, sodass man sich das Geschehen gut vorstellen kann.
Wer nun allerdings Ungeheuer a la „the Descent“ erwartet, wird enttäuscht werden – diese hat das Buch aber auch gar nicht nötig. Im Gegenteil, Laudan schildert das Szenario absolut realistisch, sodass die Nerven des Lesers genauso angespannt sind, wie die der eingeschlossenen Personen.

Die Charaktere werden sehr vielschichtig beschrieben. Kleine Rückblicke in die Vergangenheit geben Aufschluss über aktuelle Verhaltensweise und ermöglichen es, sie besser zu verstehen. Vor allem Tia ist eine unglaublich faszinierende Person. Obwohl sie blind ist – oder gerade deswegen – bewegt sie sich sehr sicher durch die Dunkelheit. Ihre anderen Sinne sind viel besser entwickelt und es gelingt ihr, mithilfe von Schnalzgeräuschen, Entfernungen und Hindernisse zu erkennen. Und trotz dieser fast übermenschlichen Fähigkeiten, zeigt auch sie ihre weichen, ängstlichen Seiten, was sie sehr authentisch macht.

Ich war fast etwas enttäuscht, als das Buch zuende war – sehr gern würde ich mich sofort in das nächste Abenteuer mit Tia stürzen.

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