Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Chris P. Rolls - Bodycaught


(c) Rainer Jochens/pixelio.de
 Bodycaught
 Autor: Chris P. Rolls
 erschienen November 2013
 Verlag: CreateSpace Independent
 Publishing Platform
 ISBN: 978-1492940548

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Alec ist ein junger Mann, der auf dem Weg ist, sich selbst zu finden und seine Sexualität komplett zu entdecken. Was als schöne Erfahrung und lustvolles Highlight beginnt, wird jedoch schnell zum Albtraum, der ihn noch lange begleiten wird.
Eine spannende, emotionale, vielseitige Geschichte beginnt, die den Leser gefangen nimmt und so schnell auch nicht wieder loslassen wird.

Alec Tyson hat sich sofort in mein Herz geschlossen. Er ist zu Beginn des Buches noch sehr naiv, unerfahren und einfach auf der Suche nach seinem Glück. Als Außenstehender ist es da immer leicht zu sagen, dass man einige seiner Entscheidungen vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Aber was wäre, wenn man selbst in der Situation steckt? Ich denke, sein Verhalten ist nicht untypisch, wenn es ihn auch in Gefahr gebracht hat. Im Verlauf des Buches entwickelt Alec sich ungemein. Es gibt viele prägende Erlebnisse, sowohl positive als auch negative. Der Leser ist die gesamte Zeit dabei und macht Alecs Entwicklung mit all den Höhen und Tiefen mit.
Mike war mir auch sofort sympathisch. Als Polizist ist er auf beruflichem Weg in Alecs Leben geraten, doch bald verbindet die beiden mehr als nur dieses schlimme Ereignis. Doch Mike steht auf Frauen, da passt Alec nicht in sein Beuteschema. Wie es mit den beiden wohl weitergehen wird?
Neben den beiden Hauptcharakteren gab es noch viele andere, interessante Personen. Besonders Tom konnte bei mir punkten. Er hatte bisher kein leichtes Leben, lässt gern mal den Macho raushängen und ordnet sich nicht gern unter. Und doch zeigt er im Verlauf der Story, dass er auch ganz anders sein kann. Er durchläuft eine enorme Entwicklung und wird richtig erwachsen.
Auch die beiden Giganten und Rick haben das Buch bereichert. Es ist eine tolle Mischung aus Charakteren, die alle so unterschiedlich sind und schon allein dadurch für Stimmung sorgen.

Der Schreibstil ist genau meine Welt. Man ist sofort mitten in der Geschichte und wird mitgenommen auf eine erlebnisreiche Reise durch Alecs und Mikes Leben. Durch viele detailreiche Beschreibungen konnte man sich die Personen und Orte gut vorstellen und hat nie die Orientierung verloren. Immer wieder konnte mich die Handlung überraschen, es gab Wendungen, mit denen man nicht rechnet und die das Blatt noch mal komplett drehen. Besonders gut gefallen hat mir, dass man so mit fiebern konnte – mit leiden, sich mit den Protagonisten freuen oder mit ihnen hoffen. Das Buch ist eine emotionale Wanderung. Man wird von einem Extrem ins Nächste geschubst und weiß manchmal gar nicht, wie einem geschieht. Es geht um so viel mehr als „nur“ um Liebe. Echte, wahre Freundschaft spielt eine große Rolle, Zusammenhalt, Vertrauen und Hoffnung. Auf der anderen Seite bekommt man aber auch intensive Einblicke in die negativen Gefühle, die es gibt: Angst, Hass, Verzweiflung und Trauer spielen ebenfalls eine Rolle und machen das Buch so vielseitig und abwechslungsreich. Es ist wie im wahren Leben. Es gibt nicht nur gute oder nur schlechte Zeiten.
Sehr gut gefallen haben mir auch die erotischen Momente im Buch. Das vorsichtige Annähern, das dann zu forscheren Küssen und Erkundungen wird und letztendlich in heißen Sex endet war schön zu verfolgen. In diesem Momenten war die Leidenschaft, Zuneigung und Liebe so deutlich zu spüren, dass einem einfach das Herz aufgehen muss.
Sehr hilfreich war auch der Perspektivwechsel im Buch. Die Passagen waren entweder aus der Ich-Perspektive von Alec oder aus der von Mike geschrieben. Dadurch haben wir als Leser einen komplexen Eindruck von den Gefühlswelten bekommen. Wenn man sich fragt, wie der jeweils andere wohl gerade denkt oder die Situation empfindet, dann hat man oftmals die Chance bekommen, genau das zu erfahren. Dadurch war es auch möglich, dass Mike und Alec eigenständig Dinge erleben konnten, ohne das wir davon ausgeschlossen wurden.

Im Buch werden viele Probleme angesprochen, die es besonders in der Welt von Homosexuellen gibt. Begonnen beim Outing für die bereits entschlossenen, über die manchmal fehlende Akzeptanz von Familie, Freunden und Kollegen bis hin zu den gedanklichen Auseinandersetzungen, die sich ganz privat im Kopf abspielen, wenn man noch nicht so wirklich weiß, an welchem Ufer man fischen möchte. Auch wenn die Gesellschaft immer offener wird und auch gleichgeschlechtliche Paare häufiger akzeptiert werden, finde ich es wichtig, solche Dinge mit anzusprechen, da sie einfach dazu gehören. Wir leben in keiner grenzenlos toleranten Welt, die jeden so aufnimmt, wie er ist. Da ist es schön, im Buch zu sehen, dass die Protagonisten die gleichen Sorgen haben. Sonst würden sie vermutlich auch nicht so authentisch wirken.

Ein grandioses Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich gern im Gay-Genre bewegt. Spannende Passagen wechseln mit liebevollen und ruhigen ab. Man ist immer wieder gespannt, was als nächstes passieren wird und rechnet dann doch nicht mit dem, was geschieht. Meine Empfehlung: legt euch Taschentücher bereit, ihr werdet sie an der einen oder anderen Stelle bestimmt brauchen.



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